Kronach
Kirchenkonzert

Ovationen für klingende Mysterien

Vor gut einem Jahr hatte der Kammerchor der Universität Straßburg sein Debüt in der Kronacher Christuskirche gegeben. Nun gab es ein Wiederhören.
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Großen Applaus für ein wunderbares Konzert gab es beim Gastspiel des Kammerchors "King´s Choir" der Universität Straßburg in der Christuskirche Kronach.Heike Schülein
Großen Applaus für ein wunderbares Konzert gab es beim Gastspiel des Kammerchors "King´s Choir" der Universität Straßburg in der Christuskirche Kronach.Heike Schülein

Ganz versunken in gedanklicher Konzentration wirken die sechs Sängerinnen und acht Sänger zu Beginn des Konzerts, als sie im Halbkreis vor dem Altarbereich Aufstellung nehmen. Der Anblick ist beeindruckend - und diese Stimmen! Jeder verfügt über eine begnadete Stimme, doch gemeinsam erblüht daraus ein mehrstimmiger Gesang, der einen neuen Freiraum für Empfindungen schafft und alle zeitlichen, religiösen oder sprachlichen Grenzen aufhebt.

Was der Kammerchor "King´s Choir" der Universität Straßburg unter Leitung von Cyril Palaud seinem Kronacher Publikum bot, war schier überwältigend. In einer geheimnisvollen, geradezu mystischen Atmosphäre fesselten die jungen Studierenden ihre Zuhörer vom ersten Ton an mit ihrem A-Capella-Gesang voll meditativer Ruhe und urwüchsiger Kraft zugleich.

Die Stimmen setzten Emotionen frei, die einem vor Ergriffenheit ein ums andere Mal fast den Atem verschlagen konnten - wieder einmal, denn bereits im Juli des Vorjahres war ein gemischtes Vokalensemble des Instituts für Musikwissenschaft in der Kronacher Christuskirche zu Gast gewesen und hatte sein Publikum mit ihren "Himmlischen Harmonien" verzaubert.

In diesem Jahr stand das Konzert nun unter dem Titel "Metamorphosen" (Verwandlungen). Der epochale Bogen des stimmig ausgewählten Programms war weit gespannt und umfasste Werke namhafter Komponisten des 18. bis 21. Jahrhunderts. Jeder der Tonschöpfer befragt und beleuchtet das Thema Mysterium mit der Kraft der Musik, um damit den Schleier über die Kunst des Unbeschreiblichen teilweise zu lüften.

Vom Leid zur Fröhlichkeit

Willkommen geheißen wurden die Besucher namens des Kirchenvorstands von Kirsten Burkert-Hasse. Sehr erfreut über das Wiedersehen mit dem Ensemble kündigte sie ein spannendes Programm von Dunkelheit, Trauer, Schmerz und Leid über die Fröhlichkeit des Glaubens hin zum leuchtenden Licht der Auferstehung an. Damit hatte sie nicht zu viel versprochen.

Was folgte, war eine Sternstunde der Chormusik voller stimmungsvoller Klangschöpfungen, die das tief beeindruckte Publikum tagträumen ließen. Cyril Palaud versteht es hervorragend, bei ständig wechselnden Studentenbesetzungen einen wunderbaren Chorklang zu bilden. Scheinbar mühelos ließen die Studierenden sehr tiefgründige Passagen vom zarten Pianissimo bis zum das ganze Gotteshaus füllende Forte erklingen. Was für ein Genuss, die Töne voller Schwerelosigkeit durch das Kirchenschiff schweben zu hören.

Das Motto wurde dabei unterteilt in drei Blöcken "schmerzhafte Geheimnisse" mit Musik von Antonio Lotti, Tomàs Luis de Victoria und Anton Bruckner, "fröhliche Geheimnisse" mit Werken vom Morten Lauridssen, Ola Gjeilo und John Tavener sowie "leuchtende Geheimnisse" mit Tonschöpfungen von Johannes Brahms, Francis Poulenc, Edward Elgar, Samuel Barber oder auch Eric Esenvalds wunderbarem "Only in Sleep" mit Gefühl im Überfluss zum Ausdruck gebracht. Die lockenden schmeichelhaften Klänge kamen direkt auf die Zuhörer zu und öffneten deren Herzen.

Losgelöst, berührt, entfesselt

Seinen Abschluss fand das musikalische Highlight mit Robert Lucas Pearsall "Lay a Garland" - innig ergreifender Schlusspunkt eines immer wieder neuen, überraschenden Tonerlebnisses, das einen tiefen nachhaltigen Eindruck sowie Gäste in inniger Ergriffenheit hinterließ. Diese bedankten sich mit lang anhaltendem Beifall und stehendem Applaus für ein formvollendetes Konzert, das sie bei ihrem Weg aus der Kirche noch immer in einen ganz besonderen Zauber hüllte.

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