Laden...
Kronach
Gericht

Bis zur Mittellosigkeit: Fränkische Pflegerin beklaut den eigenen pflegebedürftigen Vater

Eine Tochter hat ihre Kontovollmacht missbraucht und den 81-Jährigen aus dem Kreis Kronach um fast 25 000 Euro erleichtert. Weil die Rechnungen nicht bezahlt wurden, drohte sogar der Rauswurf aus dem Pflegeheim.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der 81 Jahre alte Bewohner eines Pflegeheims im Landkreis Kronach wurde von seiner Tochter bitter hintergangen: Sie hat ihre Kontovollmacht missbraucht, um ihm fast 25 000 Euro zu stehlen.  Symbolbild: Patrick Pleul/dpa
Der 81 Jahre alte Bewohner eines Pflegeheims im Landkreis Kronach wurde von seiner Tochter bitter hintergangen: Sie hat ihre Kontovollmacht missbraucht, um ihm fast 25 000 Euro zu stehlen. Symbolbild: Patrick Pleul/dpa

Das Schmerzhafteste an einem Verrat ist, dass er nie von einem Feind begangen wird. Wie viel Wahrheit in dieser Lebensweisheit steckt, musste der Bewohner eines Pflegeheims aus dem Landkreis Kronach auf schmerzhafte Art erfahren.

Der 81 Jahre alte Senior hatte seiner Tochter eine Kontovollmacht erteilt, damit die seine Rechnungen bezahlt. Doch sie steckte das Geld - insgesamt fast 25 000 Euro - in ihre eigene Tasche. Am Ende stand der ältere Herr so mittellos da, dass er sogar seinen Heimplatz zu verlieren drohte.

"Das ist eine relativ erschlagende Beweislast", fasst Strafrichter Christoph Lehmann am Donnerstag im Sitzungssaal des Amtsgerichts Kronach zusammen. Gerade hat Staatsanwalt Matthias Jakob die Anklage - gewerbsmäßige Untreue in 153 Fällen - Punkt für Punkt verlesen. Dafür hat er geschlagene 20 Minuten gebraucht.

Auch Sparbücher aufgelöst

Die Beschuldigte hat von Januar 2017 bis Oktober 2018 immer wieder zwei- bis dreistellige Beträge vom Konto ihres Vaters abgehoben - zeitweise mehrmals am Tag. Weiter hat die Mutter von zwei Söhnen die Kontovollmacht benutzt, um Forderungen diverser Inkasso-Unternehmen zu begleichen. Weil die schmale Rente des Opfers irgendwann nicht mehr ausgereicht hat, löste die Pflegehilfskraft auch noch zwei Lebensversicherungen und zwei Sparbücher auf.

Lediglich 150 Euro Taschengeld hat der Senior, der von all dem keine Ahnung hatte, in besagtem Zeitraum von seinem Geld gesehen. Die Vergehen der 43-Jährigen flogen erst auf, nachdem auf das Konto des Pflegeheims über Monate kein Geld mehr eingegangen war. "Das Heim hat sich an mich gewandt, weil Kosten offen waren und die Kündigung ins Haus stand", erzählt die gesetzliche Betreuerin, die inzwischen das Konto des Rentners verwaltet.

Beim Blick auf die Kontoauszüge habe sie schnell festgestellt, dass die Rente zwar jeden Monat eingegangen, doch niemals etwas davon an das Pflegeheim überwiesen worden war. Stattdessen sei das Geld durch zahlreiche Überweisungen und Auszahlungen verschwunden.

"Ich geb's zu, dass diese ganzen Überweisungen von mir waren", räumt die Angeklagte ein. "Mein Mann hatte einen Unfall und war krank. Es hat finanziell etwas gehapert", versucht sie sich an einer Erklärung. Außerdem habe ihr Vater ja gesagt, dass sie sich etwas nehmen könntet, falls sie es braucht.

"Das scheinen ja viele Rechnungen gewesen sein. Sie haben teilweise auf dem Hin- und dem Rückweg zur Arbeit Geld abgehoben." Richter Lehmann bezweifelt, dass der Senior damit gemeint hat, dass seine Tochter Rechnungen nicht mehr bezahlen und ihm einen Schuldenberg auferlegen soll.

Opfer leidet unter Verrat

Der Vertrauensmissbrauch durch seine einzige Tochter mache dem Opfer bis heute zu schaffen, wie seine Betreuerin ausführt: "Er versteht nicht, warum seine Tochter ihn nicht mehr besucht und warum die Schulden da sind. Er hat doch sein ganzes Leben lang gearbeitet."

Seit dem Vorfall habe der 81-Jährige aufgrund von fortschreitender Demenz stark abgebaut. "Es hat ihn schwer mitgenommen, dass ihn seine Tochter in diese Situation gebracht hat und dass er eventuell seinen Heimplatz verliert", bestätigt auch der Polizeibeamte, der die Aufnahme des Seniors aufgenommen hat. Weiter sagt er über einen Besuch bei der Angeklagten, bei dem er sie mit den Vorwürfen konfrontiert hat: "Es hat sie gar nicht groß berührt."

Vater und Tochter haben sich seit über einem Jahr nicht mehr gesehen. "Hegen Sie einen Groll gegen Ihren Vater, weil er einen Strafantrag gegen Sie gestellt hat?", will der Richter wissen. "Es spielen viele persönliche Sachen eine Rolle", entgegnet die Angeklagte nach längerem Schweigen.

"Sie haben so viel Geld abgehoben, dass Ihr Vater sein Heim fast nicht mehr bezahlen kann", hält ihr der Unparteiische vor. "Da muss man sich schon fragen, wer hier berechtigt ist, gegen wen einen Groll zu hegen."

Das Gericht wertet zugunsten der Angeklagten, dass sie nicht vorbestraft ist und die Vergehen - bis auf einen Fall - gestanden hat. Sie wird zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Außerdem wird der 43-Jährigen ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt und sie muss 150 Arbeitsstunden ableisten. Das Gericht ordnet außerdem die Einziehung des widerrechtlich erlangten Geldbetrags - insgesamt noch 23 360 Euro - an.

Richter Lehmann gibt der Verurteilten mit Blick auf ihren Vater noch einen gut gemeinten Ratschlag mit auf den Weg: "Sie sollten das als Anlass nehmen, die Sache hinter sich zu lassen und noch mal neu anzufangen." Denn, das hat ihr seine Betreuerin versichert: "Er würde sich freuen, wenn Sie ihn besuchen. Er fragt immer nach Ihnen."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren