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Stockheim
Natur

Nicht nur für Vögel ein Paradies

In Gerd Fleischmanns Garten finden nicht nur Wildvögel ausreichend Nahrung und Lebensraum. Ein Teich, meterhohe Bäume und Mauern aus Naturstein locken auch Eichhörnchen, Eidechsen und sogar Ringelnattern an.
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Im Winter lässt Gerd Fleischmann die abgeblühten Sträucher stehen, dass die Wildvögel die Körner essen können. Foto: Cindy Dötschel
Im Winter lässt Gerd Fleischmann die abgeblühten Sträucher stehen, dass die Wildvögel die Körner essen können. Foto: Cindy Dötschel
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Stockheim Gerd Fleischmann hält ein Foto in der Hand. Auf dem Bild steht er hinter einem Strauch, an dem pinke Blumen blühen. "Das Geflatter der Schmetterlinge im Sommer war der Wahnsinn", schwärmt er. Über den Winter lässt er den Strauch weiter in seinem Garten stehen - obwohl dieser längst abgeblüht ist. Er möchte den Wildvögeln eine Chance geben, auch während der kalten Jahreszeit Nahrung zu finden: "In den Sträuchern sind noch Körner, die die Vögel essen können."

Zurzeit sind vor allem Meisen, Amseln und verschiedene Spechte Gäste in seinem 3000 Quadratmeter großen Garten. "Leider Gottes ist die Anzahl der Vogelarten zurückgegangen, was unter anderem an der Verbauung und Technisierung liegt", bedauert der Stockheimer. Früher sei auch viel mehr Weizen angebaut und geerntet worden, so seien immer einige Körner für die Vögel liegen geblieben.

Eichhörnchen und Fischreiher

In Fleischmanns Garten ist alles möglichst naturbelassen: "Ich habe aus 5000 Zentnern Naturstein Mauern gebaut, die ein Refugium für die Tiere sind." Hier würden sich regelmäßig Eidechsen und sogar Ringelnattern aufhalten. In seinen Walnuss- und Nadelbäumen beobachtet der ehrenamtliche Ortsheimatpfleger außerdem oft Eichhörnchen.

"Vor allem für Vögel ist mein Garten ein Paradies", freut sich Fleischmann. Im Sommer würden die Wildvögel in seinem Komposthaufen nach Würmern graben. Außerdem hätten die Vögel durch die zahlreichen Beerensträucher genug Nahrung. "Manchmal kommt auch ein Fischreiher zu Besuch, um meinen zwölf Quadratmeter großen Teich zu bearbeiten", sagt der Stockheimer stolz.

Obwohl Fleischmann in seinem Garten drei Vogelhäuschen aufgestellt hat, füttert er die Wildtiere im Moment nicht. "Bei den aktuellen Temperaturen finden sie auch so genug Nahrung", erzählt der Naturliebhaber. Wenn Schnee liegt und die Temperaturen in den Minusbereich fallen, sei die Situation eine andere.

Natürlichkeit ist entscheidend

Fleischmann ist der Ansicht, dass die Gärten möglichst naturbelassen bleiben sollten. "Wenn auf den Grünflächen viele Thujahecken und Zypressen angepflanzt werden, finden die Tiere keine Nahrung", weiß der 76-Jährige. Durch eine natürliche Vielfalt hätten die Wildtiere demgegenüber eine realistische Chance zu überleben.

Vögel im Winter richtig füttern

Der Mensch, der den armen und hungrigen Vögeln hilft: Ein Futterhäuschen aufzustellen oder einen Meisenknödel aufzuhängen, gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Winterbeschäftigungen der Deutschen. So können heimische Vögel auf Balkon, Terrasse oder im Garten aus der Nähe beobachtet werden. In den Wintermonaten noch vor dreißig, vierzig Jahren gab es dabei keine Diskussionen. Frostige Wochen und immer wieder Schneefall erschwerten die Nahrungssuche der Vögel beträchtlich.

Inzwischen sind die Winter milder geworden, auch der aktuelle zeigte sich bisher äußerst gemäßigt. Soll man da überhaupt füttern? Die Vögel können sich selbst versorgen, der Mensch sollte sich da raushalten, sagen manche. Andere verweisen darauf, dass aufgrund intensiver Landwirtschaft und häufig artenarmer Gärten auch bei milden Temperaturen mittlerweile Nahrungsengpässe entstünden.

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) spricht sich sogar für eine Ganzjahresfütterung aus. Das verbessere das Immunsystem der Tiere und reduziere Stress. "Es gibt aber zu wenig wissenschaftliche Studien darüber, welche Effekte vom Menschen angebotene Nahrung hat", räumt LBV-Pressereferentin Sonja Dölfel ein. "Aber es ist bisher nichts bekannt, inwiefern es schaden könnte. Und es macht vielen Menschen Spaß, dies das ganze Jahr zu tun."

Auch Peter Berthold, einer der bekanntesten Ornithologen Deutschlands, rät zur ganzjährigen Fütterung. Wer den Vögeln helfen wolle, müsse das ganze Jahr über Nahrung hinausstellen - nicht nur im Winter. Vor so viel Fütterungseifer warnen allerdings andere Vogelkundler. Bei einer Fütterung im Sommer würden sich aufgrund der Temperaturen Krankheitserreger zu schnell verbreiten.

"Man muss nicht verzichten, wenn man ein paar einfache Regeln beachtet", sagt Dölfel. Allerdings werde man mit einem Vogelhäuschen nicht über Nacht zum Artenschützer. "Bedrohte Tierarten wie Kiebitz oder Feldlerche rettet man damit nicht." Man helfe wenigen Vogelarten, die alle nicht bedroht sind. In Deutschland gibt es insgesamt rund 200 Arten. Zum Fressen an die Futterstelle kommen höchstens zehn bis 15.

Hygiene ist das Wichtigste

Wer beim Winterfüttern mitmacht, sollte Ende Oktober beginnen, damit die Vögel den Futterplatz schon kennen, wenn es plötzlich gefriert. Außerdem ist laut den Vogelexperten gut, dies regelmäßig zu tun, weil sich die Vögel auf ihre Futterquellen verlassen.

Als Hauptregel gilt laut LBV-Referentin Dölfel: Auf Hygiene am Futterplatz achten! "Bei offener Fläche muss jeden Tag ausgefegt und regelmäßig mit heißem Wasser ausgebürstet werden", sagt Dölfel. Sogenannte Futterspender seien weniger arbeitsintensiv, weil das Futter vor Regen geschützt ist und die Tiere nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verunreinigen. Insofern müssten diese Spender nur ein- bis zweimal im Jahr gereinigt werden.

Auch unter dem Futterplatz sieht der LBV Hygienebedarf. "Der Dreck, die leeren Samenschalen müssen von Zeit zu Zeit weggekehrt werden." Stehe das Vogelhäuschen auf dem Rasen im Garten, könne man es einfach ein wenig versetzen.Wenn sich ein Marder oder eine Maus über Nacht von den Resten am Boden bedienten, sei das nicht weiter schlimm. "Wenn es überhand nimmt, sollte man die Fütterung aber eine Zeitlang einstellen."

Vorsicht mit Ambrosia-Samen

Was das Futter angeht, rät Dölfel dringend, auf Qualität zu achten. Bei billigen Mischungen würden oft Füllstoffe wie Sand verwendet. Noch schlimmer seien die in manchen Vogelfuttermischungen enthaltenen Samen der Beifuß-Ambrosie - auch Ambrosia genannt. "Die Vögel fressen die Samen nicht, sondern schmeißen sie nach unten, wo sie dann später keimen können." Ambrosia sieht wie unscheinbares Unkraut aus und ähnelt dem heimischen Beifuß. Die Pflanze ist bei Pollenallergikern sehr gefürchtet.

Selbst mischen für Qualität

Mittlerweile verkaufen Hersteller Futtermischungen mit dem Label "Ambrosia kontrolliert". Dölfel rät aber, das Futter am besten selbst zu mischen. Wer zum Beispiel reine Sonnenblumenkerne selbst mit Hanf- und Leinsamen, Hirse, Nüssen (ungesalzen!), eingefetteten Haferflocken und getrockneten Rosinen vermenge, habe gesicherte Qualität. Dazu noch ein paar ganze Äpfel und Birnen für die Weichfutterfresser (z.B. Amsel, Drossel oder Rotkehlchen) und das Fütterungsvergnügen für Mensch und Tier kann beginnen. zl

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