Kronach
Kabarett

Parforce-Ritt durch den Alltag

Barbara Weinzierl amüsiert das Publikum im Kultur-Café und hat sichtlich selbst Spaß beim Auftritt.
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Barbara Weinzierl auf der Bühne des StruwwelpetersNicole Julien-Mann
Barbara Weinzierl auf der Bühne des StruwwelpetersNicole Julien-Mann
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Auf den Mund gefallen ist sie nicht, die Münchner Schauspielerin und Kabarettistin Barbara Weinzierl. "Wir müssen reden! Sex, Geld und Erleuchtung" heißt ihr aktuelles Programm, mit dem sie im Kronacher Struwwelpeter gastierte. Auch wenn im Titel eine bedrohliche Note mitschwang, wegducken musste sich niemand, auch wenn jeder irgendwie sein Fett abbekam. Allerdings auf derart lustige und charmante Art, dass die Chemie zwischen Künstlerin und Publikum von Anfang an stimmte. Davon profitierten insbesondere die Improvisationstücke, bei denen Mitmachen angesagt war.


Fulminante Nummernshow

Zunächst aber wiegte die Künstlerin die Zuschauer in Sicherheit und legte in rasantem Tempo eine fulminante Nummernshow hin, bei der sie im fliegenden Wechsel Kostüme, Rollen und Themen tauschte. Sämtliche drängende Alltagsfragen, Zeitgeistthemen und Luxusprobleme nahm sie unter ständigem Geplapper auf's Korn. Wer mag noch vegan leben beim "Schrei der Gurke, wenn man sie lebendig häutet"? Sind die Parklücken beim Biomarkt zu klein oder steht "SUV" halt doch für "Sehr unpraktisches Auto"?

Eine Haltung zu den Themen hat die Schauspielerin durchaus, aber sie verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger. So sind die Figuren, die sie auf die Bühne holt, dem Konsum durchaus nicht abgeneigt, wie die unzähligen Einkaufstüten auf der Bühne verraten. Aus ihnen zerrt die Künstlerin scheinbar zufällig ihre Requisiten. Aber der Wahnsinn hat Methode. Flugs verwandelt sie sich von der Dumpfbacke Hubert aus Wien, der der vermeintlichen Frauenfeindlichkeit des Islam mit westlichem Machismo entgegentritt, in die astrein schwäbelnde Yogalehrerin (eine Schwester von Jogi Löw). Ihre Übungen sind inspiriert von der Choreographie einer schwäbischen Kehrwoche: der wedelnde Hund, die kapitulierende Klobürste oder der wringende Lappen.


Feinsinnig beobachtet

Das ganze Programm ist eine gelungene Mischung aus lustiger Comedy und hintersinnigem Kabarett. Was ist der Unterschied zwischen einem Politiker und einem Kabarettisten? "Der Politiker macht es wegen dem Geld. Und der Kabarettist wegen des Geldes." Fein sind ihre Beobachtungen über die gesellschaftliche Akzeptanz von Frauen über fünfzig. "Wenn eine Frau mit Mitte 50 stirbt, dann sagt jeder: Die war ja noch so jung!" Wenn sie aber noch lebt, ja, dann muss sie die Erfahrung machen, dass ihr im Lauf der Jahre wohl eine Tarnkappe gewachsen ist. Die Alternative für dieses leidvollen Erfahrungen wäre ein früher Tod. "Aber auch für den ist es bei mir zu spät!" Zum Glück gibt es zum Zeitvertrieb die Apothekenrundschau, den "Geriatrieporno oder die Bravo für die Frau ab 80".

Nach dem Parforce-Ritt durch den Alltag legte Barbara Weinzierl nach der Pause sogar noch eine Schippe drauf. Blitzschnelle Reaktionen und höchste Konzentration erforderten die Improvisationsnummern, bei der sie auf Zuruf des Publikums reagiert. Die Eingaben einiger Spaßvögel wie "Hoderla" oder "Matschebambe" entlarvten sie gnadenlos als Fremdsprachlerin.

Ein überaus gelungener Abend war der Abschluss des Frühlingsprogramms des Kultur-Cafés. "Hier hat es mir gefallen. Ich komme gerne wieder", versprach die Künstlerin.


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