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Kultur

Opernklänge auf Kronacher Schrottplatz

Für eine Sendung über Richard Wagners Werke drehte ein Fernsehteam mit Kronacher Schülern inmitten von Altmetall.
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"Da muss Leidenschaft dabei sein!" Regisseur und Opern-Fachmann Ramon Gener dirigiert die Zehntklässler.Fotos: Miriam Hegner
"Da muss Leidenschaft dabei sein!" Regisseur und Opern-Fachmann Ramon Gener dirigiert die Zehntklässler.Fotos: Miriam Hegner
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Ton läuft, Kamera läuft, es kann losgehen. "Kennt ihr die Musik des Nibelungenrings?", fragt Ramon Gener, Regisseur und Hauptdarsteller die Zehntklässler, die mit ihm zwischen Bergen von in der Sonne blitzenden Metallschrotts stehen. Sie schütteln die Köpfe. "Gut, dann hören wir sie uns jetzt an." Auf Geners Zeichen erklingt die Verwandlungsmusik aus Richard Wagners Oper. Die Schüler beginnen, erst leise, dann lauter, den Rhythmus mit zu schlagen, auf verbeulten Schüsseln und Töpfen, auf Metallsieben und -schalen. "Das ist Chaos, und das wollte Wagner auch so", hatte Gener zuvor erklärt, "Chaos mit Rhythmus."


Drehort in Oberfranken gesucht

Die Sende-Reihe "This is Opera" (deutsch: "Das ist Oper") will rund 30 Opern vorstellen, unter anderem die Werke von Richard Wagner. Dafür ist das Filmteam im Moment in Deutschland unterwegs.
"Wir haben in Bayreuth gedreht und weitere Drehorte in der Region gesucht", erklärt Corinna Thabe, die für eine der beteiligten spanischen Produktionsfirmen arbeitet. "Die Szene, die wir hier filmen, spielt in Nibelheim, wo es dunkel und schmutzig ist. Zwergenschmiede schlagen den Rhythmus der Musik auf Ambossen."

Tatsächlich habe Wagner für seine Inszenierungen Ambosse hinter der Bühne aufstellen lassen - ganze 18 Stück, um einen besonders eindrucksvollen Stereo-Effekt zu erzielen, erklärt Thabe. "So viele aufzutreiben wäre schwierig gewesen. Wir hatten deshalb die Idee, stattdessen beliebige Metallteile zu benutzen. Da lag es nahe, auf einem Schrottplatz zu drehen."


Gymnasiasten als Darsteller

"Als Frau Thabe bei mir angerufen hat, war ich sofort dabei", erzählt der Unternehmer Frank Mölter, der seinen Schrottplatz als Filmset zur Verfügung stellte. Er spielt auch selbst mit, ausgestattet mit Schmiedeschürze und groben Handschuhen. "Wir brauchten natürlich noch die Zwerge, die die Ambosse, oder, in unserem Fall, die Metallinstrumente schlagen sollten", erklärt Thabe. "Herr Mölter schlug dann die Schule vor." Und so standen knapp 20 Zehntklässler des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums vor der Kamera des spanischen Filmteams.

Dreimal soll die Szene gedreht werden. Es ist heiß an diesem Nachmittag. Im Schatten einer Abraummulde dürfen die Schüler eine Limonaden-Pause einlegen. Eigentlich hätten sie jetztUnterricht. "Da ist das schon mal was anderes", findet Finn Witzgall. "Mir macht es Spaß", sagt Moritz See. "Es ist sehr interessant, dabei zu sein", findet Lilly Geißler. Sie hat bereits Schauspielerfahrung als Mitglied der Theatergruppe ihrer Schule und als Statistin bei den Faust-Festspielen. "Ramon Gener macht das sehr lustig und mit sehr viel Begeisterung", sagt sie. "Aber für die meisten ist das natürlich eine ungewohnte Situation. Es ist auch gar nicht so einfach, den Rhythmus beim ersten Mal gleich mitzumachen."

Regisseur Gener hat das auch gemerkt. Zur Übung klatscht er den Rhythmus nochmal mit den Schülern - erst langsam, dann immer schneller. Auch etwas mehr Temperament wünscht er sich. "Wir kommen aus dem Süden, wir wollen ein bisschen Leidenschaft sehen", ruft der spanische Opern-Fachmann in die Runde. "Da muss Leben drin sein!" Die Zeit wird außerdem knapp - nur noch eine Stunde, bis die Schüler mit dem Bus abgeholt werden. "Das ist unsere letzte Chance! Los, lasst uns die Zuschauer begeistern!" Die Jugendlichen geben sich einen Ruck. "Auf geht's" rufen Moritz und ein paar andere ihren Mitschülern zu. Sie klatschen sich ab und marschieren unter Anfeuerungsrufen des Filmteams noch einmal auf die "Bühne" - um das Chaos mit Rhythmus zu meistern.


Sendetermin

Die Reihe "This is Opera" wird ab Oktober 2014 in verschiedenen Ländern ausgestrahlt; in Deutschland beim Sender Servus-TV.

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