Kronach
Toleranzkonzert

Plädoyer für die Völkerverständigung

An der musikalischen Traumreise in der Christuskirche wirkten Susanne Popp, Abathar Kmash, Andreas Fuß und Marius Popp mit.
Artikel drucken Artikel einbetten
Abathar Kmash aus Syrien tauchte an der Oud im Zusammenspiel mit Marius Popp an der Orgel die Ringparabel aus "Nathan der Weise" in musikalische Bilder. Susanne Popp (links) sprach den Text..Heike Schülein
Abathar Kmash aus Syrien tauchte an der Oud im Zusammenspiel mit Marius Popp an der Orgel die Ringparabel aus "Nathan der Weise" in musikalische Bilder. Susanne Popp (links) sprach den Text..Heike Schülein
+2 Bilder
Zauberhafte Klangmärchen aus Afrika und Japan, musikalische Traumreisen in die verschiedensten Kulturkreise und herrliche Kombinationen weltlicher Musik mit Orgelklängen - Wer Lust auf musikalische Traumlandschaften der besonderen Art hatte, war am Sonntag beim Toleranzkonzert in der Christuskirche genau richtig. Auf dem Programm standen schwerpunktmäßig Werke des bekannten Komponisten Enjott Schneider (geb. 1950), mit dem Dekanatskantor Marius Popp seit Jahren eine enge musikalische Freundschaft und Zusammenarbeit pflegt.
Als stimmungsvolle Abrundung trug Susanne Popp einige Lesungen persischer Lyrik vor. Abathar Kmash, Jahrgang 1987, stammt aus Syrien, wo er eine Musikschule leitete. Er gründete dort ein Ensemble, das später als bestes Jugendorchester Syriens ausgezeichnet wurde. Auf seiner Flucht aus seiner Heimat vor dem Krieg nahm er nur sein Instrument mit - eine Oud: eine Kurzhalslaute, die im Vorderen Orient oftmals auch als "Fürst der Musikinstrumente" bezeichnet wird. Beim Konzert war neben seiner syrischen Oud auch eine in der Türkei gefertigte Oud zu hören. Auf dieser ließ der Syrer zwei tief ergreifende Improvisationen erklingen - Musik, der sich niemand entziehen konnte: wehmütig, sehnsuchtsvoll, traurig - zugleich aber auch getragen von Hoffnung.
Ein einzigartiger musikalischer Glanz ergab sich im Zusammenspiel mit Dekanatskantor Marius Popp an der Orgel, als sie gemeinsam in Enjott Schneiders "Nathans Traum" die berühmte Ringparabel aus Lessings "Nathan der Weise" in musikalische Bilder tauchten. Der "Fürst der Musikinstrumente" im Dialog mit der "Königin der Musikinstrumente": Gänsehaut pur! Sehr harmonisch verschmolz das feinfühlig begleitende Orgelspiel von Marius Popp auch mit den Djembee-Klängen von Andreas Fuß (geb. 1990), der sich als wahrer Virtuose auf dieser afrikanischen Trommel als auch auf der Marimba erwies. Die Djembee, deren Korpus aus einem ausgehöhlten Baumstamm besteht, ist traditioneller Bestandteil der Kultur der sogenannten Manding-Völker, die vorwiegend in den heutigen Staaten Guinea, Mali, Senegal, Gambia und Elfenbeinküste leben. Diese Trommeln werden nur mit den bloßen Händen angeschlagen und zeichnen sich durch ein umfangreiches Klangspektrum aus, dessen tiefe Bässe die Djembee der speziellen, kelchförmigen Gestalt ihres Korpus verdankt.
Mit dem Fundament der Orgel brachte Andreas Fuß "African Patchwork" - ebenfalls aus Schneiders Feder - in zutiefst beeindruckender Art und Weise zum Klingen.
Das Werk entstand im August 2012 für das europäische "Albert Schweitzer-Jahr 2013", in dem der Gründung des Krankenhauses in Lambaréne vor hundert Jahren 1013 gedacht wird. Der Orgelklang soll der typische "Albert Schweitzer-Klang" sein: romantisch, weiche Prinzipale und Streicherstimmen, kaum Mixturen, Zimbeln und Zungen.
Zahlreiche Auszeichnungen erhielt der junge Künstler, der seit 2010 regelmäßig bei diversen Orchesterprojekten und in den verschiedensten Bands, Combos und Ensembles spielt, für seine herausragenden Fähigkeiten auf der Marimba: ein wie ein riesiges Xylofon aussehendes Aufschlag-Instrument. Das spezielle Schlagwerk wurde in Guatemala entwickelt und ist darüber hinaus vor allem in anderen mittel- und südamerikanischen Ländern sowie in Japan verbreitet. Die Klangplatten sind jeweils zwischen knapp fünf und sechs Zentimeter breit und werden mit Schlägeln angeschlagen, der Ton über Resonanzröhren nach unten zentralisiert. Präzise meisterte Fuß - unisono mit der "Königin der Instrumente" - sämtliche Tempi-Wechsel der "Meditation" für Marimba und Orgel aus der Feder von Paul Creston (1906 bis 1985). Herrliche Klänge seiner Marimba entfachten dabei ein wahres Feuerwerk klanglicher Vielfalt und ausdrucksvoller Klanggemälde voller feinfarbiger Nuancen. Als Solostück hatte er sich Tomasz Golinskis (geb. 1986) "Luminosity" ausgewählt, das wie aus fernen Welten in die Christuskirche zu schweben schien. Was für eine Akrobatik, mit der er die Finger, Hände und Arme durcheinander wirbeln ließ - so schnell, dass das Auge Mühe hatte, ihre Bahnen zu verfolgen! Stimmungsvoll ergänzt wurde das außergewöhnliche Programm von den drei Klangmärchen "Der Mönch und sein Glöcklein", "Die Palme und der Stein" sowie "Gott und der Friseur", die Enjott Schneider nach den traditionellen Texten als Melodram eingerichtet hat.
Die Geschichten wurden sehr spannungsvoll und lebendig von Susanne Popp vorgetragen und ebenso phantasievoll von Marius Popp mit dramaturgisch passenden Klängen umgesetzt. Am Ende gab es Standing Ovation für das Konzert, das mehr als ein Hoffnungsschimmer war: Eine Botschaft zur rechten Zeit, lebensbejahend, kraftvoll und voller Tiefgang.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren