Marktrodach
Parteiaustritt

Norbert Gräbner kehrt der SPD den Rücken

Der Marktrodacher Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD) klagt über die Situation auf kommunalpolitischer Ebene und zieht Konsequenzen.
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Norbert Gräbner, ein Aushängeschild der SPD, verlässt die Partei. Foto: Archiv/Marco Meißner
Norbert Gräbner, ein Aushängeschild der SPD, verlässt die Partei. Foto: Archiv/Marco Meißner

Aus heiterem Himmel ereilte am späten Freitagnachmittag eine E-Mail von Marktrodachs Bürgermeister Norbert Gräbner unsere Redaktion. Darin teilte er seinen Austritt aus der SPD mit. Vor drei Jahren war das Gemeindeoberhaupt - seit 1982 Parteimitglied - noch für die Sozialdemokraten im Landratswahlkampf an den Start gegangen, nun zog Gräbner einen Schlussstrich.

Enttäuschung geäußert

"Ich stehe nach wie vor hinter den Idealen dieser ältesten demokratischen Partei Deutschlands", betonte der Bürgermeister, der bis Redaktionsschluss telefonisch nicht mehr erreichbar war, in der E-Mail. Darin unterstrich er auch die Solidarität und das füreinander Einstehen als Kernpunkte der SPD, welche er an der Partei so schätze.

"Leider hat sich hier gerade in der Kommunalpolitik einiges geändert", so Gräbner. "Das solidarische Handeln tritt immer mehr hinter partikularen Interessen zurück." Er sprach weiter von einer Enttäuschung und einem Vertrauensverlust gegenüber seinem Ortsverein. "Insbesondere vermisse ich Wertschätzung, Respekt und Solidarität."

Dies dürfte sich wohl auf die aktuelle Entwicklung rund um die bevorstehende Kommunalwahl 2020 beziehen. Hier kristallisierte sich Gräbners Bürgermeister-Stellvertreter und Parteigenosse Oliver Skall als Gegenkandidat aus den eigenen Reihen heraus.

Begründung "nicht nachvollziehbar"

Skall wollte sich auf Nachfrage des Fränkischen Tags nicht persönlich zur Situation äußern. Allerdings ging eine Stellungnahme des SPD-Ortsvereins Oberrodach ein, wo er Vorsitzender ist. Der Vorstand des Ortsvereins zeige sich sehr überrascht vom Austritt Gräbners aus der Partei, heißt es darin. "Schwer enttäuscht ist man von seiner Entscheidung, nachdem er in den letzten 23 Jahren bei fünf Wahlkämpfen (viermal Bürgermeister und einmal Landrat) massiv von den Mitgliedern unterstützt wurde. Bislang standen die Mitglieder des SPD-Ortsvereins loyal hinter ihrem Bürgermeister." Gräbners Austritt wird als bedauerlich, seine Begründung gleichzeitig aber als nicht nachvollziehbar bezeichnet.

Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Unterrodach, Norbert Friedlein, wollte sich auf unsere Anfrage nicht zur politischen Situation in Marktrodach und zum Parteiaustritt Gräbners äußern.

Anders der SPD-Kreisvorsitzende Ralf Pohl. "Ich finde das sehr schade!", betonte er. Im Hinblick darauf, dass sowohl Norbert Gräbner und auch sein Stellvertreter Oliver Skall im Jahr 2020 für die Partei um den Chefsessel im Rathaus kandidieren wollen, meinte Pohl: "Ich habe Gräbner empfohlen, sich dem demokratischen Verfahren zu stellen, zumal der Ausgang ja völlig offen ist." Pohl betonte aber auch, dass der Kreisverband in solchen Situationen nur ein Gespräch anbieten könne, letztendlich müssten die Ortsvereine entscheiden.

Das sagte auch der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Richard Rauh. Er sprach diesbezüglich von einem ungeschriebenen Gesetz. Rauh räumte aber auch ein: "Der Parteiaustritt von Gräbner traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel!" Er sprach weiter von einem Verlust und davon, dass Gräbner Spuren im SPD-Kreisverband hinterlassen werde. "Ich bin tieftraurig!", so Rauh.

Und wie schaut es nun mit den Funktionen von Gräbner im Kreistag aus? Sein Mandat wird er behalten. Ob er weiterhin in den Ausschüssen vertreten sein wird, darüber wird die SPD-Fraktion entscheiden.

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