Steinbach am Wald
Glasherstellung

Pilotprojekt spart 25 000 Tonnen Abfall

Bei Wiegand-Glas in Steinbach am Wald entsteht eine neuartige Anlage zum Upcycling von Abfallstoffen bei der Glasproduktion.
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Das Wertstoffhaus steht. Der Leiter der technischen Zentralabteilung Thomas Struppert (rechts) erklärt das Pilotvorhaben. Mit im Bild von links: Geschäftsführer Nikolaus Wiegand, der Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt, der Staatssekretär im Bundesumweltministerium Florian Pronold und der Steinbacher Bürgermeister Thomas Löffler. Foto: Veronika Schadeck
Das Wertstoffhaus steht. Der Leiter der technischen Zentralabteilung Thomas Struppert (rechts) erklärt das Pilotvorhaben. Mit im Bild von links: Geschäftsführer Nikolaus Wiegand, der Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt, der Staatssekretär im Bundesumweltministerium Florian Pronold und der Steinbacher Bürgermeister Thomas Löffler. Foto: Veronika Schadeck
Der Behälterglashersteller Wiegand-Glas investiert weitere Millionen am Steinbacher Standort. Gearbeitet wird an einem Pilotprojekt zur energieeffizienten und innovativen Aufbereitung von Abfallprodukten in der Glasherstellung. Das millionenschwere Vorhaben "Upcycling von Abfallströmen für die Glasherstellung" wird mit 1,3 Millionen Euro aus dem Umweltinnovationsprogramm unterstützt.

Am Dienstag überreichte der parlamentarische Staatssekretär des Bundesumweltministeriums, Florian Pronold den Förderbescheid. "Ich freue mich, dass im bayerischen Steinbach eine neuartige Technologie in der Glasproduktion zur Anwendung kommt!", sagte Pronold. Der Staatssekretär ist überzeugt, dass das Vorhaben von Wiegand-Glas einen wichtigen Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz leistet und den Stand der Technik europaweit in der Glasbranche voranbringt.

Worum geht es? Wie der Leiter der technischen Zentralabteilung, Thomas Struppert, erklärte, entstehen bei der Aufbereitung von Altglas Abfallstoffe, die in der Glasschmelzwanne nicht eingeschmolzen und als Glasrohstoff wiederverwertet werden können. Denn, so ergänzte der Geschäftsführer Nikolaus Wiegand, diese "Fraktionen" sind so leicht, dass sie vom Abgasstrom der Wanne mitgerissen werden. Die Folge seien Verstopfungen in den nachgelagerten Bereichen.

Zurzeit werden diese "Fraktionen" auf einer Deponie gelagert. Das ist nun nicht mehr gewollt.
Das Projekt sieht vor, solche Fraktionen zu Briketts zu pressen. Diese können in die Wanne hineintransportiert und zusammen mit Altglas und weiteren notwendigen Primärrohstoffen eingeschmolzen werden.


Schon immer ein Pionier

Wiegand-Glas ist schon immer ein Pioneer gewesen, wenn es um Nachhaltigkeit ging, erklärte Thomas Struppert. Erst vor wenigen Jahren sei in zwei neue Altglasaufbereitungsanlagen investiert worden. "Es sind die modernsten auf der Welt". Rund ein Drittel der im Bundesgebiet gesammelten Scherben werden in Steinbach aufbereitet. Der Anteil des Einsatzes von Altglasscherben bei der Produktion von Glas ist mit 95 Prozent bei Wiegand-Glas sehr hoch.

Struppert bezeichnete die aktuelle Maßnahme als eine "Rieseninfrastrukturmaßnahme". Wie hoch die genaue Investitionssumme ist, wurde nicht verraten. Mitgeteilt wurde jedoch, dass die Kosten für das zum Projekt gehörende Wertstoffhaus - hier sollen die Feinfraktionen zwischengelagert werden - mit 4,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Hinzu kommen die Investitionen für die Anlagentechnik.

Der Förderbescheid, so erklärte Pronold, bezieht sich ausschließlich auf die Anlagentechnik und beträgt etwa rund 30 Prozent der förderfähigen Kosten. An den Ausführungen des Staatssekretärs wurde deutlich, dass ihm dieses Vorhaben gefällt. Immerhin können dadurch pro Jahr 25 000 Tonnen Abfall vermieden und die gleiche Menge an Primärrohstoffen eingespart werden. Hinzu kommt eine Senkung der Energie und Deponiefläche. Außerdem werden dadurch rund 13 300 CO2 jährlich vermieden und die Emissionen weiterer Luftschadstoffe, wie Stick- und Schwefeloxide gesenkt werden. Für Pronold ist es ein Pilotprojekt, das einen Demonstrationscharakter hat und das europaweit in der Glasbranche eingesetzt werden könnte. Dadurch würde die Deponietätigkeit unterbunden.


Schwierige Logistik

Nikolaus Wiegand hatte den Gedanken, eventuell eine zweite Anlage zu etablieren, falls Wiegand-Glas 70 Prozent des bundesweit gesammelten Altglases hätte und die erforderliche Logistik vor Ort gegeben wäre. "Diesbezüglich ist Steinbach aber nicht der Brüller." In diesem Zusammenhang sprach er von den Schwierigkeiten, Güter mit der Bahn zu transportieren oder Berufskraftfahrer für Lkws zu finden.

Man könne nicht auf die Bahn warten, entgegnet Pronold. Er könne auch die Debatten zwecks Verlagerung der Güter von der Straße auf die Schiene nicht mehr hören. Er orientiere sich vielmehr an praktischen Beispielen. "Die Bahn hat in ihrer inneren Planung den Güterverkehr abgeschrieben."

Er hatte stattdessen den Gedanken, nach der Realisierung des Pilotvorhabens an einem anderen Standort ein zweites Werk für eine energieeffiziente und innovative Glasaufbereitung zu bauen. Sinnvoll wäre auch, deponiertes Material wieder zurückzuführen.


Start im Jahr 2020

Was die Zeitschiene für "Innovatives Upcycling" in der Glasherstellung betrifft, so soll nach Aussage von Thomas Struppert die Konzeption in diesem Jahr stehen. Zum Einsatz soll das neue Projekt im zweiten Halbjahr 2020 kommen. Er wies darauf hin, dass er - obwohl die Pressemitteilung erst vor einigen Tagen herausging - viele Anfragen von externen Scherbenaufbereitungsunternehmen und Behälterglasproduzenten bekommen habe. "Das Interesse ist da!"

Bürgermeister Timo Ehrhardt bedankte sich bei dem Staatssekretär und dem mitgebrachten Förderbescheid. Schließlich gehe es um die Region. Nicht zuletzt ihm sei dieses Treffen zu verdanken. Sein Steinbacher Kollege, Thomas Löffler, dankte Florian Pronold für "das Geschenk". Sein Dank ging zudem an die Geschäftsführung von Wiegand-Glas für die Standorttreue.
Abschließend meinte Florian Pronold, dass sein Ministerium gerne solche Projekte unterstützt. Denn hier bei Wiegand-Glas gehe es um Forschung und um die Umsetzung. Er wünscht, dass der Bekanntheitsgrad dieser Förderprogramms steigt. Denn: "Es gibt viele Tüftler."


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