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Stockheim
Wirtschaftsserie (14)

Neue Optik für den Kunststoff

Verpackungen aus Kunststoff schauen neuerdings aus, als ob sie aus Glas oder Metall wären. Die Firma Rebhan aus Stockheim will dabei Trendsetter bleiben.
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Die Stockheimer Firma Rebhan Kunststoffverpackungen fertigt Flaschen, Tiegel, Flakons und andere Verpackungen aus thermoplastischem Kunststoff für die Kosmetikindustrie, für chemische Produkte, für die Pharmazie und auch für Lebensmittel. Die kleinsten Chargen fangen bei 20.000 Stück an, doch es gibt auch Aufträge, bei denen auf einmal zwei bis fünf Millionen Verpackungen produziert werden.

3500 Tonnen Granulat pro Jahr werden in der Flaschenfertigung verbraucht. Angesichts der Tatsache, dass eine durchschnittliche Flasche zwischen vier und 25 Gramm wiegt, kann sich kaum jemand vorstellen, wie viele Flaschen und Verpackungen das Werk verlassen.

Kunststoff wirkt wie Glas
Jeder, der den Ausstellungsraum der Kunststofffirma betritt, sieht ein Regal, in dem andere Fläschchen - Flakons - stehen. Sind das Glasflaschen, die besonders hochwertig sind? Nein, das ist die "Zukunftsbranche", die der neue Chef, Andreas Handke, weiter ausbauen möchte: "Glass Polymer" nennt sich der Stoff der Träume. Die kleinen Fläschchen sehen, aus als wären sie aus Glas, haben eine besonders edle Optik, lassen sich einfärben und veredeln - aber sie sind wie alle anderen auch aus Kunststoff.

"Wir sind mit dem Glass Polymer so flexibel wie auch sonst bei der Kunststoffverarbeitung, was die Form- und Farbgebung angeht", erklärt Andreas Handke. Aber die Flaschen und Flakons aus Glass Polymer sind unzerbrechlich. Und das beweist die Qualitätssicherung. Sie lässt die Fläschchen, gefüllt natürlich, aus 1,40 Meter Höhe auf einen simulierten Stein- oder Fliesenboden fallen oder im Test in ein Metallbecken. Nichts passiert! Die Flasche hüpft ein paar Mal auf und ab. Da war alles.

Derzeit liegt der Anteil der Glass-Polymer-Fertigung bei Rebhan Kunststoffverpackungen bei vier Prozent. Doch der neue Geschäftsführer Andreas Handke, der erst seit Anfang Juni das Stockheimer Unternehmen leitet, möchte diesen Bereich ausbauen und sieht enormes Potenzial. "Es ist einfach praktisch, wenn Flaschen im Bad nicht mehr zerbrechen, wenn sie herunterfallen", sagt Handke.

"Wir werden aber auch in die Veredelungsverfahren und in neue Fertigungsverfahren investieren", kündigt er an. Das bedeutet im Klartext: Vorhandene Technik soll ausgebaut und optimiert werden. "Design ist wichtig", gibt Handke die Parole aus. Tatsächlich lieben die Kunden zunehmend Verpackungen, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Nur noch 58 Prozent der Kunden greifen auf Standardprodukte zurück. 42 Prozent aller Verpackungen, die Rebhan fertigt, sind schon kundenindividuell.

Eine Besonderheit sind die Veredlungsmöglichkeiten bei Rebhan. Neben verschiedenen Drucktechniken und Prägungen liegt die Metallisierung im Trend. Domenico Artefice, der technische Leiter des Unternehmens, zeigt, wie dieses Verfahren funktioniert. Er ist selbst immer wieder fasziniert, wie gleichmäßig die Kunststoffgegenstände glänzen.

Bei der Metallisierung werden die Verschlüsse oder Flaschen in eine Vakuumkammer befördert und mit Alustaub, der in Elektroden steckt, bedampft. Wie ein zarter Film legt sich die hochglänzende oder matte Farbe um die Kunststoffprodukte und sorgt dafür, dass sie silbern oder golden glänzen oder mattiert wirken. Ein Verfahren, das innovativ und selten ist - und die Kunststoffverschlüsse enorm aufwertet.

"Wir bauen den Dekorationsbereich aus und brauchen auf diesem Gebiet Fachleute", erklärt Domenico Artefice. Man sehe in diesem Bereich, dass der Markt leergefegt ist und bekomme den Fachkräftemangel schon zu spüren. Deshalb sind Medientechnologen im Siebdruck bei Rebhan immer willkommen.

Das Stockheimer Unternehmen bildet aber auch Industriekaufleute, Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik, technische Produktdesigner und ab September auch Elektrotechniker und Mechatroniker aus. "Wir haben einen Übernahmeanteil von 100 Prozent", betont Artefice.
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