Zwei Krankheitsfälle haben die Gynäkologie in der Helios-Frankenwaldklinik Kronach lahmgelegt. Bis einschließlich 8. Oktober soll die Entbindungsstation geschlossen bleiben, weil zwei Ärztinnen ausfallen. "Es hat in der letzten Beiratssitzung nicht direkt ein Signal gegeben, aber Andeutungen", blickt Beiratsmitglied und Kreisrat Richard Rauh (SPD) zurück. Dass die Abteilung nun sogar vorübergehend geschlossen werden muss, hat er aus der Zeitung erfahren.

Dass diese Maßnahme für die Kronacher Klinik eine erhebliche Tragweite hat, steht für Rauh außer Zweifel. "Diese Abteilung hat ein gutes Image. Das ist jetzt ein negativer Aufschlag. Das ist auch der Klinik bewusst."


Menschen identifizieren sich mit "ihrer" Klinik

Durch diese Entwicklung würden alle Marketingmaßnahmen ad absurdum geführt. Die Frauen in der Region würden schließlich miteinander über ihre Erfahrungen sprechen, so dass sich negative Eindrücke in einem derart sensiblen Bereich schnell herumsprechen.

Außerdem müsse bei der Helios-Frankenwaldklinik berücksichtigt werden, dass sich die Menschen im Landkreis stark mit dem Krankenhaus identifizieren. "Es ist nicht so anonym wie in der Großstadt. Für die Bevölkerung ist das ,ihre‘ Klinik", betont Rauh.

Deshalb greift er eine aktuelle Forderung von MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) auf, die für ihn absolut verständlich ist. "Man sollte die Verantwortlichen an einen Tisch bringen und darüber reden, was man machen kann." Ein solches Gespräch dürfe auch nicht auf die lange Bank geschoben werden (die nächste Beiratssitzung ist erst im November). Und schließlich "ist es besser, man redet miteinander als übereinander".


Frauen im Stich gelassen

Jürgen Baumgärtner hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder kritisch zur Helios-Unternehmenspolitik zu Wort gemeldet. Entsprechend deutlich geht er nun mit der vorübergehenden Schließung des Kreißsaals ins Gericht.

"Als mich die Nachricht der Schließung erreicht hat, war ich schockiert. Schwangere Frauen, die sich darauf verlassen haben, dass sie bei Bedarf in der Frankenwaldklinik versorgt werden und dort entbinden können, werden auf einmal im Stich gelassen. Dieses Vorgehen der Klinikleitung halte ich für unverantwortlich", schreibt er in einer Pressemitteilung.

In einem Telefonat wird er noch deutlicher: "Es ist eindeutig erkennbar, das die Personaldecke aus Profitgier so dünn gehalten wird, dass die Klinik ihrem klassischen Versorgungsauftrag nicht mehr nachkommen kann." Zu diesem Auftrag zählt Baumgärtner auch den dauerhaften Betrieb einer Entbindungsstation.

Für die Politik sei dieser Zustand nicht akzeptabel. "Ich fordere deshalb eine Sitzung des Verwaltungsrats." Und dabei müsse der Blick weiter reichen als bis zur Entwicklung in der Gynäkologie. Das Thema "Notaufnahme" müsse dabei genauso auf den Tisch kommen. Die Verantwortlichen dürften nicht denken, dass sie Probleme aussitzen können.


Kein Verständnis

In einem Schreiben an Klinik-Geschäftsführer Christian Kloeters äußern auch die FW-Kreisräte Stefan Wicklein, Wolfgang Beiergrößlein und Peter Hänel (Beiratsmitglied) ihren Unmut darüber, erst über die Medien informiert worden zu sein. "Aus Sicht der FW-Kreistagsfraktion macht man es sich mit der angedachten Schließung zu einfach."

Helios werbe mit seinem starken Netzwerk, also "sollte es möglich sein, krankheitsbedingte Ausfälle in solch wichtigen Bereichen, wie der Geburtshilfe, umgehend auszugleichen". Für eine kurze Unterbrechung zeige man Verständnis, für elf Tage jedoch nicht. Daher fordern die drei Kreisräte eine minimale Schließungszeit der Geburtshilfe, die für den Landkreis Kronach ein Standortkriterium sei.

Wie seine Beiratskollegen Rauh und Hänel erfuhr auch Kreisrat Bernd Liebhardt (CSU) aus der Zeitung von den Vorgängen an der Klinik. "Dass die Beiratsmitglieder nicht aktuell über eine derart wichtige Entwicklung in der Klinik informiert werden, halte ich für ein sehr fragwürdiges Vorgehen", stellt Baumgärtner klar.


Klinikpersonal hat große Bedenken

An der Klinik ist man geschockt. So jedenfalls schildert Betriebsratsvorsitzender Manfred Burdich die eisige Stimmung, nachdem die Schließung der Entbindungsstation publik gemacht wurde. Der Betriebsrat habe davon - wie die Medien - erst am späten Donnerstagnachmittag erfahren. In einer dreizeiligen E-Mail.

"Wir sind erschüttert", stellt Burdich fest. Bei den Hebammen und in der Notaufnahme hat sich seiner Aussage nach Aufruhr breit gemacht. Nicht jeder Patient wird die Meldung mitbekommen haben. Was tun, wenn zum Beispiel nachts plötzlich eine Patientin zur Entbindung oder wegen eines gynäkologischen Notfalls auftaucht, aber keine qualifizierte Hilfe geleistet werden kann? Hier sehen sich die Angestellten im Regen stehen gelassen.

Schon einmal habe man in ähnlicher Situation die Möglichkeit einer "Konzernleihe" (Personal aus einer anderen Helios-Klinik) gefordert, was vor allem von Baumgärtner unterstützt worden sei. Diesmal scheint daraus nichts zu werden.

"Die Personaldecke ist Spitz auf Knopf gestrickt", schildert Burdich die Situation, die ihm Sorge bereitet. Eine Personalplanung sei in einer Abteilung nicht mehr möglich, wenn bei zwei Ausfällen schon eine Schließung droht. "Diese Lage kommt nicht plötzlich", sagt Burdich und verweist auf Hinweise einer Ärztin, die ignoriert worden seien.

"Die Klinik wird als babyfreundliches Krankenhaus mit Siegel präsentiert", so der Betriebsratsvorsitzende. Die gynäkologische Station genieße einen enorm guten Ruf und ziehe auch Patientinnen aus anderen Landkreisen an. "Die Abteilung trägt sich selbst", versichert Burdich. "Aber die Gewinnerwartung wird natürlich nicht erfüllt." Deshalb wachsen die Bedenken bei ihm, wie es mit der Entbindungsstation weitergehen wird. "Wir können es nicht beweisen, aber irgendwo entsteht schon der Eindruck, dass es das schleichende Ende der Gynäkologie sein könnte." Mit der allgemeinchirurgischen Station gebe es bereits ein solches Beispiel. Diese sei "vorübergehend" geschlossen worden. Inzwischen sei sie seit weit über einem Jahr zu.

Um die Befürchtungen der Belegschaft wegzuwischen, ist nach Burdichs Auffassung nun der Konzern gefragt. Kurzfristig fordert er ein Konzept für Wiederholungsfälle, mittel- und langfristig eine echte Strategie. "So wie's jetzt ist, das kann's doch nicht sein", schimpft er. "Kein Industrieunternehmen würde so arbeiten."


Stimmen von unserer Facebook-Seite

Auf unserer Facebook-Seite befassten sich über 17 000 Nutzer mit dem Thema. Hier einige ausgewählte Kommentare:

Heike Normann: Für das krank werden können die Ärzte nichts - gute Besserung auf diesem Weg. Aber gerade bei einem Konzern, zu welchem ja auch unsere Frankenwaldklinik gehört, muss es doch auch in anderen Kliniken des Verbundes Ärzte geben, die hier einspringen können ...

Marcus Stefanie Engelhardt: Genau so sehe ich das auch! Wo sind da Koordination und Management?

Stefan Hän: So, das haben jetzt alle gelesen. Ab sofort wird nicht mehr erkrankt oder gebärt. Derartige Anliegen sind auf unbestimmte Zeit, ca. KW 40, zu verschieben und nach Möglichkeit (um eine reibungslose Neueröffnung zu gewährleisten) schriftlich sieben Tage im Voraus anzumelden ...

Michael Martin: Das ist der Hammer!

Michael Martin: Es wird Zeit, dass der Landkreis endlich eingreift und handelt zum Wohle aller Bürger des Landkreis Kronach.

Sabine Hajjer: Früher oder später bekommt die Stadt sie zurück. Und dann dürfen wir alle sanieren.

Dominic Kraft: Wahnsinn ... Fast schon traurig. Sollen die es (das Krankenhaus; Anm. d. Red.) doch komplett zumachen!

Sabrina Anja Gläsel: Würd' ich lieber a Hausgeburt machen, bevor mei Kind in Coburg oder Kulmbach zur Welt kommt, wenn ich in Kronach wohnen würde.

Kathrin Bergner: Bei allem negativen der FWK, auch ich finde nicht alles gut, aber die Gyn. ist exzellent, medizinisch als auch menschlich! Als ob die beiden Ärztinnen gerne krank sind oder auch Helios die Abteilung gerne schließt ...!