Kronach
Jahresrückblick IV

Nach 20 Jahren fällt der Vorhang für Daniel Leistner

Die Stadt Kronach trennt sich im Spätsommer vom Leiter der Faust-Festspiele, Daniel Leistner. Die Neuausrichtung sieht mehrere Veränderungen vor.
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Musicalstar Uli Scherbel (Mitte) brachte frischen Wind und lockte viele Zuschauer an. Dies alleine rettete jedoch nicht Festspielleiter Daniel Leistner (rechts), der seinen Hut nehmen musste. Seine Nachfolgerin im künstlerischen Bereich ist Heidemarie Wellmann (links). Foto: Archiv
Musicalstar Uli Scherbel (Mitte) brachte frischen Wind und lockte viele Zuschauer an. Dies alleine rettete jedoch nicht Festspielleiter Daniel Leistner (rechts), der seinen Hut nehmen musste. Seine Nachfolgerin im künstlerischen Bereich ist Heidemarie Wellmann (links). Foto: Archiv
Nach der Galapremiere zum Stück "Der zerbrochene Krug" im Juli scheint die Welt der Faust-Festspiele noch in Ordnung zu sein. Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein findet zu dem Zeitpunkt nur lobende Worte ("Unsere Festspiele sind einfach klasse") - und auch Tourismus-Chefin Kerstin Löw stimmt in den Lobgesang mit ein. Doch knapp drei Monate später hat sich das Blatt vollkommen gewendet. Ein neues Konzept wird vorgestellt, der Name in Rosenberg-Festspiele geändert - und der Vertrag mit dem Intendanten Daniel Leistner, der die Faust-Festspiele vor 20 Jahren mit ins Leben gerufen hatte, nicht verlängert.

Leistner wird vorgeworfen, für Neues nicht offen zu sein. Während der bisherige Intendant die Zukunft der Faust-Festspiele als Volkstheater sieht, streben die Verantwortlichen der Stadt Kronach eine professionellere Ausrichtung an.
Am Ende sind es nur zwei Stadträte, die die Zukunft der Faust-Festspiele in den Händen Leistners sehen. Die überwiegende Mehrheit ist dagegen, so dass der Vorhang für Leistner bei den Faust-Festspielen fällt.


Es rumort hinter den Kulissen

Dass es hinter den Kulissen schon längere Zeit rumort hat, ist nicht wirklich ein Geheimnis. Vor allem das Verhältnis von Daniel Leistner zur Tourismusleiterin Kerstin Löw soll mehr als angespannt gewesen sein - zu unterschiedlich sind die Auffassungen der beiden. Als im März 2013 der Stadtrat wegen rückgängiger Besucherzahlen von 16 000 auf zwischenzeitlich 10 000 eine Neuausrichtung unter Einbeziehung eines beratenden Kuratoriums beschließt, scheint Ruhe einzukehren - allerdings nur nach außen. Zwar können die Besucherzahlen wieder etwas - auf teilweise 12 800 - gesteigert werden, doch hinter den Kulissen gibt es immer wieder Diskussionen um die Faust-Festspiele. Mit der Verpflichtung von Musical-Star Uli Scherbel als neuen Mephisto für die Saison 2015 gelingt ein großer Coup. Und tatsächlich wollen wieder mehr Besucher Faust sehen.

Dennoch sind die Verantwortlichen mit der Besucherzahl von über 12 000 nicht zufrieden. Später wird es heißen, dass die Besucherzahlen nicht der Hauptgrund für die Trennung von Leistner sind. Vielmehr sollen die Vorstellungen über die Zukunft der Festspiele weit auseinander liegen. Und so kommt es letztlich zur Trennung, die sich schon vorher abgezeichnet hatte. War in all den Jahren eine Bilanz mit Leistner über die jeweilige Saison kein Problem, schiebt die Stadt 2015 einen Riegel mit dem Vermerk vor, sie wolle bei einem Pressegespräch dabei sein. Als dieses abgesagt wird, fangen bereits Spekulationen an, die mit einer Stadtratssitzung am 28. September beendet werden.


Keine Intendanz mehr

Mit der Trennung von Leistner beginnt die Neuausrichtung, die keine Intendanz mehr vorsieht. Vielmehr gibt es nun eine kaufmännische und eine künstlerische Leitung. Während fürs Kaufmännische Tourismuschefin Kerstin Löw verantwortlich zeichnet, übernimmt den künstlerischen Part Heidemarie Wellmann, die seit vielen Jahren an der Seite von Daniel Leistner auf der Bühne stand und zuletzt auch Regie führte.

Die Stadt erklärt, Stück für Stück an den Stellschrauben drehen und nicht alles komplett über den Haufen werfen zu wollen. Eine gravierende Änderung wird dennoch in Bezug auf den Namen vollzogen. So werden die Faust-Festspiele quasi zu Grabe getragen und durch die Rosenberg-Festspiele ersetzt. Diese Entscheidung bleibt nicht ohne Kritik. Während einige befürchten, in Bezug aufs Marketing komplett bei null beginnen zu müssen, sehen andere die Chance für einen vollständigen Neustart auch hinsichtlich des Markenauftrittes.

Was die Konzeption betrifft, so sollen die bisherigen Familienvorstellungen ausgebaut werden. Demnach ist mit dem Stück "Die kleine Hexe" sogar ein Kinderstück geplant. Neben Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" soll als Klassiker "Der Widerspenstigen Zähmung" von Shakespeare gespielt werden. Während für das Kinderstück ein Gastregisseur engagiert werden soll, übernimmt für die beiden letztgenannten Stücke Heidemarie Wellmann die Regie. Das Budget von rund 300 000 Euro will die Stadt Kronach weitestgehend beibehalten, was jedoch von vielen Beobachtern als ein sportliches Ziel eingeschätzt wird.

Kerstin Löw wünscht sich indes, dass Kronach in der Liste der deutschen Festspielorte zu finden und in der Freilichtszene besser vernetzt sein wird. Und Daniel Leistner? Der ist mit den Shakespeare-Spielen in Ludwigsstadt weiter erfolgreich.
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