Kronach
Notfälle

Rotes Kreuz Kronach: Wenn Beifahrer zu Lebensrettern werden

Mike Zeiner und Benjamin Schneider arbeiten als Notfallsanitäter beim Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes in Kronach. Nach einer Alarmierung dürfen maximal zwölf Minuten vergehen, bis sie am Einsatzort sind.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mike Zeiner ist Notfallsanitäter beim BRK-Kreisverband Kronach. Foto: Cindy Dötschel
Mike Zeiner ist Notfallsanitäter beim BRK-Kreisverband Kronach. Foto: Cindy Dötschel

Der Rettungswagen hält. Zwei Notfallsanitäter steigen aus. Innerhalb von Sekunden öffnen sie die hintere Tür des Wagens. Mike Zeiner greift nach dem Notfallkoffer, Benjamin Schneider nimmt die Trage mit. Die beiden eilen zum Eingang eines Seniorenheims. Wenige Momente später sind sie im Zimmer der Patientin. Der Notarzt ist vor Ort. Wegen akuter Bauchschmerzen soll die Dame ins Krankenhaus gebracht werden.

13 Uhr. Die beiden Notfallsanitäter sitzen im Aufenthaltsraum der Rettungswache Kronach. Der große Fernseher ist aus, auch ein Radio läuft nicht. Die Gespräche drehen sich um Staubsaugerroboter und fränkisches Essen. "Situationen, die uns im Nachgang beschäftigen, verarbeiten wir mit lockeren Gesprächen unter Kollegen", sagt Schneider und erinnert sich an den Vormittag. Ein professioneller Abstand sei wichtig. "Man darf die Sachen nicht so an sich ranlassen, aber tatsächlich weiß niemand, wie er im Einsatz reagiert", berichtet Zeiner.

Der Beifahrer ist verantwortlich

Als Schneider und Zeiner sich gerade einen Kaffee eingeschenkt haben, ertönt plötzlich der schrille Alarmton. Im Hinausgehen ziehen sie noch ihre Jacken über. Schneider ist heute Fahrer, als Beifahrer trägt Zeiner die medizinische Verantwortung. "Wenn kein Notarzt dabei ist, entscheidet der Beifahrer, was zu tun ist", sagt Zeiner. Während der Fahrer nur einen passenden Führerschein und einen Erste Hilfe Kurs benötigt, müsse der Beifahrer eine Ausbildung zum Notfallsanitäter absolvieren. Dass zwei Notfallsanitäter gemeinsam eingeteilt werden sei eher die Ausnahme.

Über die Rettungsleitstelle wurde der Einsatzort bereits auf das Navigationssystem des Wagens übertragen. Per Funk folgt die Information, dass es sich bei der Verletzten um eine Seniorin handelt. Sie ist gestürzt und hat sich eine Platzwunde zugezogen. Das Garagentor öffnet sich, und Schneider fährt los. Mit Blaulicht und Martinshorn. Die Autos weichen an den Straßenrand aus.

Keine fünf Minuten benötigt

Nach nicht einmal fünf Minuten biegt der Rettungswagen in die Zielstraße in Kronach ein. Zeiner sieht die Patientin als Erster und deutet in ihre Richtung. Es nieselt. Sie steht gemeinsam mit einer anderen Seniorin unter der Überdachung eines Mehrfamilienhauses. Das Auto hält. Innerhalb von Sekunden sind die Retter bei der Patientin. Die Wunde hat bereits aufgehört zu bluten. Mit einem sterilen Tupfer versucht Zeiner das Blut um die Wunde herum zu entfernen. Aufgeregt erzählt ihm die 79-Jährige, dass sie die Treppenstufen vor dem Mehrfamilienhaus hinuntergestürzt ist, bewusstlos sei sie nicht gewesen.

"Wir nehmen Sie mit ins Krankenhaus, dort wird ihre Wunde gesäubert und vielleicht geklebt", erklärt ihr Zeiner. Die Verletzte protestiert, sie wolle am nächsten Tag lieber selber zum Hausarzt. Dennoch lässt sie sich von Zeiner die Treppe hinunter führen und in den Rettungswagen helfen. Einen der Sitze hat Schneider dort bereits mit einem Tuch bedeckt. Es riecht nach Desinfektionsmittel.

Nachdem die Seniorin Platz genommen hat, legt ihr Schneider die Manschette zum Messen des Blutdrucks routiniert an. Zeiner fragt nach ihren persönlichen Daten und ob sie regelmäßig Medikamente nimmt. "Es könnte sein, dass Medikamente der Auslöser für den Sturz sind", erklärt Schneider. Die ältere Frau schaut gespannt auf die Kurve, die auf einem Monitor abgebildet wird. "Ihr Blutdruck ist besser als mein eigener", sagt Zeiner zu der Seniorin und lacht.

Er bleibt während der Fahrt ins Krankenhaus im hinteren Teil des Fahrzeugs bei der Patientin. Schneider gibt zwischenzeitlich bereits bei der Leitstelle Bescheid, dass die Frau aufgenommen wurde und in die Klinik gebracht wird. Die Fahrt in Richtung Krankenhaus geht los. Diesmal ohne Blaulicht und Martinshorn.

Kein Tag ist wie der andere

Der Rettungswagen hält direkt vor der Notaufnahme des Kronacher Krankenhauses. Zeiner und Schneider helfen der Patientin aus dem Fahrzeug und begleiten sie hinein. Eine Krankenschwester kommt und bringt einen Rollstuhl, auf dem die Dame auf dem Flur Platz nehmen kann. Alle Zimmer der Notaufnahme sind gerade belegt. Zeiner wartet noch mit der Patientin, während Schneider bereits zum Wagen zurückgeht und diesen wieder einsatzbereit macht. "In dem Moment, in dem wir in der Notaufnahme ankommen, liegt die Verantwortung nicht mehr bei uns", sagt Schneider während er die Blutdruckmanschette und den Platz, auf dem die Frau saß, desinfiziert. "Routinemäßig werden alle Gegenstände gereinigt, mit denen die Patientin in Berührung gekommen ist."

Gegen 16 Uhr sind Zeiner und Schneider zurück auf der Wache. Ein Kollege brät in der Küchenzeile des Aufenthaltsraums gerade Eier und Leberkäse. Schneider nimmt sich eine Portion. "Wenn gerade Zeit ist, sollte man auf jeden Fall etwas essen", berichtet er. Am Vortag seien die Kollegen direkt bei Schichtbeginn um 6 Uhr ausgerückt und erst zum Schichtende, zwölf Stunden später, wieder auf der Wache gewesen. "Bei Schichtbeginn weiß man nie, was einen erwartet", sagt Schneider. "Medizinisch wiederholen sich die Fälle zwar, aber die Situation außenrum ist immer eine andere", stimmt Zeiner zu.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren