LKR Kronach
Verhandlung

Rauflustige Geschwister: Erst fliegen die Fäuste, dann bricht der Kiefer

Zwei Brüder aus dem Kreis Kronach geraten in Streit - dann fliegen die Fäuste. Es ist nicht das erste Mal, dass die Familie die Gerichte beschäftigt.
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Den Grund für die Zwistigkeiten liefert immer wieder das Lohndreschunternehmen des Vaters, der den Betrieb allerdings nicht mehr selbst führen kann. Über die Zukunft der Firma sind die drei Brüder unterschiedlicher Auffassung. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Den Grund für die Zwistigkeiten liefert immer wieder das Lohndreschunternehmen des Vaters, der den Betrieb allerdings nicht mehr selbst führen kann. Über die Zukunft der Firma sind die drei Brüder unterschiedlicher Auffassung. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Dass Brüder nicht immer ein Herz und eine Seele sein müssen, zeigte sich am 8. Juni 2018: Damals kam es zwischen zwei Brüdern aus dem Landkreis Kronach zu einem heftigen Streit, der in einer tätlichen Auseinandersetzung mündete. Wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung musste sich jetzt der jüngere der beiden Streithähne vor dem Kulmbacher Amtsgericht verantworten.

Der 43-jährige Angeklagte gab zu, an besagtem Tag "emotional aufgewühlt" gewesen zu sein. Er räumte auch ein, dass er seinen 50-jährigen Bruder aus dem Auto zerren und ihn am Wegfahren hindern wollte. Als ihn sein Bruder gebissen habe, habe er nach ihm getreten und ihn "an der Seite" getroffen. Die Gehirnerschütterung, die sein Bruder erlitten haben soll, könne er sich aber nicht erklären.

Zoff um einen Mähdrescher

Der Streit innerhalb der Familie währt schon lange und hat die Gerichte schon mehrfach beschäftigt. Meistens waren das als Nebenkläger auftretende Opfer und der Zwillingsbruder des Angeklagten beteiligt. Weitere Verfahren sind anhängig.

Den Grund für die Zwistigkeiten liefert immer wieder das Lohndreschunternehmen des Vaters, der den Betrieb aus Alters- und Krankheitsgründen nicht mehr selbst führen kann. Diese Aufgabe teilen sich der Angeklagte und sein Zwillingsbruder. Eigentlich wollen beide die Firma auflösen. Das aber geht nicht, weil der dritte Bruder im Bunde den Mähdrescher samt Schneidwerk nicht zurückbringt. Der Angeklagte gab zu, dass er sich darüber aufgeregt habe, dass sein Bruder zwar die Gerätschaften genutzt, die Erlöse jedoch nicht auf das gemeinsame Konto überwiesen habe. Zudem habe man sich über die Unterbringung des Vaters gestritten.

Ganz anders schilderte der Nebenkläger im Zeugenstand die Geschichte. Der 50-Jährige führte aus, dass er auch noch Faustschläge ins Gesicht abbekommen habe. Dies habe dazu geführt, dass er auf einer Seite sein Gehör verloren habe. Im Klinikum Kulmbach sei ein Bluterguss im Ohr diagnostiziert worden. Bis heute sei er auf einer Seite taub. Außerdem habe er damals einen Kieferbruch davongetragen. Er habe immer noch Beschwerden.

Nicht mehr reparable Defizite

Richterin Sieglinde Tettmann bat die Prozessbeteiligten aufgrund der unterschiedlichen Schilderungen und Wahrnehmungen der beiden Brüder zu einem Gespräch. Gericht, Staatsanwaltschaft und der Angeklagte wären mit einer Einstellung des Verfahrens einverstanden gewesen, nicht aber der Nebenkläger, der mit der Schilderung seiner körperlichen Schäden begann. Sein Rechtsanwalt Stefan Walder beantragte schließlich, die schweren, nicht mehr reparablen Defizite seines Mandanten am Gehör sowie den Kieferbruch zu dokumentieren. Außerdem solle ein Sachverständigengutachten angefordert werden. Die Ärzte wurden von der Schweigepflicht gegenüber dem Gericht entbunden.

Die Hauptverhandlung wurde ausgesetzt. Sollten die Ärzte die Verletzungen bestätigen und diese eindeutig der Schlägerei unter Brüdern zuordnen, wird das Verfahren fortgeführt. Sollte sich der Sachverhalt dagegen nicht so darstellen, wird das Verfahren eingestellt. Der Angeklagte müsste dann eine Geldauflage von 2000 Euro in sechs Raten an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

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