Kronach
Politik

Realschule Pressig ist vom Tisch

Lediglich elf Kreisräte sprachen sich am Montag in der Kreistagssitzung für eine erneute Probeeinschreibung aus.
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In der Schule Pressig sollte eine Außenstelle der Realschule eingerichtet werden. Daraus wird nun nichts. In der Kreistagssitzung sprachen sich nur elf Kreisräte für eine erneute Probeeinschreibung aus.  Foto: Archiv/Marian Hamacher
In der Schule Pressig sollte eine Außenstelle der Realschule eingerichtet werden. Daraus wird nun nichts. In der Kreistagssitzung sprachen sich nur elf Kreisräte für eine erneute Probeeinschreibung aus. Foto: Archiv/Marian Hamacher

Viele Jahre hatte der Landkreis keine Möglichkeit, im Norden eine Realschule zu errichten, erklärte Landrat Klaus Löffler (CSU). Er bezeichnete die angedachte Bildungseinrichtung in Pressig als ein Angebot der Staatsregierung. Im Juli 2018 sei man seitens des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus angeschrieben worden, eine weitere Einschreibung auf dem Weg zu bringen. Das Angebot des Ministeriums sei eine Chance gewesen, aber "wir können keine Politik gegen die Menschen machen". Die Realschule in Pressig sei weder von den Lehrern, Eltern noch von den Schülern gewünscht gewesen.

"Wir sollten den Tatsachen ins Auge sehen", so SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Rauh. Und: "Wir haben aufs falsche Pferd gesetzt." Er wies darauf hin, dass sich im Landkreis Kronach die Geburtenzahlen seit dem Jahre 1993 von damals 819 auf 424 Geburten im Jahr 2018 reduziert haben. Eine Gemeinschaftsschule im Norden, so Rauh, wäre eher angebracht gewesen. "Die Lehrer und Schüler waren pragmatischer als die Kommunalpolitik."

Er sei der Staatsregierung sehr dankbar, so der Fraktionsvorsitzende der CSU, Bernd Liebhardt. Eine Realschule im Norden sei ein einmaliges Angebot gewesen, jedoch habe es qualitative Sorgen bei Schülern und Eltern gegeben. Positiv sei, dass in den vergangenen Monaten die Schülerbeförderung vorangebracht wurde und der Kreis in Kronach ein hochwertiges Bildungsangebot anbieten könne.

Eine Realschule in Pressig wäre kein Gewinn, sondern eher ein Verlust gewesen, so Petra Zenkel-Schirmer von der Frauenliste. Sie sei froh, dass es die Lehrer genau sahen.

Der Standort Pressig sei eine "postfaktische" Entscheidung gewesen, so der Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt. Es gab kein konkretes Angebot an Eltern und Schüler. Es fehlten Details. Keiner habe gewusst, was auf ihn in Pressig zukommen könnte. Außerdem: "Pressig gehört nicht zum Norden des Landkreises. Steinbach wäre der bessere Standort gewesen."

Es werde immer geäußert, dass die Schüler in der Kreisstadt gerne ein Eis essen oder durch die Weka bummeln, erklärte der Steinbacher Bürgermeister Thomas Löffler (CSU). Er habe sich mit vielen Schülern unterhalten. Die meisten gehen nach dem Unterricht direkt zum Bahnhof. Er plädierte deshalb dafür, einige Jahre ins Land ziehen zu lassen. Wenn in Kronach die Hochschule und der Campus stüden, dann sollte darüber nachgedacht werden, eine Realschule ganz in den Norden zu verlegen. Dann würde die Kreisstadt auch nicht geschwächt.

Bei dem Thema "Realschule in Pressig" waren zu viele Emotionen im Spiel, so der Pressiger Bürgermeister Hans Pietz (FW). Er könne auch die Diskussionen, "wo fängt der Norden an, wo hört er auf", nicht mehr hören. Die Analyse hatte Pressig nun mal als möglichen Standort hervorgebracht.

Bevor ein Lehrer nach Pressig fahre, müssten eher die Schüler einen viel weiteren Weg in Kauf nehmen, so der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch (CSU). Aus seiner Gemeinde gehen einige Heranwachsende in die weiterführende Schule nach Thüringen. Dafür werde ein Bus eingesetzt. Auch nach Pressig hätte man eine Direktverbindung eingerichtet. Die Schüler hätten viel Zeit gespart, zumal sie derzeit erst mit dem Bus von Tettau nach Steinbach gebracht werden müssen, um anschließend mit der Bahn nach Kronach zu fahren . Dort müssen sie einen 20-minütigen Fußmarsch absolvieren, um in die Schule zu gelangen. Wo sollen wir im Norden künftig die Fachkräfte herbekommen?, fragte Ebertsch.

Wiegand zeigt sich enttäuscht

"Ich bin sehr traurig", so Angela Wiegand (CSU). Es sei zu wenig Werbung für die Probeeinschreibung gemacht worden. Die Erfahrung zeige, dass - dort, wo Schulangebote vorhanden seien, sich auch Familien ansiedeln.

Aufgrund der Schülerzahlen werde es schwierig, in Zukunft eine weiterführende Schule zu etablieren, so der Steinwiesener Bürgermeister Gerhard Wunder (CSU). Der Landkreis als Sachaufwandsträger stand hinter dem Angebot des Freistaats Bayern. Wunder stellte klar, dass die Erstellung von Konzepten, Inhalten und die Organisation eine Sache der Realschule und des Freistaats gewesen sei. "Hier war der richtige Wille nicht erkennbar."

Der Landrat erinnerte an intensive Diskussionen. Im Übrigen sei der Standort Pressig von der Staatsregierung festgelegt worden. Und er meinte weiter: "Eine Gemeinschaftsschule hatte und hat keine Berechtigung."

Keine Einwände gab es bezüglich der Änderung in der Besetzung des Jugendhilfeausschusses. Demnach wurde Moritz Wicklein als stimmberechtigtes Mitglied abberufen. Er wird durch Philipp Wich ersetzt. Seine Stellvertreterin ist Claudia Russ. Als beratendes Mitglied fungiert Andy Fischer. Stellvertreter ist Sebastian Görtler.

Im Landkreis Kronach ist ein Investitionsstau in Höhe von 100 Millionen Euro vorhanden. Das erklärte Landrat Klaus Löffler am Montag im Kreistag bei der Vorstellung der Eckdaten des Haushalts. "Wir müssen sorgsam umgehen und das Wünschenswerte vom Notwendigen trennen." 15,7 Millionen Euro will der Landkreis in diesem Jahr investieren. An Zuschüssen werden 11,2 Millionen Euro erwartet. Die geplante Kreditaufnahme liegt bei 1,18 Millionen Euro. Der Schuldenstand beträgt neun Millionen Euro.

Investitionsschwerpunkte sind die Sanierung des Landratsamtsgebäudes (2,15 Millionen Euro), des VHS Gebäudes (3,37), die Digitalisierung der Schulen (940 000), die Konzepterstellung für die Sanierung der Berufsschule (150 000). Für die Sanierung von Kreisstraßen (der FT berichtete) sind im Rodachtal 3,6 Millionen Euro vorgesehen. Dass der Landkreis in diesem Jahr den Investitionsschwerpunkt beim Straßenbau ins Rodachtal verlegt, sei dringend notwendig, so Klaus Löffler.

Ein Investitionsschwerpunkt ist auch der Ölschnitzsee in Windheim. Hier sollen nach Ende der Badesaison die Bauarbeiten beginnen. Löffler sprach von zwei weiteren Herausforderungen, für die in der März-Sitzung ein Grundsatzbeschluss gefasst werden soll. Zum einen geht es dabei um die KC 5 in Hummendorf und um die Straße von Pressig nach Eila. Da seien viele Kinder unterwegs: "Es geht um die Verkehrssicherheit der Kleinsten", so der Landrat.

Abstimmungsgespräch

Zudem kündigte Klaus Löffler an, dass nach den Straßenbaumaßnahmen im Rodachtal die KC 1 von Ebersdorf zum Rennsteig in Angriff genommen werden soll. Er geht von Kosten in Höhe von 4,2 Millionen Euro aus. Bezüglich des Radwegeausbaus von der KC 3 nach Gifting kündigte der Landrat ein Abstimmungsgespräch mit allen Behörden an. Kreiskämmerer Günther Daum wies darauf hin, dass die Kreisumlage mit 41 Punkten gegenüber dem Vorjahr unverändert bleibt.

Die Schlüsselzuweisungen steigen von 11,45 auf 13,15 Millionen Euro. Der Landrat sprach davon, dass der Freistaat in Bezug auf Schlüsselzuweisungen nachjustiert habe und der Landkreis nun 850 000 Euro (sind oben bereits eingerechnet) zusätzlich erhalten habe. Die zusätzlichen Mittel will der Landkreis unter anderem in den Straßenunterhalt, in die Telefonanlage des Landratsamts und in Beschaffungen für den Bauhof investieren. Löffler bezeichnete die Schlüsselzuweisungen als feste Einnahmesäulen der Städten und Gemeinden.

Kronach sei ein kleiner Landkreis mit einem kleinen Budet. Wenn sich der Kreis alles leisten wolle, was es in benachbarten Landkreisen nicht gebe, dann müsse mehr Geld vom Staat fließen und man müsse sich mehr engagieren, so Daum. Im April soll der Haushalt 2019 verabschiedet werden.

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