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Kronach
Wasserversorgung

Nach Großalarm und Lecks: Umweltminister Glauber inspiziert die Ködeltalsperre

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber verschaffte sich persönlich in Mauthaus einen Überblick über die Bauarbeiten am Stausee.
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Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber ließ die Einsatzkräfte in Mauthaus - trotz Schmuddelwetters - nicht im Regen stehen und stattete der Ködeltalsperre einen Besuch ab.  Fotos: Sandra Hackenberg
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber ließ die Einsatzkräfte in Mauthaus - trotz Schmuddelwetters - nicht im Regen stehen und stattete der Ködeltalsperre einen Besuch ab. Fotos: Sandra Hackenberg
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Sie haben etwas von einer Bypass-Operation am offenen Herzen, die Bauarbeiten an der Ködeltalsperre. Doch in Mauthaus geht es nicht um die Blutversorgung im menschlichen Körper, sondern um Leitungen, die 400.000 Haushalte mit Trinkwasser versorgen. Die Chirurgen, das sind die Einsatzkräfte des THW, die seit drei Wochen Tag und Nacht vor Ort operieren.

Hinter den Kulissen tüfteln die Verantwortlichen genauso eifrig an Lösungen, um die Wasserversorgung nach dem leckgeschlagenen Transportrohr zu gewährleisten.

Für Bayerns Umweltminister und gebürtigen Oberfranken Thorsten Glauber war es darum selbstverständlich, sich persönlich einen Eindruck über die Lage zu verschaffen.

Der 49-Jährige zeigte sich bei seinem ersten Besuch beeindruckt von dem massiven Bauwerk und nutzte die Gelegenheit, den Stollen im Damm sowie den Entnahmeturm im Stausee aus nächster Nähe zu besichtigen - "eine Ehre, die, glaube ich, nicht jedem zu Teil wird."

Das alleine war jedoch nicht der Anlass für Glaubers Besuch: Im Gepäck hatte er an diesem verregneten Montag vor allem jede Menge Dank und Wertschätzung für die Beteiligten: die Fernwasserversorgung Oberfranken, das Kronacher Wasserwirtschaftsamt, das Landesamt für Umwelt in Hof - und vor allem die gut ein Dutzend THW-Ortsverbände, die "im 24-Stunden-Betrieb arbeiten".

Kursierende Geistermeldungen zur Sicherheit zügig entkräftet

Nicht nur, dass direkt nach Bekanntwerden der Lecks kursierende Geistermeldungen bezüglich der Sicherheit zügig entkräftet worden seien. Der Umweltminister wies noch einmal darauf hin, dass es sich bei den Einsatzkräften ausschließlich um Ehrenamtliche handelt, die ihre Freizeit opfern oder von ihren Arbeitgebern temporär freigestellt werden: "Man kann das gar nicht hoch genug anrechnen, auch das Verständnis der Familien und Arbeitgeber." Nur so hätte in kürzester Zeit eine funktionierende Versorgungsleitung mit Schläuchen hergestellt werden können.

Der eigentliche "Bypass" kommt aber erst noch: Wie der Leiter des Kronacher Wasserwirtschaftsamts Hans Hemmerlein erläuterte, ist am Montag bereits die Seilwinde durch das defekte Versorgungsrohr verlegt worden. "Der nächste Schritt ist nun, denn Inliner zu setzen."

Wie berichtet, handelt es sich dabei um einen Schlauch aus einem speziellen Kunststoff für den Tiefbau, der mit der Seilwinde durch das Rohr gezogen und über ein Verbindungsstück, der sogenannten Flansch, mit dem Endstück des Rohres im Entnahmeturm verbunden wird.

Anschließend wird der Inliner aufgeblasen und das Wasser kann wieder fließen. "Es wird vermutlich noch ein bis zwei Wochen dauern, bis der Inliner in Betrieb genommen werden kann", prognostiziert Hemmerlein, denn zunächst ständen umfangreiche Testläufe an. Parallel sollen die Stahlrohre über dem Staudamm verlegt werden, um doppelte Sicherheit zu haben, falls das zweite Versorgungsrohr auch lecken sollte.

Keine Baufehler gefunden

Unterdessen gehen die Untersuchungen, wie es plötzlich gleich zu mehreren undichten Stellen in einem der Rohre kommen konnte, weiter. "Die Ursachenforschung läuft noch. Daran sind auch Experten vom Umweltministerium in München beteiligt", berichtet Hemmerlein. "Ein paar mutige Leute werden auch mit Stirnlampen in die Rohre rein gehen und alles absuchen."

Doch, wie auch der Umweltminister betonte, wird es eine Zeit dauern, der Ursache auf den Grund zu gehen. "Bisher konnten keinerlei Baufehler festgestellt werden", erläuterte der Wasserexperte des Umweltministeriums Martin Grambow.

Im Zuge der Sanierung sollen auch in die Jahre gekommene Teile sukzessive ausgetauscht werden - ein Prozess, der sich über zwei Jahre hinziehen kann. "Es geht um ein System, das zigtausende Menschen mit Wasser versorgt - da hört man nicht auf dem halben Weg auf", so der Umweltminister. Die finanziellen Mittel für die kostspielige Verjüngungskur der Ködeltalsperre hat das Ministerium praktisch sofort zugesichert.

Der Leiter des Kronacher Wirtschaftsamtes hatte Grabow - seinen Vorgesetzten im Umweltministerium - über die Lecks informiert, während der am Chiemsee war. "Ich wusste: Wenn Herr Hemmerlein mich anruft, muss es was Ernstes sein", erinnert sich Grabow und kann inzwischen über diese Anekdote am Rand schmunzeln - dank der Chirurgen vor Ort.

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