Wallenfels
Brauchtum

Nikolaus bestraft die Schandtaten der Flößer

Die "Flößerkerwa" in Wallenfels ist deutschlandweit einmalig. Die Flößer wollten früher die von ihnen im Sommer verpasste Kirchweih nachfeiern.
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Der Nikolaus (Andreas Buckreus jun.) schwingt bei der traditionellen Wallenfelser Flößerkerwa ausgiebig die Rute.Gerd Fleischmann
Der Nikolaus (Andreas Buckreus jun.) schwingt bei der traditionellen Wallenfelser Flößerkerwa ausgiebig die Rute.Gerd Fleischmann
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Alljährlich treffen sich in Wallenfels am Montag vor Heiligabend die Flößer des Frankenwaldstädtchens zur "Flößerkerwa". Dieser deutschlandweit einmalige Brauch erfreut sich großer Beliebtheit. Das Willi-Schreiber-Flößerhaus an der Floßlände platzte förmlich aus den Nähten. Nicht nur die Einheimischen, sondern vor allem auch Ehrengäste aus dem Landkreis Kronach zeigten Präsenz bei diesem außergewöhnlichen Ritual.

Höhepunkt dieser Feier ist immer der Auftritt des Nikolaus, den seit 38 Jahren Vorsitzender Andy Buckreus mit großer Begeisterung verkörpert. Sein Einsatz gleicht einer "himmlischen Strafexpedition", denn die Aktiven der 220 Mitglieder zählenden Flößergemeinschaft Wallenfels bekommen unter dem schadenfrohen Gelächter der Besucher die Rute zu spüren. Die Zahl der deftigen körperlichen Berührungen richtet sich nach den Schandtaten. Und die werden in Wallenfels das ganze Jahr über peinlich genau notiert.

Spezialbehandlungen gibt es insbesondere für "Weicheier" und "Schönwetterflößer". Und für jeden Delinquenten hat der Nikolaus einen lockeren Spruch parat. Nachdem Andy Buckreus zu seinem Leidwesen derzeit auf Reha ist, hat sein Sohn Andreas Buckreus junior diese anstrengende Arbeit übernommen und mit Bravour bewältigt.

Enttäuschende Saison

Voller Enttäuschung blicken allerdings die Flößer auf die diesjährige Saison zurück, denn aufgrund des Jahrhundertsommers fielen acht Floßfahrten aus. Einige tausend Gäste kamen nicht zu ihrem touristischen Vergnügen. Zweiter Vorsitzender Andreas Weiß: "Für uns war 2018 ein sehr schwieriges Jahr. Allerdings sind die Flößer noch enger zusammengewachsen. Dies macht wiederum Mut, den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden."

Wie Bürgermeister Jens Korn ausführte, sei man voller Hoffnung in die Saison 2018 gestartet. Dank der Initiative von Landrat Klaus Löffler habe man einen neuen Floßbescheid für die nächsten zehn Jahre erhalten. Allerdings sei das Wasser ausgeblieben. Sicherlich müsse man auch zukünftig mit klimatischen Turbulenzen rechnen. "Wir müssen um jeden Tropfen Wasser kämpfen." Zumindest erfreulich sei, dass die bayerische Staatsregierung eine Machbarkeitsstudie zur Sicherung der Flößerei bezüglich eines Rückhaltebeckens finanzieren werde. Man werde alle mit ins Boot nehmen, auch Naturschutz und Fischerei. Positiv ausgewirkt habe sich auch die Zusammenarbeit mit den Unterrodacher Flößern, betonte Jens Korn. Der Stellvertreter des Landrats, Gerhard Wunder, würdigte die Initiativen in Wallenfels. "Wir stehen voll hinter der touristischen Flößerei", denn sie sei ein bedeutsames Alleinstellungsmerkmal im Frankenwald.

Warum die Flößer kurz vor Weihnachten ihre Kerwa feiern, ist leicht zu erklären. Früher waren die Flößer Mitte des Jahres auf großer Fahrt den Main hinunter bis zum Rhein, teilweise bis nach Holland. Während der traditionellen Wallenfelser Kirchweih im Juli verdienten also die Flößer ihr Brot in der weiten Welt. Und dieses Fest muss ein echter Frankenwäldler feiern. So konnte es nicht verwundern, dass die rauen Burschen die Kirchweih nachfeiern wollten. Als idealer Tag erschien ihnen dabei der letzte Montag vor Heiligabend.

Solange in Wallenfels Flößerei betrieben wurde - gewerblich bis in die ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs hinein und später noch als Lohnflößerei auf dem Main bis Ende der 50er Jahre - wurde an diesem Tag die "Flößerkerwa" gefeiert. Dieser schöne Brauch lebte Dank der Initiative von Heinz Ring zu Beginn der 80er Jahre wieder auf.

Auszeichnung für Heinz Ring

Der ehemalige langjährige und verdienstvolle Vorsitzende Ring wurde deshalb durch Landratsstellvertreter Gerhard Wunder mit der Landkreisehrennadel in Gold ausgezeichnet. "Die Flößerei in Wallenfels ist untrennbar mit dem Namen Heinz Ring verbunden", betonte Wunder in seiner Laudatio. Über Jahrzehnte habe er die Flößergemeinschaft an entscheidender Stelle mitgestaltet. Zunächst war er zwölf Jahre als Schriftführer tätig, bevor er in einer schwierigen Phase für die Wallenfelser Flößer 1995 den Vorsitz übernahm.

Heinz Ring sei es anschließend buchstäblich gelungen, die "Kuppel" in ruhiges Fahrwasser zu bringen, sagte Wunder. Mit der ihm eigenen Durchsetzungskraft habe er es geschafft, die Finanzen des Vereins zu ordnen, die Mitglieder zu motivieren und gleichzeitig ein Netzwerk aus Flößern, Freunden und Entscheidungsträgern aus Politik und Behörden zu knüpfen. Aufgrund von gesundheitlichen Problemen musste er 2010 das Amt des Vorsitzenden niederlegen.

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