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Tschirn
Kunst am Bau

"Paradies der Tiere" soll überleben

Ein besonders farbenfrohes und heiteres Kunstwerk findet sich in der Gemeindekanzlei in Tschirn. In dem Gebäude war früher die Volksschule untergebracht.
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Kreisheimatpfleger Robert Wachter, Bürgermeister Peter Klinger sowie die Restauratoren Melissa Speckhardt und Bruno Fromm besichtigen Hubert Webers Wandgemälde in der Gemeindekanzlei Tschirn.  Fotos: privat
Kreisheimatpfleger Robert Wachter, Bürgermeister Peter Klinger sowie die Restauratoren Melissa Speckhardt und Bruno Fromm besichtigen Hubert Webers Wandgemälde in der Gemeindekanzlei Tschirn. Fotos: privat
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Es ist eine wahrlich bunte Tierwelt, voller leuchtender Farben und einer geradezu ansteckenden Fröhlichkeit, die sich dem Besucher im Eingangsbereich der Gemeindekanzlei in Tschirn auftut. Auf einer Größe von siebeneinhalb auf drei Metern tummeln sich in diesem "Paradies der Tiere" - so der passende Titel des Wandgemäldes - die verschiedensten Tierarten.

Geschaffen wurde es vom Lichtenfelser Künstlers Hubert Weber (1920 - 2013) - bekannt als "Maler ohne Hände" - im Jahre 1963 in Enkaustik-Technik (Wachsglättemalerei). Leider weist das Bild unerklärliche schwere Schäden auf, deren Ursachen noch nicht hinreichend geklärt sind.

"Das Wandgemälde in Tschirn begeistert mich durch seine Farben und tolle Atmosphären", schwärmt Kreisheimatpfleger Robert Wachter. Man schaue nur einmal die Darstellung des Tigers auf dem Baum vor dieser großen Sonnenscheibe - umgeben von einem rot, blau und violett gefärbten Himmel - an, darunter den Löwen. Oder den Bären vor dem Vogelnest auf dem Baum, oder den lustigen Affen, der an dem Zweig mit dem Papagei hängt und mit der Ziege und dem Hund herumalbert.

"Es herrscht einfach allgemein eine große Harmonie zwischen allen Tierarten, wobei ich persönlich den linken Bildteil mit dem Tiger besonders gelungen und schön finde", bekundet Wachter.

Farbpartien platzen ab

Leider kommt es beim Kunstwerk in dem 1962/63 als Volksschule erbauten, nunmehr als Gemeindekanzlei genutzten Gebäude zu größeren Abplatzungen von Farbpartien am rechten unteren Bildteil. Deswegen hatte es der Kreisheimatpfleger als einen Programmpunkt "seiner" Restauratoren-Tour am Samstag gemeinsam mit den renommierten Restauratoren Melissa Speckhardt aus Nürnberg sowie Bruno Fromm aus Parsberg in der Liste der gefährdeten "Kunst am Bau" im Landkreis aufgenommen. Weitere Stationen waren die Schule in Küps sowie die ehemaligen Schulen in Reichenbach und Hesselbach, dessen "Tierwelten"-Wandgemälde im Erdgeschoss wohl Urtyp des Tschirner Kunstwerks ist.

"Es wäre wichtig, für das Tschirner Wandbild Fördergeber oder Förderprogramme zu finden beziehungsweise neu aufzulegen, die eine Renovierung dieses tollen Wandgemäldes großzügig mit bezuschussen", verdeutlicht Wachter, dass die Renovierung sicherlich nicht billig werde. Das bestätigten auch die beiden Restauratoren.

In der Werkstatt von Bruno Fromm wurde beispielsweise das große Monumentalgemälde der Venusgrotte im Park von Schloss Linderhof restauriert. Sein Vater hat früher selbst "Kunst am Bau" geschaffen, weswegen ihm auch ganz persönlich der Erhalt solcher Kunstwerke am Herzen liegt.

Bemühungen bislang ohne Erfolg

Diplom-Restauratorin Melissa Speckhardt, die an der Universität Bamberg über weiß gefasste Skulpturen und Ausstattungen des 17. bis 19. Jahrhundert und deren Technologien promoviert hat, war mit Wachter lange Jahre in einem Projekt über die digitale Rekonstruktion der farbigen Fassungen von Skulptur und Architektur des Regensburger Domes verbunden. Sie und der Kreisheimatpfleger haben auch den gleichen "Doktorvater", Prof. Achim Hubel. Als letztes Großprojekt hatte sie - von 2011 bis 2018 - die restauratorische Fachbauleitung des Logenhauses des Weltkulturerbes "Markgräfliches Opernhaus Bayreuth" inne.

Sehr dankbar für das Engagement des Kreisheimatpflegers sowie der beiden Restauratoren ist Tschirns Bürgermeister Klinger. Mit deren Einsatz für den Erhalt der "Kunst am Bau" rennen sie bei ihm förmlich offene Türen ein; hatte er sich doch bereits schon in der Vergangenheit sehr um die Restaurierung des Kunstwerks bemüht - bislang jedoch leider ohne Erfolg.

Hoffen auf Förderer

"Mir liegt sehr viel an diesem Bild. Ich bin selbst in diese Schule gegangen und verbinde damit viele schöne Erinnerungen", erzählt der Bürgermeister. Leider sei dies aus finanzieller Sicht nicht so einfach. Er hoffe sehr, dass sich eine Fördermöglichkeit für den Erhalt und die Restaurierung dieser Tier-Welten wie auch weiterer derartiger "Kunst am Bau" auftue; könnten doch ansonsten vieler solcher Kunstwerke von den Gemeinden nicht erhalten werden.

Für ihn gehe es auch um den ideellen Wert, so Klinger. "Wir als kleine Gemeinde können sehr stolz sein, über ein solches - durchaus schon als historisch zu bezeichnendes - Kunstwerk zu verfügen. Für mich ist das Gemälde ein Stück Kunst, das einfach erhalten werden soll", hofft der Bürgermeister.

So sieht es auch der Kreisheimatpfleger. Gut sei, dass dieses Foyer beziehungsweise die Pausenhalle der ehemaligen Schule noch recht original bis in Details vorhanden ist, weswegen das Wandgemälde noch in einem authentischen Kontext stehe. Als nächsten Schritt werden nun die Kosten der Restaurierung beziffert.