Kronach
Verkehr

Rollender Größenvergleich

Um den enormen Platzbedarf von Autos zu veranschaulichen, initiierte Grrenpeace Kronach am Samstag eine Fahrrad-Demo durch die Innenstadt.
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Ankunft der von Carsten Walther und Markus Geiger angeführten Radler-Demo am BahnhofHeike Schülein
Ankunft der von Carsten Walther und Markus Geiger angeführten Radler-Demo am BahnhofHeike Schülein
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Die Aufmerksamkeit war ihnen am Samstagvormittag sicher: Mit umgebauten Fahrrädern führten Helmut Wesolek, Markus Geiger und Carsten Walther die vom Marienplatz aus startende Fahrrad-Demonstration an. Hierfür hatten die drei Kronacher Umweltaktivisten aus Dachlatten circa 2 mal 3,5 Meter große Holzkästen gebaut, mit leuchtend gelber Farbe bemalt, einem gelb-schwarzen Flatterband umgeben sowie das Gestell mittels Kabelbinder am jeweiligen Fahrrad-Rahmen befestigt. An den Kästen hatten sie Aufschriften wie "Fahr Rad", "Platz statt Blech" und "Wenn ich ein Auto wär" angebracht. "Das ist etwa die Größe von einem Fiesta oder Polo - also von relativ kleinen Autos", veranschaulichte Greenpeace-Mitglied Carsten Walther die unterschiedliche Dimension Fahrrad/Auto, die man mit der Aktion aufzeigen wollte.

Radfahrende könnten die Städte entlasten von Lärm, Abgasen, Staus, Stress und Platzmangel. Knapp die Hälfte aller mit dem Auto zurückgelegten innerstädtischen Strecken sei kürzer als fünf Kilometer; was mit dem Rad gut zu schaffen sei - oftmals sogar schneller. Trotzdem ziehe bisweilen ein Großteil der Bevölkerung das Auto dem Drahtesel vor. Ein großer Hinderungsgrund sei die mangelnde Sicherheit. "Viele haben Angst, in der Stadt mit dem Fahrrad zu fahren", zeigte sich Walther sicher. Die Statistik gibt ihnen leider recht. Die bundesweiten Zahlen zeigen, dass sich die Sicherheitslage von Radfahrenden schlechter entwickelt als der Verkehrsteilnehmer insgesamt. Während die Zahl der Verkehrstoten insgesamt seit 2010 um 13 Prozent zurückgegangen ist, bleibt sie bei Radfahrenden nahezu konstant. Die Anzahl der Verletzten ist unter Radfahrenden überdurchschnittlich gestiegen. Pro Tag stirbt in Deutschland ein Radfahrer.

Städte für Radler sicherer machen

Ein dramatisches Bild zeigt sich, wo die meisten Fahrten mit dem Rad absolviert werden: in den Städten. "2011 verunglückten innerorts mehr Radfahrende tödlich als Autofahrer", erklärte Walther. Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Kurzexpertise beschäftigte sich mit der Frage, wie Städte den Radverkehr sicherer und attraktiver gestalten können. Dazu schlägt die Studie vor, Fahr- oder Parkstreifen in Radwege umzuwidmen. Nicht etwa, indem weiße Streifen die Fahrbereiche der Verkehrsteilnehmer trennen, sondern durch bauliche Maßnahmen wie beispielsweise Poller oder Blumenkübel. Breite Radwege sorgen für zügiges und sicheres Vorankommen: Bequemes Überholen von Rädern mit Anhängern ist dann ebenso wenig ein Problem wie das mitunter ungelenke Fahren von Kindern, die noch nicht ganz sattelfest sind.

Besonderes Augenmerk legen die Autoren auf die Umgestaltung von Kreuzungen. Dort ereignen sich die meisten Unfälle, weil Rechtsabbieger - bei weitem nicht nur Lkw-Fahrer - Räder übersehen. Ein um einige Meter eingerückter, durch Verkehrsinseln abgetrennter Weg - wie in den Niederlanden üblich - könnte Radfahrende deutlich sicherer über die Straßenkreuzung führen.

Die von der Polizei abgesicherte Fahrrad-Demo fand im Rahmen des alljährlich am 22. September begangenen "World Car Free Day" (Internationaler autofreierTag) statt, zu dem auch die unabhängige Umweltschutzorganisation Greenpeace in ganz Deutschland aufgerufen hatte. Start und Ziel war am Marienplatz Kronach. Die rund drei Kilometer lange - durch die Innenstadt führende - Strecke verlief über die Schwedenstraße und Bienenstraße, den Bahnhofsplatz, die Kulmbacher Straße und Stöhrstraße bis hin zur Rodacher Straße und anschließend wieder zurück zum Marienplatz. Den drei umgebauten Fahrrädern schlossen sich eine Reihe weiterer Radfahrer an, die durch ihre Teilnahme gerne die Aktion unterstützten. Darunter waren beispielweise auch Eva Schreiber-Dümlein und Frauenliste-Stadträtin Martina Zwosta, die sich von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit einer solchen Aktion überzeugt zeigten.

Gefahrenstelle Spitalbrücke

Wie diese bedauerten, gebe es in ganz Kronach - gerade auch in der Innenstadt - viele gefährliche Stellen, die sicherlich so manchen Radfahrer abhielten. "Besonders schlimm ist es auf der Spitalbrücke", prangerte Zwosta tiefe Ritze im Kopfsteinpflaster an, in denen man sehr leicht mit dem Rad stecken bleibe. Unterstützt wurde die Fahrraddemo von der "Rad-Orte"-Initiative für entspanntes Radfahren im Landkreis Kronach. Das Meldeportal www.rad-orte.de dokumentiert als Datenbank ausgewählte Meldungen der Landkreis-Bürger zu Orten, an denen man Fußgängern und Radfahrern das Vorankommen sicherer machen sollte. "Man kann Gefahrenstellen melden oder eben auch, wo entsprechende Radwege fehlen", appellierte Walther, dieses sehr sinnvolle Meldeportal zu nutzen.



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