Neukenroth
Naturdenkmal

Neukenrother Maurerseiche hat Kampf verloren

Der 200 Jahre alte Baumriese in Neukenroth musste aus Sicherheitsgründen abgetragen werden. Nur ein Torso bleibt stehen.
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Der mächtigen, über 200 Jahre alte Maurerseiche in Neukenroth, ging es nun mittels Hebebühne an den Kragen. Die trockenen Sommer 2018 und 2019 haben ihr den Rest gegeben.Gerd Fleischmann
Der mächtigen, über 200 Jahre alte Maurerseiche in Neukenroth, ging es nun mittels Hebebühne an den Kragen. Die trockenen Sommer 2018 und 2019 haben ihr den Rest gegeben.Gerd Fleischmann
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Am Donnerstag ging es der über 200 Jahre alten Maurerseiche in der Nähe des Gotteshauses St. Katharina endgültig an den Kragen. Seit gut zehn Jahren bangten die Neukenrother um ihr Naturdenkmal. Und es war ein langsames Dahinsiechen des mächtigen Baumriesen. Die extremen Sommer 2018 und 2019 hatten ihm nun den Rest gegeben und damit ging endgültig der Kampf verloren.

Die einst mächtige Krone wirkte zuletzt geradezu anklagend und gespenstisch zugleich. Das Team um Maximilian Hugel aus Tauschendorf hat nun Fakten gesetzt.

Jeder Einheimische kennt die Maurerseiche und sie gehörte zum Ortsbild wie die Kirche St. Katharina. Bereits seit 1937 stand sie unter Naturschutz. Das Erscheinungsbild war bis dato imposant. Immerhin hatte die Eiche eine Höhe von 25 Metern und einen Stammumfang von 4,50 Meter. Man schätzt so an die zwanzig Festmeter Holz.

In den letzten 200 Jahren hat dieses Naturdenkmal allerhand miterlebt. Nach der Völkerschlacht von Leipzig fiel ein Trupp russischer Husaren im Dorf ein und ließ es sich hier gut gehen. Ab August 1885 führte die Eisenbahnstrecke nach Ludwigsstadt in Sichtweite an der Eiche vorbei. Und im Dezember 1906 vernichtete ein mutwillig gelegter Großbrand von zwei 19-jährigen Neukenrothern das Schulhaus, den Theatersaal, das Pfarrhofnebengebäude und fünf Scheunen. Das Gotteshaus konnte gerade noch gerettet werden. 50 Meter neben der Eiche erhielten die Neukenrother im Jahre 1908 dann eine neue Schule. 1912 bildete der Baum eine prächtige Kulisse zu dem Erinnerungsbild im Lehrersgarten anlässlich der Primiz von Peter Ochs, dem Sohn von Lehrer Johann Ochs. Und im Frühjahr 1945 richteten amerikanische Truppen ihren Kommandostützpunkt in dieser Schule ein.

Eines von 18 Naturdenkmälern

Im Landratsamt Kronach hat die Eiche im Anwesen des Bauern Hans Maurer sogar eine eigene Akte, die sich auf die Unterschutzstellung im April 1937 (Reichsnaturschutzgesetz) bezieht. Wie Sachbearbeiter Engelbert Singhartinger von der Unteren Naturschutzbehörde dazu informierte, sei dieser Baum in der Liste der Naturdenkmäler in Bayern geführt. Derzeit gebe es im Kreis Kronach lediglich 18 Naturdenkmäler. Das Absterben sei mehr als bedauerlich.

Auch der Ehrenvorsitzende des Volkstrachtenvereins Zechgemeinschaft Neukenroth, Edmund Sprenger, sieht in der Maurerseiche ein Stück Heimat. "Dieses Naturdenkmal war so etwas wie das Wahrzeichen von Neukenroth. Die Maurerseiche ist für viele ein Inbegriff von Neukenroth."

Allerdings kam man nicht umhin, die Motorsäge anzusetzen. Die Untere Naturschutzbehörde, die Gemeinde Stockheim sowie Grundstückseigentümer Robert Maurer bemühten sich um eine einvernehmliche Lösung. Schließlich hat die Sicherheit Priorität.

So sieht es auch der Stockheimer Bürgermeister Rainer Detsch, der Zeuge der Fällaktion war. Zumindest bleibt ein Baumtorso stehen, und zwar der Tierwelt, insbesondere den Insekten zuliebe.

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