Nordhalben
Kunst

Nordhalben wird "annäsch"

Diana und Kai Deckelmann haben mithilfe der Künstlergruppe "Color Shok" aus Ulm eine triste Hausfassade in ein Kunstwerk verwandelt, das staunen lässt.
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Den Entwurf der Fassade am früheren Gasthaus "Neue Welt" hat Kai Deckelmann in großen Teilen selbst erstellt. "Aber wir haben den Künstlern schon auch ein bisschen freie Hand gelassen," räumt er ein. Fotos: Maria Löffler
Den Entwurf der Fassade am früheren Gasthaus "Neue Welt" hat Kai Deckelmann in großen Teilen selbst erstellt. "Aber wir haben den Künstlern schon auch ein bisschen freie Hand gelassen," räumt er ein. Fotos: Maria Löffler
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Aus Liebe zu einer ganzen Region, aber speziell zu Nordhalben. haben sich die Künstler Diana und Kai Deckelmann auf ein Vorhaben eingelassen, das nun alle zum Staunen bringt. "Nordhalben annäsch" nennen sie ihr Werk, das man wohl am ehesten mit "Kunst am Haus" umschreiben kann. Sie haben - gemeinsam mit der Künstlergruppe "Color Shok" aus Ulm - eine triste Hausfassade in einen unvergleichlichen und individuellen Blickfang verwandelt.

"Ich selbst komme aus Eisfeld in der ehemaligen DDR und bei uns war immer alles grau. Vielleicht liebe ich deshalb Farben so sehr", erklärt Diana Deckelmann das farbenfrohe Kunstwerk. Sie und ihr Mann Kai haben erst kürzlich "so nebenbei" geheiratet und ergänzen sich in allen Bereichen. "Er erdet mich", verrät sie, "ich möchte immer gerne alles gleich und sofort, er geht eher strukturiert an die Dinge heran."

Von Künstlerdorf inspiriert

Kai Deckelmann, der in großen Teilen die Fassade selbst entworfen hat, erzählt, wie es überhaupt zu diesem Projekt gekommen ist: "Wir waren in einem Künstlerdorf auf Sardinien, und genau dieses Dorf hat mich total an Nordhalben erinnert. Da gab es genau so viele Leerstände, viele Häuser waren verfallen und unbewohnt. Die Künstler haben es zu dem gemacht, was es heute ist: ein Ausflugsziel, an dem man sich gar nicht sattsehen kann. Ein bisschen von diesem Flair wollten wir einfach in unsere Heimat nach Nordhalben tragen."

Doch bevor alles soweit gekommen ist, sei das Projekt erst einmal eher so "dahingeplätschert." "Wir hatten einfach keine rechte Idee, wie und wo wir anfangen sollten. Dann kam mir der Gedanke, einen Freund in Berlin anzuschreiben. So ergab sich der Kontakt zur Künstlergruppe ,Color Shok'. Die fünf Jungs haben sich bereit erklärt, mit uns ein Projekt zu starten. Innerhalb von zwei Wochen stand dann ein Konzept."

Kai Deckelmann ist noch heute etwas außer Atem, wenn er sich daran zurückerinnert. "Dann haben wir mit dem Hausbesitzer in Nordhalben gesprochen. Das Haus war früher eine Gaststätte und hieß ,Neue Welt'. Heute ist es ziemlich heruntergekommen. Für uns war das aber die ideale Plattform und wir waren froh, dass er sich auf das Projekt eingelassen hat." Mutig war das auch deshalb, weil das Künstlerehepaar wirklich jeden einzelnen Cent aus eigener Tasche vorfinanzierte. Aus diesem Grund starteten sie einen Spendenaufruf und sind noch heute begeistert, wenn sie an das Ergebnis dieses Aufrufes und das Entgegenkommen aller Gemeindemitglieder denken.

"Viele kamen einfach auch spontan vorbei und haben Kaffee, etwas zu Essen oder Bargeld mitgebracht. Auch Gemeinde und Bürgermeister haben sich beteiligt. Und eine ortsansässige Dachdeckerfirma hat uns das Gerüst gestellt und dafür auch den Auf- und Abbau übernommen. Es war überwältigend." Die glänzenden Augen von Diana Deckelmann sind der Beweis dafür, dass Bürgerinitiative viel bewegen kann.

Schwung für den Tourismus

Ob es Malerei oder Graffiti-Kunst werden soll, war den beiden anfangs allerdings noch gar nicht so klar. "Das hat sich erst nach dem Kontakt mit den Jungs von ,Color Shok' ergeben. Die sprayen auf einem total hohen Niveau." Doch bevor gesprayt werden konnte, haben alle zusammen erst einmal das "lose Farbzeugs" heruntergekratzt, einen Tiefengrund und dann noch eine Grundierung aufgetragen. Eine Woche lang haben sich dann alle Künstler ins Zeug gelegt und die Fassade des Hauses gestaltet.

Diana Deckelmann: "Wir haben die Vision, unsere Gemeinde mit einfachsten Mitteln, aber vor allem mit viel Herzblut zu einem ganz besonderen Ort zu machen." Erreichen wollen die beiden damit, dass auf der einen Seite der Tourismus angekurbelt wird, auf der anderen Seite sollen auch junge Familien und Geschäftsleute in Nordhalben ansässig werden. "Am besten bringt man sein Business gleich mit. Schön wären vielleicht so fünf Lamas für Lamatrekking oder eine Firma, die Ballonfahrten anbietet." Dies sagt Diana Deckelmann zwar mit einem Schuss Humor, ist aber durchaus ernst gemeint. "Wir versuchen auch gerade, Steuermittel für unsere Projekte zu generieren. Denn es soll ja noch nicht Schluss sein. Wir können uns auch gut vorstellen, die Fassaden von Firmen oder Behörden künstlerisch zu gestalten, denn wir machen es fränkisch, annäsch und wir machen es selbst."



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