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Politiker enttäuscht über Stellenabbau bei Loewe

Beim Fernsehhersteller Loewe werden bis zum 1. Oktober weitere 150 Stellen abgebaut. Als Grund nennt das Unternehmen eine Kostensenkung, um für Investoren attraktiver zu sein. CSU-Politiker Hans Michelbach prangert diesen drastischen Schritt an.
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Foto: Archiv/Jan Koch
Foto: Archiv/Jan Koch
Die schlechten Nachrichten über Loewe reißen nicht ab. Nachdem bereits im Frühjahr rund 200 Mitarbeiter entlassen worden sind, teilte der Fernsehhersteller am Montag mit, dass weitere 150 Mitarbeiter aus allen Bereichen des Unternehmens gehen müssen. Man wolle Kosten senken und hoffe, so für neue Investoren attraktiver zu sein.

Für die 150 Mitarbeiter bedeutet dies, dass sie in nicht einmal zwei Wochen keinen Job mehr haben. Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach (CSU) gab sich verschnupft. Er forderte, die Erklärung einer Staatsbürgschaft müsse mit einer Arbeitsplatzsicherung für die Beschäftigten einhergehen.


Beiergrößlein ist geschockt

Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) ist "maßlos betroffen" von dieser Entscheidung. Er gab sich bestürzt, schließlich "hängen da Familien dran". Auf der anderen Seite vergesse er aber auch die restlichen 650 Arbeitsplätze nicht. "Die bayerische Staatsregierung war auch wegen Loewe in Kronach. Sie hat Staatsbürgschaften in Höhe von 20 Millionen Euro in Aussicht gestellt - wenn ein Investor gefunden wird."

Es sei ihm klar gewesen, dass das ein "steiniger Weg" werden würde, dennoch sei er "geschockt" von der Nachricht. Er dachte, der Umstrukturierungsprozess sei bereits abgeschlossen gewesen, als die Kabinettsausschusssitzung vor einem Monat in Kronach stattfand, um unter anderem mit Loewe über Staatshilfen zu verhandeln.

"Ich bin schon ein bisschen sauer. Da muss man endgültig auf den Tisch hauen." Die Staatsregierung und der Bundestagsabgeordnete Michelbach (CSU) müssten hinterfragen, inwieweit die Entlassungswelle mit den versprochenen Staatsbürgschaften vereinbar sei.

Landrat Oswald Marr (SPD) ging die Nachricht, die er am Montag erhalten hat, ebenfalls nahe. Er sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus. Die erneute Entlassungswelle habe niemand kommen sehen. Auf der anderen Seite wisse auch er, dass Loewe sich attraktiv machen müsse, um einen Investor zu finden. Die Politik könne nicht mehr leisten, als eine Bürgschaft in Aussicht zu stellen. Er selbst habe der Führungsetage von Loewe angeboten, sich an ihn wenden zu können, wenn das Unternehmen "einen Türöffner" aus der Kommunalpolitik brauche. Doch die Firmenleitung von Loewe habe sich nicht gemeldet - ebenso wenig wie der Betriebsrat.


Abwanderung wird beschleunigt

Jürgen Baumgärtner (CSU), der am Sonntag als Direktkandidat für den Landtag gewählt worden ist, ist "enttäuscht vom Management" und bedauert den Jobverlust. Er ist dafür, bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen in Regionen zu schaffen, die besonders vom demografischen Wandel betroffen sind. Er schlägt beispielsweise Steuersenkungen vor. SPD-Kreisvorsitzender Ralf Pohl hält die Entscheidung für einen "schweren Schlag für die Loewe-Mitarbeiter und auch für den Landkreis". Er befürchtet, dass dadurch der Abwanderungstrend aus der Region beschleunigt wird.
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