Steinberg
Jubiläum

Putzfrauen schrubben die Madonna

Das 100-jährige Bestehen der neue Kirche in Steinberg wurde feiert. Solisten und Gruppen gratulierten auf ihre ganz eigene Art und Weise. Sie zeigten, wie die Steinberger zu ihrem Spitznamen kamen.
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In einer kleinen Einlage zeigte man, wie die Steinberger zu ihrem Spottnamen "Staaberche Heilingschrubber" kamen. Das Bild zeigt Edeltraud Müller und Nadine Buckreus als etwas übereifrige Putzfrauen.  Foto: Heike Schülein
In einer kleinen Einlage zeigte man, wie die Steinberger zu ihrem Spottnamen "Staaberche Heilingschrubber" kamen. Das Bild zeigt Edeltraud Müller und Nadine Buckreus als etwas übereifrige Putzfrauen. Foto: Heike Schülein
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"Wos hobt denn ihje gemaocht? Seid denn ihje wa ohnsinnich? Su a Schandaspu-ed. Die Figue is ja frueschanacket" - Mesner Veit traut seinen Augen kaum, als er das Desaster sieht. Die beiden Putzfrauen der Kirche St. Pankratius hatten es etwas zu gut mit der Sauberkeit gemeint und die Marien-Statue mit einem Scheuermittel bearbeitet. Das scheint der Heiligenfigur aber nicht ganz bekommen zu sein, ein Teil der Farbe ist ab - und das Ganze drei Tage, bevor der Bischof nach Steinberg kommt. "Mein Putzlappen ist ja ganz blau", wundert sich "Putzfrau" Nadine Buckreus.

Doch da ist es schon zu spät. Es hilft alles nix. "Soacht dem Bappist Bescheid. Dä söll mit seim Moped zenn Restaurator nouch Bommberch foah und die Figue mitnehm", gibt der Mesner an und "ä söll aufpass, demit na kanne sicht, sonst gemme nuch als ,Heilingschrubbe ve Staaberch‘ in die Historie ei."

Mit der Geheimhaltung war es bekanntermaßen nicht weit her.
Längst haben die Steinberger ihrer Spottnamen, auf den sie übrigens sehr stolz sind, weg. Da diese Begebenheit auch Bestandteil der 100-jährigen Geschichte der neuen Kirche ist, durfte sie beim Abendkonzert am Sonntag anlässlich des Jubiläums nicht fehlen. Angekündigt war die schöne kleine Einlage aus der Feder von Martin Ebert nicht. Dafür war die Überraschung umso größer, als man die Pfarrgemeinderätinnen Nadine Buckreus und Edeltraud Müller als "Heilingschrubberinnen" sowie Martin Ebert als Mesner Veit in Action erleben durfte.


Ein schöner Abend

Die drei waren natürlich nicht die einzigen Mitwirkenden des schönen Abends. Viele weitere regionale Gruppen und Solisten sangen beziehungsweise spielten in der geschmückten Pfarrkirche an den verschiedensten Instrumenten. Sie alle hatten ein sehr abwechslungsreiches Programm einstudiert, das seinem Namen "Musik an einem Sommerabend" alle Ehre machte.

Beim mehr als zweistündigen musikalischen Potpourri setzte man auf eine Mischung vieler unterschiedlicher Stilrichtungen. So wie sich im Kirchenjahr Zeiten der Besinnung und der Feststimmung abwechseln, so erklangen an diesem Abend nachdenkliche und fröhliche Stücke. Da wechselten sich Weisen und Klassiker mit modernen Stücken der Neuzeit ab. Dementsprechend viel Beifall gab es für die durchwegs gelungenen und ansprechenden Auftritte, die beachtliches Niveau hatten.

Groß war die Bandbreite der gewählten Musikinstrumente. Eingeleitet wurde das Konzert mit dem Turmblasen von der Bläsergruppe des Musikvereins Steinberg. Was für ein fulminantes Klangerlebnis! Schon das Eröffnungsstück machte deutlich, dass sie nicht einfach "nur" Musik spielen, sondern gleichsam wie "Instrumente des Herrn" Gottes Wort verkünden. Dies gilt auch für Markus Punzelt sowie Werner Müller, die mit "Flourish for an Occasion" beziehungsweise "Halleluja" aus dem Oratorium "Der Messias" ihr Können an der Orgel demonstrierten, sowie Gottfried Grau (Flöte) und Pater Waldemar (E-Gitarre) mit ihrem Adagio aus der A-Moll Sonate von Loeillet de Gant.


Die Gesänge berühren

Zutiefst berührend waren auch die Gesangsbeiträge. Die schöne Stimme von Anita Letsch kam bei "In a Country Church yard" - begleitet von Dieter Przibylla an der Gitarre - vollends zur Geltung. Mit ansteckender Musizierfreude interpretierte die Kirchenband Laudamus "You raise me up" sowie "Jesus, berühre mich", die Koki-Band "Woran glaubst Du?" sowie die Taizé-Gruppe "Meine Hoffnung und meine Freude" als auch "Behüte mich Gott". Mit schönem Gleichklang beeindruckten auch die Gesangsgruppe des Musikvereins Grössau/Posseck mit "Sancta Maria" sowie der Männergesangverein Cäcilia Steinberg mit "Es klingt ein Lied" sowie "Die Nacht fällt hernieder". Wie vielfältig Blasmusik arrangiert werden kann, stellte einmal mehr der Musikverein Steinberg unter Beweis mit seinen Stücken "Morgens um sieben" sowie "Amen" als auch das neugegründete junge Trio Jonas Müller, Kevin Beiergrößlein und David Schnappauf mit dem "Menuette" aus Händels "Feuerwerksmusik".

Mit dem gemeinsam gesungenen "Ein Haus voll Glorie schauet" wurde das Abendkonzert abgeschlossen. Einmal mehr hatte dieses bewiesen, welch hohen Stellenwert die Musik in Steinberg und Umgebung einnimmt und wie glücklich sich eine Pfarrgemeinde schätzen darf, solche musikalischen Glaubensbekenntnisse genießen zu dürfen. Mit seinen Klangkörpern verfügt Steinberg gleich über mehrere solcher wertvollen "Schätze".


Kurzweiliger Einblick

Die Gäste waren von Pater Waldemar willkommen geheißen worden. Zwischen den Stücken gaben Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Martin Ebert und seine Stellvertreterin Helene Müller einen kurzweiligen Einblick in die 100-jährige Kirchengeschichte.
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