Kronach
Urlaubsziele  

Oberes Rodachtal: Tourismus auf verschlungenen Pfaden

Das Obere Rodachtal möchte den Tourismus weiter beleben. Doch ausgerechnet der dafür zuständige Verband der drei Kommunen hat sich zum Sorgenkind entwickelt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die schöne Natur zum Erholen, gepflegte Wanderwege für die Fitness und das Flößen als Alleinstellungsmerkmal - das Obere Rodachtal hat eigentlich gute Rahmenbedingungen, um touristisch voranzukommen. Mit einem gemeinsamen Verband arbeiten die Kommunen Nordhalben, Steinwiesen und Wallenfels auf dieses Ziel hin. Doch gerade dieser ehrenamtlich geführte Tourismusverband Oberes Rodachtal bringt die Beteiligten derzeit ins Grübeln.

"Die Kommunen müssen sich stärker mit einbinden", findet Apollonia Meisel. Sie hat den Tourismusverband zuletzt geleitet, steht ihm inzwischen aber nur noch als kommissarische Vorsitzende vor, weil kein Nachfolger gefunden wurde. Private Gründe, aber auch die Belastung durch die Verbandsarbeit hatten sie dazu bewogen, nicht mehr zur Wahl anzutreten.

Auf ehrenamtlicher Basis ist die Grenze ihrer Ansicht nach erreicht. Sie wünscht sich daher ein neues Konzept, in dem die drei Kommunen beispielsweise die Personalführung in die Hände nehmen und sich der Tourismusverband eher als "entschärfter" Förderverein zum Beispiel in Fragen der Werbung einbringt. Doch sie weiß auch, dass es dafür Überzeugungsarbeit in den Gremien braucht und das möglichst alle an einem Strang ziehen müssen. "Eine Gemeinde allein kann das nicht leisten", weist sie auf die breite Aufgabenpalette hin, die im Tourismussektor wartet.

Der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (CSU) sieht das genauso: "Wir haben gemerkt, dass es schwierig ist, mit einem Verband diese Aufgaben zu betreuen." Apollonia Meisel habe mit viel Energie gearbeitet und versucht, etwas auf den Weg zu bringen. Nun sei es zwar das Ziel, einen Nachfolger für sie zu finden, diesem jedoch die Verbandsarbeit unter anderen Vorzeichen zu ermöglichen. Also sie zu entschärfen. Er schlägt in die gleiche Kerbe wie die kommissarische Vorsitzende, wenn er diese Überlegungen auf einen Nenner bringt: "Es ist ganz klar, wir wollen gemeinsam weitermachen und unsere Kooperation professionalisieren."

Das bedeute, dass man den Tourismus im Oberen Rodachtal auf andere Beine stellen müsse. "Wir müssen mehr Energie und Ressourcen hineinstecken, wenn wir vorankommen wollen", sagt er aus Sicht der Kommunen. Momentan sei es nichts Halbes und nichts Ganzes. In Wallenfels tendiere das Ratsgremium daher zu einem Zweckverband, der die Trägerschaft für das Tourismushaus übernehmen solle.

Eine Frage des Tempos

Der Steinwiesener Bürgermeister Gerhard Wunder (CSU) gibt sich zunächst etwas zurückhaltender. Die Suche nach einem tragfähigen, zukunftsorientierten Konzept für den Tourismus im Oberen Frankenwald soll nicht durch unnötige Störfeuer gebremst werden. "Bis Ende Februar sollten Beschlüsse gefällt worden sein", hofft er auf zeitnahe Signale aus den beteiligten Kommunen. "Momentan gibt es verschiedene Gedanken, wie man das Büro weiterführen könnte."

Grundsätzlich liegt er mit seinem Wallenfelser Kollegen auf einer Linie. Auch er bescheinigt Apollonia Meisel eine tolle Arbeit. Und er wünscht sich eine Lösung für die Zukunft des Tourismusverbands und des -büros innerhalb des nächsten halben Jahres. Das Obere Rodachtal müsse gewappnet sein, wenn die "qualitativ hochwertigen Wanderwege" heuer zertifiziert werden. Dann müsse man mit diesem Vorteil gegenüber anderen Regionen in die Offensive gehen, ehe die Konkurrenz nachziehen könne. "Wandern wird der Schwerpunkt für die Zukunft werden", ist Wunder überzeugt, dass die Werbung dafür von großer Bedeutung für den heimischen Tourismus ist.

Der Nordhalbener Bürgermeister Michael Pöhnlein (FW) hingegen glaubt, dass der Weg zu einer Lösung nicht schnurstracks geradeaus geht. "Es ist kein Problem, das man von heute auf morgen löst", verlangt er nach einer "Ist-Analyse". Man müsse erst einmal sehen, wo man heute stehe und wie es weitergehen werde.

Für Nordhalben soll diese Bestandsaufnahme im Zuge einer Ideenwerkstatt geschehen, die in absehbarer Zeit erstmals stattfinden wird. "Von diesem ersten Treffen sollte man allerdings nicht zu viel erwarten. Da wird es erst einmal eine Bestandsaufnahme geben", erklärt Pöhnlein. Zudem werde er weitere Gespräche mit den Nachbarbürgermeistern suchen, um den weiteren Weg abzustimmen.

Auch eine Frage der Kosten

Auch er hält eine professionellere Struktur für den Tourismus im Oberen Frankenwald für unabdingbar. Beim Blick auf mögliche Mehrkosten für die drei am Tourismusverband beteiligten Kommunen stellt er allerdings auch "die alte Frage nach den Finanzen" in den Raum: "Was sind freiwillige Leistungen?!" Weiter meint er, der Frankenwald insgesamt müsse bekannter werden, nicht nur jedes Tal für sich werben. Daher stellt er sich die Frage, ob der Weg zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit größeren Verbänden nicht sinnvoller wäre, als im Oberen Rodachtal viel auf eigene Faust zu machen.

Auf diesem Weg sieht Apollonia Meisel den Tourismus im Oberen Rodachtal hingegen nicht. Kooperationen mit anderen Kommunen und Verbänden gebe es schon. "Doch die Gäste im Oberen Rodachtal müssen dort auch betreut werden - und das kann Kronach nicht übernehmen", schränkt sie die Möglichkeiten zum Beispiel der Zusammenarbeit mit dem Frankenwald Tourismus Service Center ein. Auch beim Marketing dürfe das Obere Rodachtal den Zug nicht verpassen. "Im Tourismus hat es einen Wandel gegeben. Wir sind nicht mehr wie früher die Anlaufstelle für Berlin", betont sie. Wer zum Beispiel nicht im Internet vertreten sei, der habe keine Chance. Man müsse außerdem dafür Sorgen, dass Ideen durchgezogen werden und nicht versanden.

"Aus meiner Sicht ist der Tourismus außerordentlich wichtig", stellt sie klar, dass die ganze Region davon profitiere, und nicht nur die Vermieter. Das sehe man an den florierenden Gemeinden im Alpenraum. An diesem Beispiel macht sie ihre Sicht der Dinge deutlich: Man müsse erst etwas investieren, bevor man die Lorbeeren ernten könne. "Das muss in den Gremien vermittelt werden!"
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren