LKR Kronach
Bilanz

Offensiv gegen die Schattenseiten des Strukturwandels

Attraktive, lebendige Städte statt maroder, von Leerstand heimgesuchter Ortskerne - die Förderoffensive Nordostbayern zieht nach neun Monaten Bilanz.
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Im Zuge der Förderoffensive Nordostbayern hat der Markt Tettau Ende Januar  das Gebäude Hauptstraße 30 in Tettau abgerissen. Foto: pr
Im Zuge der Förderoffensive Nordostbayern hat der Markt Tettau Ende Januar das Gebäude Hauptstraße 30 in Tettau abgerissen. Foto: pr
Die ländliche Region hat so einige Päckchen zu tragen: Demografiewandel und zunehmender Leerstand sind nur einige davon. Als Hoffnungsprogramm für viele Kommunen ist die 2016 an den Start gegangenen Förderoffensive Nordostbayern zur rechten Zeit gekommen.

Bei Erwerb leerstehender Immobilien, für Abbrüche nicht mehr wirtschaftlich zu sanierenden Gebäude, für Studien, Wettbewerbe oder Revitalisierungsmaßnahmen stellt die Regierung eine Förderung von bis zu 90 Prozent (statt regulärer 60 Prozent) in Aussicht. Durch die Verbesserung der Standortbedingungen sowohl für Wohnen als auch für die Wirtschaft soll die gesamte Region aufgewertet werden. Neben der Regierung von Oberfranken ist auch das Amt für Ländliche Entwicklung in Bamberg in der Förderoffensive aktiv.


Attraktive Städte liefern


Gemeinsam mit Landtagsabgeordnetem Jürgen Baumgärtner (CSU), den Bürgermeistern der Gemeinden, Vertretern des Regionalmanagements und den Verantwortlichen der Regierung stellte sich Landrat Klaus Löffler (CSU) gestern einer Zwischenbilanz. Die fällt, geht es nach Petra Gräßel, durchweg positiv aus. Um den Kerngedanken der Offensive zu vermitteln, benötigte die Sachgebietsleiterin Städtebau bei der Regierung von Oberfranken nur wenige Worte: "Wir wollen attraktive Städte liefern."

Seit die ersten Fördermittel im Mai 2017 freigegeben wurden, seien aus dem Landkreis Kronach 24 Anträge aus elf Gemeinden auf den Weg gebracht worden. Der Großteil davon sei bereits bewilligt worden, den anderen habe man zugestimmt - bis spätestens Mai soll auch hier ein Haken gesetzt werden. Insgesamt spreche man bei diesen Projekten von einer Investition von 4,7 Millionen Euro, davon 3,2 Millionen aus Fördergeldern.

Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit: Erst Ende Januar hat der Markt Tettau im Zuge der Förderoffensive Nordostbayern das Gebäude Hauptstraße 30 abgerissen (wir berichteten). Doch Gräßel betonte, dass bei der Beseitigung von Leerständen nicht immer ein Abbruch die einzige Lösung ist. "Wir streben wenn möglich und wirtschaftlich sinnvoll die Sanierung und Revitalisierung an." Insgesamt stünden rund 60 Prozent "Revitalisierung" bei Projekten einem Abbruch-Anteil von 40 Prozent gegenüber.


Wiederbelebung nach Abbruch

Nach möglichen Abbrüchen wolle man auf der einen Seite Wiederbelebung durch Schaffung von Bauland und Gewerbeflächen anstreben, auf der anderen Seite auch die Möglichkeit nutzen, neue Freiräume und Grünflächen zu schaffen. Um bei dem Tettauer Beispiel zu bleiben: Hier ist auf Wunsch der ortsansässigen Jugend für die Nachnutzung eine Art Skaterpark angedacht. An anderer Stelle, so Gräßel, leisten Abbrüche einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssituation, indem sie helfen, Engstellen zu beseitigen.

Künftig wolle man im Zuge der Leerstandbeseitigung auch neue Wege beschreiten. "Wir wollen auch die Privaten mit einbeziehen", so Gräßel. Angedacht sei die Unterstützung kommunaler Programme, die sich mit der Beseitigung von privatem Leerstand befassen.

MdL Baumgärtner sprach gestern von "einem der erfolgreichsten Projekte der letzten Jahre." Er versprach außerdem, dass man alles dafür tun werde, das Projekt auch nach 2020 fortzuführen. "Wir hätten dann die Möglichkeit, an der einen oder anderen Stelle noch nach zu justieren." Wichtig sei künftig, noch stärkere Akzente gegen konkrete Probleme wie Flächenverbrauch und Preissteigerungen zu setzen.

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