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Nordhalben
Bürgerversammlung

Nordhalben und die "Datenautobahn"

Bürgermeister Michael Pöhnlein richtete den Blick in die Zukunft, auf das "digitale Gesundheitsdorf" und die "neue Mitte" mit Filmcafé und ein Grenzmuseum.
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Zahlreiche Nordhalbener waren zur Bürgerversammlung gekommen. Maria Löffler
Zahlreiche Nordhalbener waren zur Bürgerversammlung gekommen. Maria Löffler
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"Ob in Berlin oder Nordhalben, man ist immer gleich schnell auf der Datenautobahn." Nordhalbens Bürgermeister Michael Pöhnlein (FW) wagte an der Bürgerversammlung mehr als einen Blick in die Zukunft und was er da sah, ließ ihn regelrecht schwärmen. Auf dem Weg in ein "Nordhalben 2.0" will er aber auf jeden Fall seine Bürger mitnehmen.

Dass ihm das nicht mit allen gelingen könne, sei ihm schon klar, meinte er, aber letztlich lebe Demokratie ja von unterschiedlichen Meinungen. Aber am Ende sollen alle vom Fortschritt profitieren.

Kämpferisch beim Lieblingsthema Wasser

Pöhnlein zeigte sich gewohnt kämpferisch, gerade, als es um eines seiner Lieblingsthemen, nämlich das Wasser ging. Hier würde er nicht ruhen, bis der Markt Nordhalben zu seinem Recht gekommen sei. "Wenn Kommunen durch unser Wasser wachsen, dann muss eben auch ein Ausgleich her. Jetzt haben wir eine Allianz mit großer Durchschlagskraft geschmiedet, denn wir sind ja nicht der einzige Ort mit diesem Problem." Das gelte im Übrigen auch für den Strom, der durch die Ködeltalsperre erzeugt werde. Hier beklagte er die fehlenden Gewerbesteuereinnahmen, weil das Unternehmen, das ihn erzeuge, ja seinen Sitz in Nürnberg habe. Was er anstrebe, sei eine Aufteilung 30/70. Er möchte also wenigstens 70 Prozent der Gewerbesteuer als Einnahme im Stadtsäckel.

Ob Pöhnlein an dieser Front gegen Windmühlen kämpft, wird sich zeigen, denn damit es dazu kommt, müsse man die bestehende gesetzliche Grundlage ändern. Und auch hier blitzte wieder der Kampfgeist in seinen Augen: "Wollen wir etwas erreichen, oder wollen wir die Waffen strecken?"

Und Pöhnlein reiste weiter auf seiner "Datenautobahn", hin zur "neuen Mitte." Damit meinte er kein Politikum, sondern den Ortskern. Hier sollen nämlich eine Tagespflege, ein Filmcafé und ein Grenzmuseum entstehen. Und das alles an einer "grünen Oase", die der Erholung diene. Der Bereich um die Filmapotheke soll also in völlig neuem Glanz erstrahlen. An diesem Punkt kam aber auch die kritische Nachfrage eines Bürgers, ob man denn nicht eher mal Straßen sanieren sollte, bevor man ein solch teures Projekt in Angriff nehme. Hier verwies Pöhnlein hauptsächlich auf die Haushaltskonsolidierung und die damit einhergehende Stabilisierungshilfe. Außerdem meinte er: "Wir haben keine unpassierbaren Straßen. Man kann sie immer noch mit dem Auto befahren." Aber selbstverständlich werde man auch hier das tun, was nötig sei. "Wir haben für 2020 auf jeden Fall Maßnahmen vorgesehen."

Pöhnlein informierte über durchgeführte oder laufende Machbarkeitsstudien wie die des alten Polizeigebäudes oder der Industriebrache "Polytec". Altlastenuntersuchungen würden den ganzen Prozess der energetischen Sanierung auch nicht gerade einfacher machen. "Wir sind mit Firmen in Verhandlungen."

An anderer Stelle werden Häuser abgerissen oder - wie die Nordwaldhalle - saniert. Auch in der Verwaltung wehe nun ein frischer Wind, denn nicht nur das Rathaus habe man saniert, oder sei noch dabei, auch personell habe man aufgestockt. Tanja Wiedel, Stefanie Birke und Yannic Wildner seien ins Team gekommen. Wiedel ist die neue Kämmerin, Stefanie Birke soll die künftige Geschäftsführerin werden und Wildner maßgeblich an "Nordhalben 2.0" mitarbeiten.

Pöhnlein streifte aber auch das Thema Biodiversität und verwies hier vor allem auf das "digitale Gesundheitsdorf". "Wir können nur mithilfe modernster Technik die anstehenden Aufgaben lösen. Dazu braucht es vor allem Vernetzung." Und da sollen vor allem die ambulante Pflege, das häusliche Umfeld und Ärzte miteinander kommunizieren.

Alle zwei Jahre Kunstsommer

Um die Klöppelschule habe sich ein Arbeitskreis mit dem Namen "Zukunft" gebildet und hier sah Pöhnlein vor allem Potenzial in der Zusammenarbeit mit den Künstlern. Regelrecht ins Schwärmen geriet er, als er bei dieser Gelegenheit auf den Kunstsommer im vergangenen Jahr zu sprechen kam. "Das waren teilweise verrückte Ideen, die aber eine wahnsinnige Eigendynamik entfaltet haben." Der Kunstsommer werde künftig in zweijährigem Turnus stattfinden, aber der "Wieners Beach" werde in jedem Sommer zum Chillen verführen. Am Ende sollte ein Film über den Kunstsommer zeigen, was alles so passiert war. Und der präsentierte zwar brav die Reden der Sponsoren und Ehrengäste, ließ auch die Künstler zu Wort kommen, verzichtete aber leider gänzlich darauf, die Atmosphäre einzufangen. Menschenleere Straßen ließen vermuten, dass kaum Publikum in den Künstlerort gekommen war. Allerdings sei ja das Gegenteil der Fall gewesen und die Besucherzahlen hätten auch die kühnsten Erwartungen übertroffen.

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