Kronach
Konzert

Musikalische Sternstunde

Beim zweiten Konzert der VHS-Musikring-Saison schlugen die Sopranistin Monika Teepe und Uta Walther am Klavier eine Brücke zwischen Orient und Okzident.
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Von links: Uta Walther (Klavier) und Monika Teepe (Sopran) "verführten" mit Liebesliedern und Liebenslyrik aus Ost und West.Heike Schülein
Von links: Uta Walther (Klavier) und Monika Teepe (Sopran) "verführten" mit Liebesliedern und Liebenslyrik aus Ost und West.Heike Schülein
Es gibt sie immer mal wieder: Jene Liederabende, nach denen man sich die Frage stellt, warum sie angesichts solcher traumhaft schöner musikalischer Literatur zu den Raritäten im Konzertangebot zählen. Natürlich bedarf es schon besonderer stimmlicher wie interpretatorischer Fähigkeiten, um Vertonungen solcher grandioser Tonschöpfer wie Franz Schubert, Robert Schumann und Johannes Brahms, von Hugo Wolf und Gustav Mahler oder auch Richard Strauss, Karol Szymanowski und Ottmar Schoeck gerecht zu werden.
Was für herrliche Erlebnismöglichkeiten es aber gibt, wenn sich Worte und Töne zu schönster Zweisamkeit verbinden. Das bewiesen am Samstagabend im Kreiskulturraum die beiden zauberhaften Künstlerinnen Monika Teepe mit ihrer wunderbaren Sopran-Stimme und ihre kongeniale Partnerin am Klavier, Uta Walther. Unter dem Titel "Verführung! Liebeslieder aus Ost und West" erklang ein Programm, das auf hohem musikalischem Niveau angesiedelt war und dabei zugleich die ausgeprägten Verbindungen zwischen den abendländischen und morgenländischen Kulturen musikalisch in Szene setzte.
Ein Thema, das beiden Künstlerinnen spürbar am Herzen liegt - gerade in einer Zeit, in der Diskussionen um Terrorismus und Flüchtlinge den Alltag beherrschen und die Jahrhunderte alten Querverbindungen in den Hintergrund geraten lässt. Dabei seien - so Monika Teepe - viele Erfindungen der muslimischen Welt fest in unserem Alltag integriert. Man nehme nur den Kaffee, der einst von Afrika seinen Weg nach Europa fand. So wertvoll ein solcher Energiekick gegen aufkommende Erschöpfungs- oder Ermüdungserscheinungen auch sein mag, das Publikum der musikalischen Sternstunde am Samstagabend hatte diesen nun wahrlich nicht nötig.

Herrlicher Dialog von Sopran und Klavier
Zwei Stunden lang konnten sich die leider nicht sehr zahlreichen Gäste an einer klanglich in allen Farben schillernden Reise durch alle Emotionen der Liebe erfreuen: Liebesglück und Liebesleid, lodernde Sehnsucht, glühendes Verlangen und erfüllte Liebe - Vertonungen von Romantik bis klassischer Moderne. Monika Teepe, die eine besondere Affinität für Kammermusik wie auch Lied hat und dabei über ein Repertoire von etwa 2000 Liedern von der Oper bis zur Moderne verfügt, konzentriert sich dabei auf das Wesentliche: Die Musik. Schon die ersten Töne von "Suleikas erstem Gesang" lassen einem die Gänsehaut auflaufen, umfluten einen mit klanggewordener Schönheit: Gefühl im Überfluss, gepaart mit einer tollen Ausstrahlung und großer Bühnenpräsenz - und diese geschmeidige Stimme!
Da schwellen Töne an und erobern sich wie ein brodelnder und schließlich ausbrechender Vulkan den ganzen Kreiskulturraum, in den Höhen ästhetisch rein und in den Tiefen voller Sinnlichkeit und Leidenschaft! Ihr Pendant am Klavier: Uta Walther, die als Solistin, Kammermusikerin und Liedbegleiterin in vielen Ländern Europas konzertiert, präsentierte sich als strahlend selbstbewusste Pianistin. Stets auf Augenhöhe, veredelte sie mit ihrem präzisen Spiel Teepes Gesang. Mit feinem Gespür schuf sie den klanglichen Grund, auf dem sich der Sopran herrlich entfalten konnte. Dabei war sie eine überaus wache, rhythmisch präzise und absolut gleichwertige Partnerin am Klavier, mit der der vielschichtige Dialog nie in Stocken geriet. Beide haben offensichtlich selber große Freude am Zusammenspiel, das ein Höchstmaß an musikalischer Vertrautheit offenbarte.

Diese Vertrautheit zeigte sich aber nicht "nur" beim gemeinsamen Musikzieren. So lasen und rezitieren die beiden Künstlerinnen - ebenfalls in guter Gemeinsamkeit - zwischen den sehr sorgsam und harmonisch zusammengestellten Werken thematisch verbundene Texte von Poeten wie Johann Wolfgang von Goethe, William Shakespeare, Friedrich Rückert als auch Marianne Willemer, Hafis, Ovid, Elsa von Kamphoevener, James Joyce - sowie schließlich aus dem Koran und der Bibel. Welch wunderbare Symbiose von Musik und Liebeslyrik, welch einzigartiges, tiefgreifendes Erlebnis! Die hochkarätige künstlerische Leistung begeisterte das Publikum vom Anfang bis zum Ende. So gab es langanhaltendem Beifall für den in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Abend, der zudem eine wichtige Botschaft trug und ein klares Zeichen setzte - in der heutigen Zeit wichtiger denn je!
Im Anschluss waren die Besucher, die eingangs von Rainer Kober begrüßt worden waren, zum gemeinsamen Künstlerschoppen eingeladen.

Zum Klingen kamen: Franz Schubert (1797-1828): Suleikas erster Gesang "Was bedeutet die Bewegung" (Willemer), Robert Schumann (1810-1856): Suleika "Wie mit innigstem Behagen" (Willemer), Gustav Mahler (1860-1911): Liebst du um Schönheit (Rückert), Robert Schumann: Mein schöner Stern (Rückert), Aus den östlichen Rosen (Rückert), Johannes Brahms (1833-1897): Botschaft (Daumer), So steh´n wir, ich und meine Weide (Daumer), Wenn du nur zuweilen lächelst (Daumer), Sulima (Tieck), Hugo Wolf (1860-1903): Hatem: Nicht Gelegenheit macht Diebe (Goethe), Suleika: Hoch beglückt (Goethe), Hugo Wolf: Suleika: Als ich auf dem Euphrat schiffte (Goethe), Hatem: Dies zu deuten (Goethe), Karol Szymanowski (1882-1937): Die brennenden Tulpen (Hafis), Clara Schumann (1819-1896): Er ist gekommen (Rückert), Othmar Schoeck (1886-1957): Wie stimmst du mich zur Andacht (Hafis), Franz Schubert: Dass sie hier gewesen (Rückert), Karol Szymanowski: Der verliebte Ostwind (Hafis), Othmar Schoeck: Ich roch der Liebe himmlisches Arom´ (Hafis), Gustav Mahler: Ich atmet einen linden Duft (Rückert), Richard Strauss (1864-1949): Die sieben Siegel (Rückert), Morgen! (Mackay)
Mehr:
Weitere Konzerte der diesjährigen vhs-Saison: Sonntag, 28. Januar 2018, 11:00 Uhr: "Von Klassik bis Tango” - Werke von Beethoven, Bruch und Piazzolla mit dem Wupper-Trio: Sayaka Schmuck (Klarinette), Barbara Buntrock (Violine und Viola), Andreas Hering (Klavier), Samstag, 3. März 2018, 19:30 Uhr: "Fantasie” - Musik für Oboe und Streicher von Britten, Mozart u. a. mit Akademisten der Bamberger Symphoniker: Michael Hertel (Oboe), Anne Rothaupt (Violine), Manuel Dörsch (Viola), Lea Tessmann (Violoncello). Beide Konzerte finden im Kreiskulturraum Kronach statt.
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