Kronach
Jahresrückblick

Nationalpark Frankenwald: Tolle Chance oder K.o.-Schlag?

Die Frage, ob der Frankenwald ein Nationalpark werden soll, sorgte für hitzige Debatten.
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Dieses Befürworter-Plakat wurde zerschnitten.Rainer Glissnik
Dieses Befürworter-Plakat wurde zerschnitten.Rainer Glissnik
Kein Thema polarisierte 2017 im Landkreis Kronach mehr als der Gedanke an einen Nationalpark Frankenwald. Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU) brachte die heimische Region als Kandidat ins Gespräch. Dadurch trat er eine Diskussionslawine los, wie sie der Landkreis in diesem Jahrzehnt noch nicht erlebt hatte.

Neben den Nationalparken im Bayerischen Wald und im Berchtesgadener Land sollte ein drittes Parkgebiet im Freistaat gefunden werden. Darauf hatte sich der Ministerrat bereits im Juli 2016 geeinigt. Zunächst standen drei Kandidaten auf der Liste: die Rhön, die Donauauen und der Spessart. Im Mai 2017 trat schließlich der Frankenwald als vierter Bewerber auf den Plan.


Frostige Stimmung

"Die Region im Frankenwald hat im Kern vier ausgeprägte Kompetenzen: eine wunderschöne und wertvolle Natur, eine äußerst innovative Industrie, starke mittelständische Unternehmen sowie engagierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Für mich war es wichtig, das Angebot des Ministerpräsidenten Horst Seehofer, den Frankenwald in die Suche nach einem dritten Nationalpark aufzunehmen, anzunehmen und auszuloten, welche Chance ein Nationalpark für die Region sein kann", erklärte Baumgärtner seinerzeit.

Im Kreis Kronach stieß seine Idee auf Interesse, aber auch auf energische Kritik. Während sich die politischen Kräfte vielfach erst in eine Lauerstellung begaben, statt sich frühzeitig zu positionieren, wehte dem Abgeordneten aus der Land- und Forstwirtschaft schnell ein eisiger Wind entgegen. Einen ersten Höhepunkt erreichte der lautstarke Protest in Neukenroth. Dort wurde Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf Ende Juni nicht nur mit Fragen und Argumenten konfrontiert, sondern auch mit Transparenten sowie dem Lärm von Traktoren und Kettensägen.

Während die Befürworter auf Entwicklungschancen des Frankenwaldes im Bereich Natur, Tourismus und Infrastruktur verwiesen, befürchteten die Kritiker einen Niedergang des Holzgewerbes, Borkenkäfer-Plagen und ein Aussperren der Menschen aus ihren heimatlichen Wäldern. In nächster Instanz führten diese Bedenken zur Gründung des Vereins "Unser Frankenwald", der sich mit seinem Vorsitzenden, MdL Ludwig Freiherr von Lerchenfeld (CSU), an die Spitze der Protestbewegung setzte.

In den folgenden Wochen, als es darum ging, sich ein Meinungsbild über die weitere Teilnahme am Sondierungsprozess (Konzeptphase) zu bilden, schaukelten sich die Emotionen in ungeahnte Höhen empor. Als Außenstehender konnte man befürchten, die mitunter bitterböse geführte Diskussion könnte den Landkreis zerreißen.


Das Aus ist besiegelt

Mitte Juli war klar, der Frankenwald ist raus aus dem Kreis der Nationalpark-Anwärter. Andere Regionen würden die Kriterien besser erfüllen, stellte Ministerin Scharf fest. Doch mit dem Aus ist die Sache für den Frankenwald noch lange nicht gelaufen. Viele Ideen wurden im Zuge der Debatte entwickelt, um der Region auf andere Weise einen Schub zu geben. Zeitweise war ein Biosphärenreservat im Blick, was sich ebenfalls zerschlagen hat. Dann wurden eine Hochschule und touristische Attraktionen in den Vordergrund gerückt.

An diesen Konzepten wird weiter festgehalten. Parkbefürworter wie -gegner sind sich einig, dass solche Chancen genutzt werden müssen. Und die Rückkehr zur Geschlossenheit kann nicht schaden, um in München Gelder dafür locker zu machen.
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