Das ging flott: Erst am Wochenende hatte Michael Kaiser erfahren, dass heute in der Tettauer Festhalle das erste Deutschlandtreffen der "Alternativen Mitte" (AM) stattfinden soll (wir berichteten). Wenige Stunden später war die "Aktionsgemeinschaft für ein buntes Leben" geboren, am Montag schließlich beim Kronacher Landratsamt offiziell eine Demonstration als Eilversammlung angemeldet und unter Auflagen genehmigt. "Wir hoffen, dass möglichst viele kommen", so Kaiser, der als Sprecher der Aktionsgemeinschaft auftritt. "Wir wollen ein Zeichen setzen gegen Rechts, gegen die Inhalte, die die AfD vermittelt. Und das friedlich und vor allem legal."

Da noch immer unklar ist, wann die AM genau mit ihrem Treffen beginnen wird, trifft sich die Aktionsgemeinschaft bereits um 8 Uhr vor der Festhalle.


Einfach der falsche Ort

Eigentlich werde rechtes Gedankengut dadurch am besten abgestraft, indem es gar nicht erst beachtet wird, meint Kaiser, der in Tettau eine Gastronomie betreibt. Dort habe er mit Freunden und Bekannten aber am Wochenende viel diskutiert. "Und wir haben festgestellt, dass wir das als Bürger nicht akzeptieren können", so der Sprecher der Aktionsgemeinschaft.

Denn Tettau sei schon aufgrund seiner Geschichte der gänzlich falsche Ort für eine Veranstaltung, an der ausschließlich AfD-Mitglieder teilnehmen. "Hier leben wir Integration schon seit 40 oder 50 Jahren", erinnert er an Portugiesen, Griechen oder Türken, die durch die Glasindustrie nach Tettau kamen. "Mit denen sind wir aufgewachsen. Da hat es nie eine Frage der Integration gegeben. Es war immer das Normalste von der Welt, dass verschiedene Menschen da waren. Da gab es auch nie Probleme", sagt Kaiser. Bei der Frage, ob seine Mitstreiter und er nun protestieren sollen oder nicht, habe auch die deutsche Geschichte eine Rolle gespielt. "In der NS-Zeit hat es ja auch langsam angefangen." Nur tatenlos zuzuschauen, käme daher nicht infrage.


Weidel sagt ab

Bei der "Alternativen Mitte" handelt es sich um eine Gruppe innerhalb der AfD, die sich nach eigener Aussage von rechten Strömungen innerhalb der Partei abgrenzen will. Offenbar gehören dieser Initiative etwa zwei Prozent der AfD-Mitglieder an.

Rund 150 werden heute in Tettau bei der geschlossenen Veranstaltung dabei sein, wenn dort die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch sowie das Gründungsmitglied und ehemaliger Vorsitzender Konrad Adam reden. Zunächst stand auch die neue AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel auf der Rednerliste, die am Wochenende aus gesundheitlichen Gründen jedoch absagte.

Selbst falls es sich bei den Teilnehmern um gemäßigte Kräfte innerhalb der AfD handelt, möchte die Aktionsgemeinschaft das nicht akzeptieren. "Sie sagen zwar, dass sie sich vom rechten Rand abgrenzen wollen, aber selbst wenn sie jetzt einen linkeren Weg einschlagen sollten, ist der immer noch rechts", sagt Kaiser.

Am Montag gab es ein Treffen, an dem neben der Aktionsgemeinschaft auch die Polizei, das Landratsamt, der Bürgermeister, Vertreter der Kommune sowie der Pächter der Festhalle teilnahmen. "Wir haben einen genau festgesteckten Platz, aus dem wir auch nicht rausgehen", erklärt der Sprecher. Dafür seien nun Schilder und Plakate gemalt worden. Sitzblockaden oder Straßensperren werde es nicht geben. "Wir haben ein bisschen Angst, dass Chaoten von der Antifa aus Berlin oder München kommen könnten. Vermutet wird es jedoch nicht."


Veranstaltungsort angesehen

Die Polizei ist auf jeden Fall vorbereitet. Am Dienstag sei definitiv mehr Personal im Einsatz als üblich, teilt Markus Löffler, Leiter der Polizeiinspektion Ludwigsstadt mit: "Meine Kernaufgabe ist die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung. Friedlichkeit ist oberstes Gebot." Am Montag habe sich die Polizei den Veranstaltungsort daher im Vorfeld auch schon einmal angesehen.