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Kronach
Auflagen

Public Viewing zur Fußball-WM in Kronach: Jubel ja, Tröten nein

Am 12. Juni wird die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien angepfiffen. Ab 16. Juni geht die deutsche Mannschaft auf Torejagd. Damit die Fans zu Hause gemeinsam mitfiebern können, müssen rechtliche Weichen gestellt werden.
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Auf gemeinsamen Jubel wie hier während der WM 2010 hoffen die Kronacher Fußballfans auch bei den deutschen Spielen im Juni und Juli.  Foto: Archiv/Frank Förtsch
Auf gemeinsamen Jubel wie hier während der WM 2010 hoffen die Kronacher Fußballfans auch bei den deutschen Spielen im Juni und Juli. Foto: Archiv/Frank Förtsch
Der Schiedsrichter pfeift die zweite Halbzeit des WM-Spiels gegen Ghana an. Der Ball wird sofort aus dem Mittelfeld nach vorne gepeitscht. Klose nimmt Maß. Er will die deutsche Nationalmannschaft frühzeitig in das Achtelfinale schießen. In Kronach fiebern Hunderte Fans vor der Leinwand mit. Der Ball zischt in Richtung Tordreieck, der Torwart springt - und dann wird das Bild schwarz. Es ist 22 Uhr. Schluss mit Public Viewing.
So würde es am 21. Juni möglicherweise aussehen, wenn die bisherigen Regularien des Bundesimmissionsschutzgesetzes noch gelten sollten. Damit ist allerdings nicht zu rechnen, denn die Regierung will mit einer Sonderregelung den Weg für das Public Viewing in Deutschland während der vierwöchigen Weltmeisterschaft frei machen.

Der Haken bei diesem Turnier ist die Zeitverschiebung. Viele Spiele dauern bis nach 22 Uhr oder sogar bis nach Mitternacht.
Zu so später Stunde müsste unter normalen Umständen in Wohngebieten jedoch Ruhe herrschen. Eine Public-Viewing-Verordnung des Bundestags sollte die Lage für die Fußballfans jedoch entspannen. Sie muss nur noch im Bundesrat abgesegnet werden.

Ob damit jedoch Tür und Tor für rauschende Fanfeste geöffnet sind, bleibt abzuwarten. MdB Florian Pronold (SPD) weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass "laute Tröten oder diese Vuvuzelas, die wir von der WM in Südafrika kennen, tabu beim Public Viewing in diesem Sommer sind". Und letzten Endes treffen erst noch die örtlichen Behörden die Entscheidung, wann und ob sie von der Sonderregelung Gebrauch machen. In der Kreisstadt Kronach, die schon viele Erfahrungen mit Public-Viewing-Veranstaltungen gesammelt hat, wir es beispielsweise keinen Freifahrtschein geben. "Wir verbescheiden solche Veranstaltungen im Rahmen des bestehenden Rechts", betont Hauptamtsleiter Stefan Wicklein. Dabei werde die Stadt nicht pauschal handeln, sondern immer den Einzelfall berücksichtigen. "Man muss sehen, wann und wo das Public Viewing stattfindet. Schutzwürdige Interessen und der Gebiets-Charakter müssen in die Entscheidung einfließen", stellt er klar. Am Ende sollten alle Interessen Berücksichtigung finden, damit keiner in die Röhre schaut.

Auflagen genau abwägen

Wenn ein Veranstalter in Kronach ein Public-Viewing-Event beantragt, ist zunächst die Stadt gefordert. Welche Auflagen sie verhängt, liegt an verschiedenen Faktoren, wie Dieter Krapp vom Ordnungsamt berichtet. "Es geht um die Größenordnung, darum ob es in der Halle ist oder draußen, ob es nur Steh- oder auch Sitzplätze gibt und ob es in einem sensiblen Bereich stattfindet." Sind Auflagen nötig, können beispielsweise ein Sicherheitsdienst oder Kontrollen am Eingang - wegen Feuerwerkskörpern - gefordert werden. "Wir müssen von Fall zu Fall abwägen", sagt Krapp. Und er weist darauf hin, dass die Ausnahmeregelung auch nur für die Dauer des Spiels gilt, eine Party danach zählt nicht mehr dazu. Die Kosten, die durch die städtischen Auflagen verursacht würden, seien überschaubar, meint Krapp und sagt: "Gema und Fifa sind das Teure."

Das sagen die Veranstalter

Markus Welsch: "Als wir angefangen haben, waren wir noch so etwas wie die Pioniere. Heute verteilt sich das Public Viewing auf viel mehr Anbieter - und das ist auch ok so", blickt Markus Welsch auf die Entwicklung seit der ersten derartigen Veranstaltung des "Café Kitsch" vor zehn Jahren zurück. Seitdem strahlte man alle EM- und WM-Turniere aus. Auch heuer wird das "Kitsch"-Team mitmachen. "Wegen der Regelungen habe ich keine Bedenken", betont Welsch, "alleine schon, weil wir es indoor machen". Und bei einer WM drücke seiner Erfahrung nach jeder Nachbar alle Augen zu. Außerdem habe es beim Public Viewing im "Kitsch" eine Entwicklung vom Hype zum gemütlichen miteinander Gucken gegeben.

Steffen Mahr: "Mit der Stadt haben wir soweit geklärt, dass wir die Halle mieten. Jetzt warten wir, was die Regierung macht. Ich glaube aber nicht, dass der Veranstaltung etwas im Wege stehen wird", sagt Steffen Mahr zuversichtlich. Er gehört zum Organsationsteam des Veranstalter-Trios Parti GmbH, Schützenhaus und Rosenbergalm. In der Vorrunde gebe es sowieso nur ein 21-Uhr-Spiel der Deutschen, sagt er. Danach werde es von den Anstoßzeiten her "interessanter". Mahr stellt fest: "Wir begeben uns in der Kühnlenzpassage komplett auf Neuland. Wir sind mitten in der Stadt und wissen, wie wir uns da benehmen müssen." Es gehe nicht ums Partymachen, sondern um Fußball ohne großes Tamtam.

Tobias Holland: "So ein Public Viewing ist für einen Veranstalter ein teurer Spaß", weiß Tobias Holland, Inhaber von "Holly's Cinema Bar", der nach der EM 2012 auch heuer im "Kettelerhaus"-Biergarten die deutschen Spiele präsentieren wird. Er erwartet, weder seitens der Stadt - wenn die angestrebte Sonderregelung greifen sollte - noch seitens der Nachbarschaft, Steine in den Weg gelegt zu bekommen. Schwieriger sei die Frage der Unkosten; Technik, zusätzliches Personal und Lizenzen (Fifa, Gema) schlagen hier zu Buche. Mit 800 Euro Miete pro Spiel sei man für einen Tageslichtbeamer dabei, rechnet er vor. Die Partien wird er vermutlich im Zelt zeigen und den Rahmen damit überschaubar halten.


Spiele, Zeiten und Geräusche

Deutschland
Die Termine (mitteleuropäischer Zeit) der deutschen Nationalmannschaft in der Vorrunde und mögliche Termine in der K.o.-Runde, sofern sie diese erreicht. Vorrunde: Deutschland - Portugal (16. Juni, 18 Uhr), Deutschland - Ghana (21. Juni, 21 Uhr), Deutschland - USA (26. Juni, 18 Uhr); Achtelfinale: 30. Juni (22 Uhr) oder 1. Juli (22 Uhr); Viertelfinale: 4. Juli (18 Uhr) oder 5. Juli (18 Uhr); Halbfinale: 8. Juli (22 Uhr) oder 9. Juli (22 Uhr); Spiel um Platz 3: 12. Juli (22 Uhr); Finale: 13. Juli (21 Uhr).
Weltmeisterschaft Die Weltmeisterschaft in Brasilien beginnt am 12. Juni und endet am 13. Juli. Zu diesen Anstoßzeiten finden die insgesamt 64 Spiele statt: 24-mal um 18 Uhr (MESZ), 11-mal um 21 Uhr, 18-mal um 22 Uhr, 10-mal um 0 Uhr, 1-mal um 3 Uhr.

Verordnung Nach 22 Uhr darf laut Bundesimmissionsschutzgesetz in Wohngebieten bei öffentlichen Veranstaltungen der Geräuschpegel von 40 Dezibel normalerweise nicht überschritten werden. Dies entspricht leiser Musik, wie aus einer Pressemitteilung der Bayern-SPD hervorgeht. Wie laut Geräuschquellen im Vergleich sind, sehen Sie im Folgenden.

10 bis 20 Dezibel Das Rascheln von Blättern

60 Dezibel Normales Gespräch oder Radio

80 Dezibel Straßenlärm an Hauptverkehrsstraßen, Staubsauger, Kindergeschrei

120 Dezibel Martinshorn

Quelle: 3sat.de

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