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Kronach
Fasching

Narrenhafte Fettnäpchen in Förtschendorf

Wenn Kinder ihren Lehrern die Welt erklären, Zwerge Frauen das Kochen beibringen und ihren Männern das Heimwerken, dann ist Büttenabend in Förtschendorf.
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Die mittlere Garde segelte über die Bühne und sorgte für einen furiosen Auftritt. Foto: Maria Löffler
Die mittlere Garde segelte über die Bühne und sorgte für einen furiosen Auftritt. Foto: Maria Löffler
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Was haben der "Eilazwerg," ein Heimwerker mit "zwaa linka Händ", ein tschechisches "Zimmemaala," ein "krass böser Wolf" Bismarckheringe, ein früher Tod und ein Christbaum aus Bodenhaltung gemeinsam? In Förtschendorf weiß man das, denn in den Büttenabend am vergangenen Wochenende hatte man wieder alles gepackt, was der Fasching hergibt. Und das sind eben vor allem Sketche, Büttenreden, Tänze und ganz viel Unterhaltung.

Die Aufsicht über die Schar an Narren, Tänzern und Multi-Talenten hatte das Prinzenpaar samt Elferrat. Prinz Stefan der II., der "den Floriansjüngern vorsteht und Prinzin Lisa die I., die Neuankömmlingen dienende Regentin," behielten alles scharf im Blick. Das Sagen hatte aber vor allem Zeremonienmeisterin Silvia Heinlein. Und sie behielt auch den kleinen Ritter Nika Bätz im Auge, einem schwertschwingenden Sechsjährigen, der ganz genau wusste, warum die Zitronen sauer sind.

Und nachdem das ein für allemal geklärt war, betrat Angelina Bätz die "Fötschadoffe Bühna." Sie, die sich mit einem Vater abplagen musste, der zwar "ein Heimwerker mit Köpfla, obe zwa linka Händ" sei, klagte ihre liebe Not. Am Ende wussten alle, warum die Familie wegen eines tropfenden Wasserhahnes zwei Tage lang "ins Wohnzimmer schwimmen musste," oder sie jetzt Eiswürfel pinkelt. "Und wenn bei uns ane klingelt, geht die Kühlschranktür auf."

Bezaubernd, ein Wort, das vor allem auf die Kleinsten der Fötschadoffe Narrenschar zutrifft. Die Krabbelgruppe tanzte über die Insel mit zwei Bergen direkt in die Herzen der Gäste. Und märchenhaft ging's weiter, denn der "Eilazwerg" (Pater Helmut Haagen) hatten einen Riesen-Auftritt.

Ganz schön beschäftigt sei er damit, den Pressiger Frauen das Kochen beizubringen und den Männern mit den linken Händen das heimwerken. Und dabei musste er aufpassen, dass ihm der Pressiger Gemeinderat nicht seinen Schatz unter dem Hintern weg klaut.

Dank seiner Zauberkräfte ist der Chef der SPD jetzt aber mit dem Zwerg "auf Augenhöhe" und der von der CSU strahlt als Osram-Glühbirne zur "Zwergen-Light-Show." Selbst mit Bestechung habe es bei ihm nicht funktioniert, denn auf das Zwergenbier vom Gemeinderat Couderc müsse er nur furzen. Lieber seien ihm da schon "die Kurzen."

Und dass das alles kein gutes Ende nehmen konnte, schien eh klar. Der Pressiger Gemeinderat war in einen ICE-Tunnel geraten und sei dort plattgemacht worden. "Aber es sind ja bald wieder Wahlen," tröstete der Eilazwerg.

Auf die Bühne gesegelt kam dann auch die mittlere Garde, die da oben alles ordentlich durcheinanderwirbelte. Danach ein kurzer Szenenwechsel und schon wurde die Tanzfläche zum Klassenzimmer. Hier gingen dann Jonas, Hans, Maria, Nathalie und Samira zur Schule und erklärten ihrem Lehrer, "Herrn Lang", wie die Welt funktioniert.

Sie wussten wohin die Frau bei einem Mann greift (natürlich in die Brieftasche) und warum Dorferneuerung nicht gleich Dorferneuerung ist. Ihr Unterricht in Geografie und Menschenkunde führte irgendwie auch auf die Reeperbahn nach Hamburg und nach Rothenkirchen.

Sie hatte alles gegeben, die Showtanzgruppe, die nur einen Mann in ihrer Mitte duldet, bevor dann ein großes Fettnäpfchen aufgestellt wurde in das Thomas Lang und Hans Dieter Kropp stolperten. Bei den beiden war Spanien plötzlich nicht mehr so wirklich im Süden und alle Kombifahrer fahren schwarze Autos und tragen Hut. Und wer was auf sich hält, der hat "ein tschechisches Zimmemaala, das einem zur Händ geht."

Tausend und eine Nacht, in der tausend und ein Traum Wirklichkeit werden: Die orientalische Tanzgruppe mit der amtierenden "Prinzin" brachte den Orient und vor allem viele schwingende Hüften in den Saal. Platz machten die aber nur einem "krass bösen Wolf", der in einem lebenden Puppentheater hinter seinem "voll schönen Rotkäppchen" her war. Das nämlich war zu Hause rausgeschmissen worden und wollte nun zur Großmutter ziehen.

Irgendwie kam dann auch ein Jäger ins Spiel, der mit der Großmutter verbandelt war. Warum sonst hätte er sie als "Haserl, Mauserl oder Schneckla" bezeichnen sollen?

Kommt einer mit stoischer Miene in den Saal und erzählt, wie er mit einer Krankenschwester unter dem Arzneischrank gelandet ist. Und der mindestens 20 Menschen gefragt hatte, wo er wohnt, aber "kanne hots gewusst." Es war Konrad Späth, der "jo werkli" verkündete, warum er zum Frühstück zwei Bismarckheringe mit einem Liter Milch runtergespült habe. "Milch is gsund. Obe des hom die Bismarckhering nije gewusst."

Später am Abend meinte dann in einem Sketch Andre Lang zu Yvonne Bätz: Du bist mein bester Freund, meine Seelenverwandte, die Mutter meiner Kinder, meine Ehepartnerin, meine Geliebte und mein früher Tod. Sie trieb ihn in den Wahnsinn und er konnte einfach nichts richtig machen. Ein Beispiel: "Ich soll me wos ze essn bestell, wos du vielleicht nochet eventuell, des wasta obe nuch nije, obe für den Foll, desta wos essn tust, mougst."

Die letzte Bütt bestieg an diesem Abend Hans Dieter Kropp. Der fand, dass früher alles besser war und er regte sich richtig auf. Zum Beispiel über vegetarische Tierschützer, die den Tieren das Futter wegfressen. "Und warum gehen Kinder heute nicht mehr in den Wald? Weil kein W-Lan drin ist." Und er erklärte den Unterschied zwischen Bachelor und Bätschler und was denn "ein Christbaum aus Bodenhaltung" genau ist.

Vor dem großen Finale rockte nochmal die Showtanzgruppe mit dem "Tanz der Vampire" die Bühne. Eine große Ehre wurde zudem Daniela Heinlein und Thomas Lang zuteil: Sie haben den Sessionsorden des Fastnachtverbandes Franken erhalten.

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