Kronach
Kriminalität

Polizeibilanz: Stadt Kronach ist ein recht sicheres Pflaster

Der Kronacher Polizeichef Uwe Herrmann ist mit der Arbeit seiner Kollegen zufrieden. Und er weiß: Das Leben auf dem Land hat so seine Vorteile.
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Die Polizei musste sich um erfreulich wenige Kriminaldelikte im Landkreis Kronach kümmern. Symbolfoto: Christopher Schulz
Die Polizei musste sich um erfreulich wenige Kriminaldelikte im Landkreis Kronach kümmern. Symbolfoto: Christopher Schulz
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Der Landkreis Kronach ist ein sicheres Fleckchen auf der Deutschland-Karte. So sicher lebt man nur noch in den Landkreisen Würzburg und Fürth. Dieses Fazit einer Focus-Studie von 2014 zieht Kronachs Polizeichef Uwe Herrmann heran, wenn er über die Sicherheitslage in der heimischen Region spricht.

Das durfte er kürzlich in der Sitzung des Kronacher Stadtrats tun, wo die bundesweite Diskussion der vergangenen Monate Fragen aufgeworfen hatte. Der Landkreis ist ein sicheres Pflaster, aber wie ist es um die Kreisstadt selbst bestellt? Herrmann ging mit unserem Reporter ins Detail.

Nur 3710 Kriminalstraftaten auf 100 000 Einwohner hochgerechnet (die so genannte Häufigkeitszahl) sind ein herausragender Wert für den Kreis. Stehen Oberfranken (4499) und Bayern (4533) im deutschen Vergleich aufs Jahr 2017 bezogen schon gut da, bleibt der Landkreis Kronach noch deutlich unter deren Häufigkeitszahlen. Ein vermeintlicher Ausreißer scheint da die Bilanz der Kreisstadt zu sein (7011). Doch für Herrmann ist das erklärlich. Etwa 25 Prozent der Landkreisbevölkerung leben dort, es gibt mehr Läden und mehr Festivitäten als auf dem Land, daher sei ein Mehr an Diebstählen und Rohheitsdelikten (zum Beispiel Körperverletzung) eine logische Folge.

Gute Aufklärungsquote

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"Der Trend der letzten Jahre bei den Kriminalstraftaten ist ziemlich konstant", so Herrmann. "Die Aufklärungsquote ist sehr gut." 1186 Straftaten wurden 2017 in der Kreisstadt gemeldet, 76,5 Prozent aufgeklärt. Das ringt dem Polizeichef ein großes Lob für seine Kollegen ab. Und er unterstreicht: "Im Landkreis ist die Welt noch in Ordnung, in der Stadt Kronach lebt sich's relativ sicher!"

Im Stadtrat sieht man diese Entwicklung positiv. Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) ist der Polizei dankbar für ihre Arbeit. Zu den guten Zahlen trage ebenfalls bei, dass die Menschen in der Kreisstadt noch aufeinander schauen. Er stellt weiter fest, dass man sich auf diesen Zahlen nicht ausruhen dürfe.

Als "Garanten dafür, dass wir sicher leben können", sieht Stadtrat Markus Oesterlein (CSU) Uwe Herrmann und sein Team. Marina Schmitt (SPD) warnt davor, dass manchmal Ängste geschürt werden. "Ich freue mich daher, dass man Entwarnung geben kann." Dass sich die Zahl der Straftaten seit dem Jahr 2015 nicht erhöht habe, sei eine glückliche Situation.

Die einzelnen Delikte

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Rohheitsdelikte: "Im öffentlichen Raum haben wir das Thema im Griff", ist Herrmann überzeugt. Als er die Leitung in Kronach übernommen hat, war ihm wichtig, gerade in diesem Bereich etwas zu bewegen, weil 2004 aggressive Punks am Bahnhof für Angst gesorgt hatten. Bei der häuslichen Gewalt stellt der Polizeichef steigende Zahlen fest. "Das liegt sicher am Anzeigeverhalten", vermutet er, dass vieles in den eigenen vier Wänden heute zum Glück nicht mehr unter den Teppich gekehrt wird (siehe Bilder: Grafik 1).

Sachbeschädigungen: Bei den Sachbeschädigungen bemerkt die Polizei seit einiger Zeit einen regelmäßigen Rückgang der Vorkommnisse. "Das freut mich, aber eine Erklärung habe ich dafür eigentlich nicht", sagt Herrmann. Schließlich nehme die Polizei solche Fälle weiterhin konsequent auf. Und dass von den Bürgern heute weniger schnell Anzeige erstattet wird als früher, kann er sich nicht vorstellen (siehe Bilder: Grafik 2).

Diebstähle: Die Zahl der Ladendiebstähle in Kronach ist extrem zurückgegangen. Diesen Trend macht Herrmann nicht nur am Erfolg der Polizeiarbeit fest, sondern zum Teil auch daran, dass die Ladendetektive seltener im Einsatz sind. Erfreut ist er über ein "sehr niedriges Niveau" bei den Einbruch- und Wohnungsdiebstählen. "Kronach liegt für Einbrecher strategisch nicht günstig", erklärt er diese Entwicklung. Gerade Diebesbanden orientierten sich sehr an Autobahnen als Fluchtwege (siehe Bilder: Grafik 3). Rauschgiftkriminalität: In diesem speziellen Fall kann die Statistik täuschen, wie Herrmann erklärt. "Wenn die Kripo bei ihren Ermittlungen in ein Wespennest sticht, gehen die Zahlen nach oben." Kronach stehe unter dem Strich nicht besser und nicht schlechter da als andere Städte. Nach den hohen Werten 2016 und 2017 zeichnet sich für 2018 wieder ein Einpendeln der Fallzahlen auf dem vorherigen Niveau ab. Ein Plus der Polizeiarbeit: Die Delikte im öffentlichen Raum sind eingedämmt worden (siehe Bilder: Grafik 4). Straßenkriminalität: "Das ist mein Schwerpunkt", erinnert Herrmann nochmals an die Vorfälle mit den Punks von 2004. "Wir möchten entgegenwirken, sobald sich irgendwo ein Brennpunkt abzeichnet, so wie früher das Landesgartenschau-Gelände oder eben der Bahnhof", spricht er die Zielsetzung der Polizisten an. Aus seiner Sicht stehe Kronach im Vergleich zu anderen Kommunen sehr gut da. Die Fallzahlen seien deutlich zurückgegangen (siehe Bilder: Grafik 5). Ausländer und Straftaten: Im Landkreis Kronach waren 630 Zuwanderer im März 2018 gemeldet (0,9 Prozent der Gesamtbevölkerung). In Bayern liegt der Anteil der Zuwanderer bei 1,6 Prozent. Gerade bei den Rohheitsdelikten seien sie überproportional oft Angeschuldigte (11,8 Prozent im Kreis). Doch auch diese Zahl kann täuschen. "Es ist nur ein ganz kleiner Teil der Zuwanderer, der für diese Masse an Delikten verantwortlich ist", betont der Polizeichef. In Kronach seien zwei Afghanen und ein Iraker immer wieder auffällig, vor allem bei "Aggressionsdelikten". Solchen Personen droht eine "bevorzugte Behandlung", erklärt Herrmann, dass der Staat für solche Fälle ein Programm hat, um das Asylverfahren und gegebenenfalls die Abschiebung zu beschleunigen.

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