Kronach
Kammermusik

Musikalische Hommage auf Max Baumann

Das Trio Boettcher bereitet seinem Freund und Kollegen Max Baumann ein musikalisch leidenschaftliches Andenken in der ehemaligen Kronacher Synagoge.
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Von links: Marianne Boettcher, Ursula Trede-Boettcher und Wolfgang BoettcherNicole-Julien-MNann
Von links: Marianne Boettcher, Ursula Trede-Boettcher und Wolfgang BoettcherNicole-Julien-MNann
Das kulturelle Wochenende in Kronach stand ganz im Zeichen des Komponisten Max Baumann aus Kronach, der am gestrigen Montag 100 Jahre alt geworden wäre. Der Abend in der ehemaligen Synagoge gab einen Einblick in das kammermusikalische Schaffen Baumanns. Er zählt zu den der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten in Deutschland. 1999 starb er mit 82 Jahren. Wir haben das Glück, dass es immer noch Weggefährten gibt, die ihn persönlich kannten, wie das Trio Boettcher. Ander heutigen Universität der Künste (UdK) lehrte Max Baumann, die Geschwister studierten und lehrten dort: Wolfgang das Instrument Cello, Ursula Klavier und Marianne die Violine. Alle drei haben sie bedeutende Karrieren hingelegt. Wolfgang Boettcher spielte bei den Berliner Phiharmonikern und war Gründungsmitglied der legendären "12 Cellisten". Marianne Boettcher unterrichtet heute noch eine Geigenklasse an der UdK und geht einer internationalen Konzertätigkeit nach, demnächst führt ihr Weg sie wieder nach Japan.

Zum Kammermusikabend nahmen die Geschwister Boettcher erst einmal Anlauf und zwar mit dem Gassenhauser-Trio von Ludwig van Beethoven. Wie kein anderer in seiner Epoche steht er für musikalische Wucht und Temperament, im Vergleich zu den nachfolgenden Werken von Max Baumann aber erschien er nahezu zahm. Baumann, das ist Musik für das Hier und Jetzt. Da schleichen sich keine eingängigen Melodien beiläufig ins Ohr.
Nein, diese Musik ist fesselnd und entführt das aufmerksame Publikum zu einer spannenden Expedition. Mit scheinbar altbekannten Motiven, wie etwa im Tambourin-Satz der Sonatine für Violine und Klavier op. 13 winkt er den Zuhörer heran, um ihn in der nächsten Kurve mit ungewohnten Klangbildern zu überraschen und ihn neugierig auf die weite Landschaft der modernen Musik zu machen.

Aus den "Drei Radierungen, op. 58" spielen Marianne Boettcher an der Violine und Ursula Trede-Boettcher am Klavier. Die "Hommage à Jean Francaix" klingt impressionistisch liedhaft, während die "Hommage à Boris Blacher" expressionistische Züge bis ins Attonale trägt. So hingerissen ist das Publikum von der leidenschaftlichen Performance der Schwestern, dass die beinahe vergessen, ihr drittes Stück in der Reihe zu spielen.
Dabei sei die Sonatine ihr Lieblingsstück, sagte Marianne Boettcher, ein Baumann"scher Kalauer, den er immer wieder auch für Laienorchester und Zupforchester verwendet habe. Nach dem originellen leichten Prélude folgt das somnambule beruhigende Nocturne. Im dritten Satz entspinnt sich fesselndes Jahrmarkttreiben - kaum zu glauben, dass das namengebende "Tambourin" gar nicht angeschlagen wurde!
Nach einer kurzen Pause gehört der Raum dem Cello von Wolfgang Boettcher. Er spielt es mit einer Körperlichkeit, die ihn mit seinem Instrument verschmelzen lassen. Baumann komponierte die Sonate für Violoncello und Klavier op. 8 im Jahr 1947 mit Sicherheit noch unter dem Eindruck des zweiten Weltkriegs, den er zwar verletzt, aber dennoch glücklich überlebt hatte. "Kräftig bewegt" bezeichnet er den ersten Satz, eine Phantasie, in der die Melodie immer wieder in einem Abgrund verschwindet und dann doch unversehens wieder auftaucht. Im zweiten langsamen Satz führt das Pizzicato des Cellos einen Dialog mit dem Klavier und das "marschmässige" Finale gerät nicht zu einem gemütlichen Lauf, so energisch treibt die Musik vorwärts.
Das Stück raubt nicht nur dem Cellisten den Atem. Zum Abschluss erklingen der Sommer und der Winter aus Astor Piazollas vier Jahreszeiten. Hier legen die Geschwister Boettcher noch einmal ihren ganzen leidenschaftlichen Schmelz in den Tango. Mit einer Zugabe von Luise Adolpha Le Beau als Zugabe verabschiedet sich das Trio Boettcher. Wehmut kommt auf - an dem Abend hat nur einer gefehlt. Und das war Max Baumann persönlich.

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