Oberlangenstadt
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Prinzenpaar in Partnerschaft: "Es ist schon ein schönes Gefühl"

Dirk Stauch und Gerald Fischer leben seit 2004 in einer Beziehung, die seit drei Jahren auch rechtlich fixiert ist - das hat verschiedene Gründe.
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Dirk Stauch und Gerald Fischer haben sich die Hausarbeit aufgeteilt. Foto: Veronika Schadeck
Dirk Stauch und Gerald Fischer haben sich die Hausarbeit aufgeteilt. Foto: Veronika Schadeck

Gerald Fischer und Dirk Stauch sorgten nicht nur im Jahre 2014 als Oberlangenstadter Prinzenpaar für Schlagzeilen, sondern auch zwei Jahre später, als sie am 11. November 2016 im Küpser Rathaus eine eingetragene Partnerschaft nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz eingingen. Mittlerweile hat sich bei den beiden der Alltag eingeschlichen, die Liebe und der gegenseitige Respekt sind nach wie vor geblieben.

Es war ein tolles Fest, als der damals amtierende Bürgermeister Herbert Schneider zum Rathaussturm am Abend das Trauungszeremoniell nachstellte, schwärmen beide. Als frisch vermähltes und noch amtierendes Prinzenpaar zogen beide zusammen mit Trauzeugen und Gefolge auf der "Fouayacht" (Faschingsschiff) auf dem Rathausplatz ein. Natürlich durfte auch der Hochzeitskuss nicht fehlen.

Eigentlich, so denkt Gerald Fischer kurz nach, habe sich seit der "Hochzeit" nicht vieles geändert, außer dass er nun seinen Ehepartner jeden Abend sehe. Vorher sei es eine Wochenendbeziehung gewesen. Sein Mann arbeitete vor der Hochzeit als Polier und war oft auf Montage. Beide lebten für die Wochenenden. Mittlerweile pendelt Dirk Stauch täglich von Oberlangenstadt nach Adelsdorf (Landkreis Erlangen). Und es geht zu wie in nahezu jeder Familie. Wenn Dirk Stauch abends nach 18 Uhr nach Hause kommt, hat Gerald das Abendessen zubereitet. "Ich koche fast jeden Abend - vorher gab es das nicht." Während das Ehepaar erzählt, spürt man die Harmonie, die beide miteinander verbindet. Sie erzählen von der Hausarbeit, die aufgeteilt wird: So ist Gerald für Kochen und Wäschewaschen zuständig, beim Bügeln wechseln sich beide ab. Die Gartenpflege ist wiederum ausschließlich Geralds Aufgabe, bis auf den Rasen - den mäht Dirk. Die Aktionen, die sich früher auf das Wochenende konzentriert haben, wie beispielsweise der Besuch von Freuden, Kino oder Kneipen, finden nun auch während der Woche statt.

Es sei schon ein schönes Gefühl, den Partner täglich zu sehen, aber man müsse auch aufpassen, dass sich keine Routine einschleicht, betont Gerald Fischer. Manchmal habe er den Eindruck, dass er früher mit seinem Partner am Telefon mehr kommuniziert habe als nun persönlich.

"Es ist eigentlich so wie in jeder Ehe", erklärt Dirk Stauch. Man darf den anderen nicht als eine Selbstverständlichkeit sehen und müsse auch Kompromisse eingehen. Dem kann Gerald Fischer nur zustimmen: "Seinetwegen bin ich mit zum Skifahren."

Die Aufmerksamkeit, die Dirk Stauch und Gerald Fischer zwischen den Jahren 2014 und 2016 erzeugt haben, hat sich mittlerweile gelegt. Und das ist gut so, sagt Stauch. Und: "Darauf kommt es auch nicht an." Vielmehr zählen ihre Liebe, ihre Aktivitäten, ihre gemeinsamen Momente, aber auch ihr Freundeskreis.

Eigentlich hatte Gerald Fischer, der vor seiner Beziehung mit Dirk Stauch längere Zeit als Single lebte, mit einer Hochzeit nichts am Hut. Dass die seit 2004 andauernde Beziehung zwölf Jahre später trotzdem in eine "Home-Ehe" mündete, begründen beide vor allem mit Zueinanderstehen, mit familiären Ereignissen und auch mit Steuervorteilen. Durch einen schweren Unfall in der Familie sei ihm bewusst geworden: "Wenn meinem Partner etwas passiert, ich habe keinerlei Rechte", betont Dirk Stauch. Und Gerald Fischer ergänzt: "Wenn mein Partner eine schwere Krankheit hätte und er auf der Intensivstation liegen würde, ich könnte ihn nicht besuchen und hätte kein Recht auf Auskunft."

Vollstes Vertrauen

Beide hoffen nun auf noch viele gemeinsame Jahre, die sie in Gesundheit verbringen können. Beide wissen, dass jeder dazu aber auch einen Beitrag leisten muss. Angst, dass sich Gerald in einen anderen Mann verlieben könnte, hat Dirk Stauch nicht. "Ich habe da vollstes Vertrauen." Und er meint weiter: "Eine glückliche und lange Partnerschaft hängt mit Geben und Nehmen zusammen."

Gibt es eigentlich auch etwas, was dem einen an dem anderen stört - aber das der Liebe wegen akzeptiert wird? Während Dirk Stauch lacht, sagt Gerald Fischer: "Bei aller Liebe, ich schaffe es einfach nicht, dass er mit dem Rauchen aufhört." Und sein Ehemann fängt ebenfalls an zu lachen und entgegnet: "Die Ermahnungen - das kann schon manchmal ganz schön nerven."

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