Kronach
Sanierung

Rustikale Hausfassade sorgt in Wallenfels für Aufsehen

Das ehemalige Polizeirevier in der Wallenfelser Ortsmitte wird umgestaltet. Doch an der rustikalen Fassade scheiden sich die Geister.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (links) und Schreinergeselle Oliver Kahl begutachten die Lücken in der Musterfassade der ehemaligen "Karzanella".  Foto: Sandra Hackenberg
Der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (links) und Schreinergeselle Oliver Kahl begutachten die Lücken in der Musterfassade der ehemaligen "Karzanella". Foto: Sandra Hackenberg
+1 Bild

Ist ein Holz frei von Ästen und Löchern, wird es in der Forstwirtschaft als astrein bezeichnet. Beim Blick auf die Fassade von Anwesen Nummer 4 auf dem Wallenfelser Marktplatz ist dieses Adjektiv für Jens Korn jedoch noch nicht zutreffend. Der Bürgermeister runzelt die Stirn: "Das sieht jetzt doch etwas anders aus als auf dem Foto vom Musterhaus."

An der Qualität des pyritgrau gestrichenen Fichtenholzes liegt es nicht, dass sich die Begeisterung des Stadtoberhauptes in Grenzen hält. Doch für die Neugestaltung des Anwesens Nummer 4 auf dem Marktplatz ist - in Erinnerung an die traditionelle Flößerei im Frankenwald - eine wallende Holzoptik vorgesehen. Blöcke sollen die einzelnen Latten abwechselnd von der Fassade abheben, wodurch die wellenartige Struktur entsteht. Die soll sich über eine Voute, eine Wölbung, bis unter das Dach erstrecken.

Die gewünschte Optik stellt sich bislang jedoch noch nicht ein. "Anstelle von Erhebungen sind da jetzt Löcher, durch die man richtig durchgucken kann", resümiert der Bürgermeister.

Bei dem zentralen Gebäude im Herzen von Wallenfels handelt es sich um die ehemalige Polizeiwache "Karzanella", die bereits einmal abgerissen und in den 1950ern als Drogerie wieder aufgebaut wurde. Das Haus mit Historie steht bereits seit rund fünf Jahren leer.

Nun soll es die "Schaltzentrale" des Marktplatzes werden - mit Tourist-Information hinter einer gläsernen Front im Erdgeschoss, öffentlich zugänglichen WCs und zwei kleinen Wohnungen in den oberen Etagen. Gitterstäbe an der Glasfassade sollen an die Historie der ehemaligen Polizeistation mit Gefängniszellen erinnern. Als geplantes Schmuckstück in der Ortsmitte steht die einstige "Karzanella" im Fokus der Umgestaltung des öffentlichen Raums und der Wiederbelebung der Wallenfelser Ortsmitte.

Glücklicherweise handelt es sich bei dem 1,20 Meter breiten Streifen, der sich an der Fassade in die Höhe reckt, erst einmal nur um eine Musterfassade. "Die haben wir angebracht, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie es am Ende aussieht", erklärt Korn. Dem 46-Jährigen sei bewusst, dass bei manchem Wallenfelser Vorbehalte bestehen. "Die Holzfassade hat von Anfang an für Gesprächsstoff gesorgt." So seien Aussagen wie "Wir wollen keinen Schopfen (umgangssprachlich für Schuppen) auf dem Marktplatz!"

Rückmeldungen erwünscht

Auf dem Holzweg glaubt sich Korn aber nicht: "Wir sind eine Holzregion und ich es finde es schade, dass wir es immer verstecken." Viele würden den groben, naturbelassenen Baustoff noch immer mit Armut verbinden. Dabei hätten Holzhäuser im Frankenwald Tradition - und dazu sollten seine Bewohner stehen: "Wir wollten wirklich mal etwas machen, was nicht jeder macht."

Dennoch ist für den Bürgermeister klar, dass nachgebessert werden muss. "Den Bürgern soll es am Ende gefallen — nicht mir." Darum bittet Korn ausdrücklich um Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Auch bei der nächsten Bürgerversammlung Anfang Dezember bestehe die Möglichkeit, noch einmal ins Gespräch zu kommen.

"In der Realität sehen die Dinge oft etwas anders aus als auf dem Entwurf", weiß Schreinergeselle Oliver Klahr, der vorschlägt, die Holzblöcke abzusägen, um die Abstände zwischen den Latten zu verringern. Auch ein Architekt des Büros SRAP aus Nürnberg will morgen noch einmal das 2786-Einwohner-Städtchen aufsuchen, um die Musterfassade zu inspizieren.

Anders als das das derzeitig angebrachte Muster soll die spätere Fassade aus Holz der Weißtanne bestehen, das alle paar Jahre gestrichen werden muss. Die aufwendige Sanierung des Anwesens soll im kommenden Frühjahr beginnen und sich laut dem Bürgermeister über das ganze Jahr erstrecken. Denn wie ein großer Baum nicht an einem Tag wächst, braucht eine hölzerne Fassade ihre Zeit.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren