LKR Kronach
Mobilität

Neues Nahverkehrskonzept vorgestellt - Was der Kreis Kronach plant

Der Landkreis stellt seinen Nahverkehr auf komplett neue Beine: Bis Mitternacht werden Busse und Bahnen demnächst unterwegs sein. Einzelne Linien gibt es dann aber nicht mehr. Stattdessen setzen die Planer auf ein anderes Modell.
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Wollen den Nahverkehr in die richtige Richtung lenken: Landrat Klaus Löffler sowie Barbara Meyer, Gabriele Riedel, Susanne Faller und Tobias Herrmann (von links) vom Regionalmanagement, das das am Montag vorgestellte Mobilitätskonzept erarbeitet hat. Foto: Marian Hamacher
Wollen den Nahverkehr in die richtige Richtung lenken: Landrat Klaus Löffler sowie Barbara Meyer, Gabriele Riedel, Susanne Faller und Tobias Herrmann (von links) vom Regionalmanagement, das das am Montag vorgestellte Mobilitätskonzept erarbeitet hat. Foto: Marian Hamacher
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Baustellen sind nicht immer sichtbar. Anders als derzeit etwa die energetische Sanierung und der gleichzeitige Innenausbau des Kronacher Landratsamts - was nicht nur die riesige Zeltkonstruktion auf dem Dach unübersehbar macht. Doch während diese Arbeiten vermutlich noch bis zum Ende des kommenden Jahres andauern werden, ist der Landkreis auf einer anderen Baustelle ein gutes Stück weiter gekommen: der Arbeit am neuen Mobilitätskonzept. "Ich denke, wir sind jetzt auf einem sehr guten Weg", sagte ein sichtlich stolzer Landrat Klaus Löffler (CSU) am Montagmorgen.

Quer durch den Landkreis

Ab dem 1. August 2020 soll es möglich sein, stündlich per Bus oder Bahn quer durch den Landkreis zu reisen. Von den Kernstellen aus durch sogenannte Hauptlinien und Nebenlinien. Es gibt in Zukunft also nicht mehr einzelne Linien. Bus und Bahn werden verzahnt. Integraler Taktfahrplan nennt sich das. Und wer von diesen Stellen zu weit entfernt wohnt, soll sie mit Hilfe eines Rufbusses erreichen können. "Neben den vielen Themen, an denen wir im Landkreis im Moment arbeiten, ist die Mobilität durch alle Generationen hinweg das Thema, das hier am meisten diskutiert wird", weiß Löffler.

Mehr als zwei Jahre lang arbeitete das Regionalmanagement des Landkreises zusammen mit der NahverkehrsBeratung Südwest (NBS) das neue Mobilitätskonzept aus. Die Aufgabe: den Nah- und den Schülerverkehr zusammenzuführen. "Die Qualität der Schülerbeförderung, die wir jetzt haben, sollte aber auch in Zukunft beibehalten werden", sagte Löffler. Für den Kreistag sei die Maßgabe unverrückbar gewesen, dass ein Schüler nicht länger als eine Stunde von seinem Wohnort bis zur Schule unterwegs sein darf.

Europaweite Ausschreibung

Das am Montag vorgestellte Konzept soll genau das gewährleisten. Zehn Jahre lang laufen die Verträge nun. Die lange Laufzeit soll dazu beitragen, dass die Busunternehmen sicher planen und somit auch in einen neuen Fuhrpark investieren können. Alle Kosten zusammengerechnet, nimmt der Landkreis dafür in dieser Zeit 50 Millionen Euro in die Hand.

Ausgeschrieben wurde der Nahverkehr für den Kreis Kronach vor gut einem halben Jahr bewusst nicht als Gesamtpaket, sondern in mehreren Fahrbereichen. Zwar europaweit, weit entfernt von der Kreisstadt ist der Sitz der drei siegreichen Busunternehmen allerdings nicht. Einzige Überraschung ist unter diesen wohl die Regionalbus Arnstadt (RBA) aus dem thüringischen Ilm-Kreis. Das Pressiger Busunternehmen Martin und der Omnibusverkehr Franken (OVF) sind hingegen so etwas wie alte Bekannte.

Das neue Mobilitätskonzept sei "die Neuerfindung des ÖPNV in diesem Landkreis" schwärmte Stephan Kroll von der NBS. "Der Landkreis hat das Heft des Handelns im öffentlichen Nahverkehr in die Hand genommen." Statt den Busunternehmen das Planen zu überlassen, habe man dies selbst übernommen. "Der Kreis hat erkannt, dass genau diese Strukturen geändert werden müssen, um das zu erreichen, was wir hier heute vorstellen." Eine Mobilität im Stundentakt bis Mitternacht in jeder Ecke des Landkreises. "Und das mit Fahrtzeiten, die den Eltern und der Politik keine Tränen in die Augen treiben." Der Landkreis habe sich zwar hohe Ziele gesetzt, diese aber erfüllt.

Was nun allerdings nicht bedeutet, dass der metaphorische Baustellenzaun schon wieder abgebaut werden darf. "Jetzt fängt die Arbeit für uns erst so richtig an", betonte Löffler.

Was noch nicht spruchreif ist

Einen Fahrplan gibt es nämlich noch nicht. Für die Ausschreibung sei zwar schon einer erstellt worden, erklärt Kroll, spruchreif sei dieser aber keineswegs. Vorher werde es laut Löffler noch Abstimmungsgespräche mit allen Kommunen und Schulen geben. "Wir haben uns darauf verständigt, zum 1. August 2020 bereits den ersten Testlauf zu machen", erklärte er.

"Das ist unser Anspruch"

Die Sommerferien sollen dann genutzt werden, um den Schülerverkehr zu simulieren; um zu überprüfen, wie sich die Schülerbeförderung in den einzelnen Kommunen darstellt. "Das ist eminent wichtig", sagte der Landrat. "Wenn wir dann zum neuen Schuljahr starten, haben wir sechs Wochen Erfahrungswerte." So solle gewährleistet werden, dass es am ersten Schultag möglichst keine Beschwerden gibt.

Im Fokus stehe in den kommenden Monaten auch, in der Kreisverwaltung eine Mobilitätszentrale aufzubauen. "Wenn jemand aus irgendeinem Ortsteil keine Anbindung hat, ruft er dort an", erklärte Löffler. Wer beispielsweise um 11 Uhr für einen Arzttermin in Kronach sein muss, habe die Möglichkeit, sich einen Rufbus zu bestellen, um zum nächstgelegenen Schwerpunkt gefahren zu werden - etwa einem Bahnhof oder einer Bushaltestelle.

Die Nachbarn im Blick

Und wie teuer soll das werden? Zu den kommenden Tarifen könne man noch nichts sagen, sagte Löffler. "Ich glaube, man muss die Schritte dann machen, wenn sie anstehen." Noch sei es aber nicht an der Zeit, darüber zu sprechen. Fest stehe hingegen schon jetzt, dass das neue Konzept bezahlbar bleibe, sagte Kroll: "Das Ganze ist eine echte Innovation. Aber keine auf dem Rücken der Steuerzahler." Vielmehr seien Synergien gefunden worden, um parallele Systeme zusammenzuführen und so womöglich Geld zu sparen.

Vorgesehen ist zudem, den Blick nicht nur auf den Kreis Kronach, sondern auch die Nachbarlandkreise zu richten. "Wir wissen, dass etwa die Verbindung von Kronach nach Coburg im Moment ausbaufähig ist", sagte der Landrat. "Nun schauen wir, wie wir dort einen Schwerpunkt setzen und Weichen stellen können." Noch so eine Baustelle, die nicht wirklich sichtbar ist - aber eine Menge Arbeit erfordert.

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