Kronach
Ratgeber

Nicht der Preis ist das Entscheidende

Vor dem Wechsel der Kfz-Versicherung sollte die bestehende Police mit möglichen Alternativen verglichen werden. Ein Kronacher Versicherungskaufmann erklärt, worauf es ankommt.
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seinem Büro in der Kronacher Innenstadt berät Marc Bergauer seine Kunden.  Cindy Dötschel
seinem Büro in der Kronacher Innenstadt berät Marc Bergauer seine Kunden. Cindy Dötschel

Um die aktuelle Versicherungspolice mit alternativen Angeboten zu vergleichen, sind nicht viele Unterlagen notwendig. "Zum Beratungsgespräch sollte der Kunde seine Versicherungspolice und die Beitragsrechnung für das kommende Versicherungsjahr mitbringen", weiß Marc Bergauer, der seit 2004 ein Versicherungsbüro der "ERGO" in Kronach betreibt. Alternativ würde auch der Fahrzeugschein und die Beitragsrechnung des aktuellen Versicherungsjahres genügen. Beim Vergleich mit einer anderen Police kommt es vor allem darauf an, die weichen Tarifmerkmale zu kennen. "Zu den weichen Tarifmerkmalen zählen die Fahrer des Wagens, die gefahrenen Kilometer, die Selbstbeteiligung, die Werkstattbindung und die im Tarif vereinbarten Leistungen", zählt der Johannisthaler auf. Viele Kunden seien sich nicht über ihre Leistungsdetails im Klaren. Für die Erstellung eines Gegenangebots sei der Vergleich entscheidend. "Während der Beratung wird der individuelle Bedarf unserer Kunden ermittelt."

Unterstützung im Schadenfall

Solange nichts passiert, ist es laut Bergauer die absolut richtige Entscheidung, den billigsten Tarif zu wählen. Aber das kann keiner garantieren. "Im Schadenfall ist ein persönlicher Berater, der auch am Wochenende für seine Kunden da ist, Gold wert", weiß der 36-Jährige. Ihm ist vor allem ein Fall im Gedächtnis geblieben, bei dem eine Kundin an einem Samstagabend einen Verkehrsunfall mit Personenschaden in München verursacht hatte. "Sie war im Schockzustand und wusste nicht, wen sie anrufen soll. Ich konnte ihr am Telefon weiterhelfen und mich kümmern."

Aus Erfahrung weiß Bergauer, dass im Schadenfall neben einem persönlichen Berater auch das Leistungspaket ausschlaggebend ist: "Klauseln, wie der Verzicht auf Einwand der groben Fahrlässigkeit, müssen in jedem Vertrag beinhaltet sein." Wenn die Klausel fehlt, könne es sein, dass der Schaden am eigenen Auto nach einem Unfall, der beispielsweise durch das Fahren über eine rote Ampel verursacht wurde, nur teilweise von der Vollkaskoversicherung übernommen werde. "Die Haftpflichtversicherung springt für den Schaden des Unfallgegners ein."

Der erfahrene Versicherungskaufmann hat außerdem noch einen Tipp, wie eine Hochstufung nach einem selbstverschuldeten Unfall zur nächsten Hauptfälligkeit vermieden werden kann. "Viele Gesellschaften bieten mittlerweile einen Rabattretter an. Dieser kann gegen einen Aufpreis abgeschlossen werden. Durch den Rabattretter hat der Kunde im Versicherungsjahr mindestens einen Schaden frei." Wie hoch ein Versicherungsnehmer nach einem Schaden eingestuft wird, ist laut Bergauer vom jeweiligen Tarif abhängig.

Der Preis hängt vom Fahrzeug ab

Dass Direktversicherer immer günstiger sind, kann Bergauer nicht bestätigen. "Natürlich kommen wir als persönliche Berater an der einen oder anderen Stelle nicht an die Prämie eines Direktversicherers heran", räumt er ein. Eine Pauschalaussage könne allerdings nicht getroffen werden."Der Tarif muss für jedes Auto einzeln berechnet werden."

So funktioniert der Versicherungswechsel nahtlos

Es macht schon einen Unterschied, ob die Autoversicherung 291 oder 1012 Euro kostet: Tatsächlich gibt es solche Preisunterschiede, wie ein aktueller Vergleich der Stiftung Warentest (Heft 11/2019) zeigt.

Da die Vielzahl an Optionen für Verbraucher nicht einfach zu durchschauen ist, haben Verbraucherzentrale Bayern und Stiftung Warentest das Thema Autoversicherungen regelmäßig auf der Agenda. Wir fassen ihre wichtigsten Tipps zusammen.

1. Kündigung

Vor einer Kündigung muss man in den Vertrag schauen. Die meisten Kfz-Versicherungen laufen bis Jahresende, weshalb das Kündigungsschreiben bis zum 30. November beim Versicherer sein muss. Viele Versicherer haben dies aber geändert. Laufen Policen unterjährig aus, endet die Kündigungsfrist einen Monat vor dem Termin, an dem der Vertrag geschlossen wurde. Beispiel: Wurde die Police zum 1. Oktober abgeschlossen, endet der Vertrag zum 30. September des Folgejahres. Eine Kündigung muss dem Kfz-Versicherer bis zum 31. August vorliegen.

Für die Kündigung reicht ein formloses Schreiben. Musterbriefe gibt es unter www.verbraucherzentrale.de. Am besten die Kündigung per Einschreiben versenden und um eine Bestätigung bitten.

2. Sonderkündigung

In einigen Fällen gilt ein Sonderkündigungsrecht: Bei einer Beitragserhöhung (die Kündigungsfrist beträgt ein Monat und beginnt an dem Tag, an dem die Beitragserhöhung mitteilt wurde), im Schadenfall, bei Verkauf des Fahrzeugs, bei Veränderung des Schadenfreiheitsrabatt-Systems, der Tarifstruktur und Bedingungsänderungen sowie bei geänderter Verwendung des Fahrzeugs.

3.Preise

Der Preis einer Police hängt stark von individuellen Merkmalen wie Alter, Beruf, Wohnort und dem Auto ab. Vor allem kommt es auf den Versicherer und den Tarif an. Die Stiftung Warentest hatte bei ihrem aktuellen Test 150 Tarife von 68 Versicherern verglichen und für mehrere Modellkunden nachgerechnet. Beispiel: Für einen Passat Kombi bezahlen 45-Jährige beim günstigsten Versicherer 291 Euro und 1012 Euro beim teuersten Anbieter. Unter www.test.de gibt es einen (kostenpflichtigen) Versicherungsvergleich. Bei Vergleichsportalen ist zu beachten, dass sie eventuell Provisionen erhalten und nicht alle Anbieter gelistet sind.

Ehe man wechselt, kann man natürlich auch beim eigenen Versicherer nach preiswerteren Einstufungen fragen und den eigenen Vertrag optimieren. Es gibt durchaus Optionen, die beim Sparen helfen: Etwa wenn man sich auf eine bestimmte Werkstatt, Kilometerleistung und Selbstbeteiligung oder die jährliche Zahlung der Rechnung einlässt.

4. Deckung

Im Kaskobereich sollte man besonders auf die Inhalte achten: Welche Leistungen sind inbegriffen? Die Unterschiede reichen vom Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit bis hin zu unterschiedlichen Regelungen im Fall von Wildschäden oder Marderbissen. Im Haftpflichtbereich ist die Höhe der Deckungssumme ausschlaggebend. Sie sollte 50 oder noch besser 100 Millionen Euro betragen.

Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest empfehlen, sich die Konditionen penibel anzuschauen. Denn es spielt auch eine Rolle, ob die Kinder am Steuer sitzen, das Auto in einer Garage steht oder der Kunde nach einem Unfall die vorgegebene Werkstatt aufsucht.

5. Schadenfreiheitsklasse

Für jedes unfallfreie Jahr kommt der Kunde in eine bessere Schadensfreiheitsklasse (SF), was den Beitrag reduziert. Nach einem Unfall rutscht man in eine teurere Klasse. Manchmal lohnt es sich, einen kleinen Unfall selber zu bezahlen, um die günstigere Variante zu behalten.

Vor einem Wechsel sollte man sich von der bisherigen Versicherung schriftlich bestätigen lassen, welche SF dem neuen Anbieter gemeldet wird. Laut Verbraucherzentrale nennen alte Versicherer der neuen Gesellschaft manchmal eine ungünstigere Einstufung, als sie tatsächlich in der Beitragsrechnung vermerkt war.

6. Rabatte

Preisnachlässe sind meist an bestimmte Auflagen gebunden. Diese sollte man nur in Anspruch nehmen, wenn die jeweiligen Voraussetzungen dauerhaft zu gewährleisten sind: Wird das Auto wirklich immer in einer Garage abgestellt werden können? Ist die vertraglich vereinbarte Kilometer-Pauschale zu schaffen? Andernfalls kann sich die Beitragsersparnis durch Rückstufungen oder gar Vertragsstrafen ins Gegenteil verkehren.

7. Kasko und Haftpflicht

Für ältere Pkw reicht meist die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung. Diese übernimmt nach einem Unfall, den der Fahrer verschuldet, die Schäden des anderen. Günstige Anbieter sind laut Vergleich der Stiftung Warentest die DA Deutsche Allgemeine, Friday und Verti. Eine Vollkasko lohnt am ehesten für Neuwagen und teure Gebrauchte. Sie enthält auch Teilkaskoleistungen wie die Bezahlung von Schäden am eigenen Auto unter anderem nach Wildunfällen, Sturm, Brand und Diebstahl. Die Vollkasko greift zusätzlich bei Vandalismus und zahlt Schäden am eigenen Pkw. Ausschlaggebend bei der Entscheidung ist die individuelle Situation: Kann man bei einer Teilkasko einen Totalschaden auch ohne Geld vom Versicherer verkraften und aus eigener Tasche ein neues Auto finanzieren? Auch für Haftpflicht mit (Teil-)Kasko schneiden im Vergleich der Stiftung Warentest die oben genannten Anbieter mit günstigen Tarifen gut ab.

8. Rechnung

Fällt im Januar die Rechnung für den neuen Vertrag wider Erwarten höher aus als mit dem neuen Anbieter vereinbart, empfehlen die Verbraucherschützer, den Beitrag unter Vorbehalt dennoch vollständig zu zahlen. Andernfalls riskiert man den Versicherungsschutz. Durch eine Zahlung unter Vorbehalt erkennt man den Betrag nicht als bindend an. Danach kann man noch eingehend prüfen und Geld zurückfordern.

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