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Abfallwirtschaft

Müll im Kreis Kronach: "Es gibt nichts, was nicht in den Tonnen drin ist"

Alle vier Wochen wird die Grüne Tonne geleert. Ein Müllwerker erzählt, warum sein Beruf so anspruchsvoll ist und wie die Anwohner die Arbeit erleichtern können.
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Um eine Papiertonne zu leeren, braucht Benjamin Beilein nur zehn Sekunden. Dafür müssen die Tonnen mit den Griffen in Richtung Straße stehen. Foto: Cindy Dötschel
Um eine Papiertonne zu leeren, braucht Benjamin Beilein nur zehn Sekunden. Dafür müssen die Tonnen mit den Griffen in Richtung Straße stehen. Foto: Cindy Dötschel

Das Müllauto hält. Benjamin Beilein springt vom Tritt des Wagens und eilt zu der Grünen Tonne am Straßenrand. Wenige Augenblicke später ist diese geleert und steht wieder an ihrem Platz. Fahrer Danny Hammerschmidt beobachtet den Vorgang im Rückspiegel; als sein Kollege wieder auf dem Tritt steht, fährt er los und hält wenige Meter später erneut. Um eine Tonne zu leeren braucht Beilein im Durchschnitt zehn Sekunden.

Insgesamt befinden sich an der Kabine des Wagens sechs Spiegel. "Man muss alles im Blick haben - den Kipper, den Verkehr und die Fußgänger und Radfahrer", berichtet Hammerschmidt aus seinem Alltag. In der Stadt sei noch mehr Vorsicht geboten als auf dem Land. "Dafür müssen wir im Winter, wenn Schnee liegt, vor allem für die Touren in den Bergdörfern Schneeketten aufziehen - dieses Jahr ist der Winter ja aber ausgeblieben", scherzt der 42-Jährige. Teilweise würden die Tonnen dann auch hinter den Schneebergen am Straßenrand stehen, der Kipper brauche infolge wesentlich länger, um diese zu leeren.

Viel Papiermüll nach Weihnachten

Die Papiertonnen im Kronacher Landkreis werden im Abstand von vier Wochen geleert. "Meist sind auch die gleichen Leute auf dem Auto, einer fährt und einer räumt - oder versucht es zumindest", sagt Hammerschmidt und schmunzelt. Oft werde der Papiermüll so in die Tonnen gestopft, dass diese nach dem Leeren noch bis zur Hälfte mit Papier gefüllt sind. Außerdem befinden sich häufig Gegenstände in der Grünen Tonne, die eigentlich anderweitig entsorgt werden müssten, wie beispielsweise Essensreste, Holz oder Glasflaschen. "Es gibt eigentlich nichts, was nicht in den Tonnen drin ist." Doch die Müllwerker kennen "ihre Spezialisten" und wissen, in welche Tonnen sie einen genauen Blick werfen müssen. "Die Sachen, die nicht in die Tonnen dürfen liegen in der Regel nicht oben."

Für ihre täglichen Touren brauchen Hammerschmidt und Beilein durchschnittlich acht bis neun Stunden. "Wenn alle Leute die Tonnen mit den Griffen in Richtung Straße stellen, kommen wir am schnellsten voran", berichtet Hammerschmidt. Was noch mehr Zeit kostet, sind Autos, die so geparkt wurden, dass das Müllauto nicht durch die Straße fahren kann. Wenn der Container, in den zehn Tonnen Papiermüll passen, voll ist, wird dieser nach Blumenrod gefahren. "Es gibt auch Tagestouren, für die ein Container ausreicht."

Während um Weihnachten besonders viel Papiermüll anfällt, wird in der Ferienzeit wesentlich weniger weggeschmissen. "Man merkt, dass die Leute im Urlaub sind", sagt Hammerschmidt, der bereits seit neun Jahren bei der Firma Simon angestellt ist. "Gerade die älteren Leute auf den Dörfern sind sehr dankbar, dass der Müll geholt wird." Mittlerweile ist das Müllauto am Ende der Siedlung angekommen. Beilein steigt wieder in die Fahrerkabine. Die Fahrt geht weiter, zurück auf die Hauptstraße und dann ins nächste Wohngebiet.

Die illegale Entsorgung von Müll ist kein Kavaliersdelikt

Sie befinden sich an Waldrändern oder neben Feldwegen. "Die Leute machen sich nicht die Mühe, wilde Müllablagerungen zu verstecken", weiß Nicole Müller, die beim Landratsamt Kronach für das staatliche Abfallrecht zuständig ist. Betroffen seien vor allem Stellen, die gut zugänglich und wenig befahren sind. Neben alten Möbeln und Elektrogeräten werden unter anderem Büromaterialien, Hausmüll, Textilien oder Bauschutt in freier Wildbahn entsorgt. "Der Großteil der gemeldeten wilden Müllablagerungen befindet sich im südlichen Landkreis."

Müller kann nicht nachvollziehen, warum die Leute ihren Müll illegal entsorgen. "Im Wertstoffhof kann vieles ohne oder gegen geringe Gebühren abgegeben werden. Außerdem kann jeder Haushalt zweimal im Jahr kostenlos den Sperrmüll bestellen", klärt die 26-Jährige auf. Einmal wurde eine im Wald vergrabene Waschmaschine gefunden. "Der Aufwand, diese am Wertstoffhof abzuliefern, wäre viel geringer und auch kostenlos gewesen."

Wenn die jeweilige Kommune oder die Grundstückseigentümer, die die illegale Müllablagerung gemeldet haben, diese nicht selbst beseitigen, kümmert sich das Landratsamt darum. "Wir beauftragen den Diakonie-Gebrauchtwarenmarkt mit der Entfernung. Die Kosten, die dabei entstehen, werden durch die Abfallgebühren finanziert."

Geldbußen bis zu 100 000 Euro

Die Höhe der Kosten für die Entsorgung hängt zum einen davon ab, um welche Art Abfälle es sich handelt. Zum anderen ist es entscheidend, ob der Müll bei einem der örtlichen Wertstoffhofe entsorgt werden kann oder aber auf eine Deponie oder in eine Müllverbrennungsanlage gebracht werden muss. "Jährlich fallen für den Landkreis Kosten zwischen 1000 und 2000 Euro an", sagt Müller. Der Entsorger des Mülls wird außerdem bei der Polizei angezeigt, er muss mit einem Bußgeld in der Höhe von bis zu 100 000 Euro rechnen. "Die Höhe der Geldbuße richtet sich nach der Art und der Menge der Abfälle", berichtet Müller.

Wer gefährliche Abfälle, wie zum Beispiel asbesthaltige Eternitplatten entsorgt, begeht eine Straftat, die mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet wird. "Wenn der Verursacher der Müllablagerung ausfindig gemacht wird, ist er verpflichtet, seine Abfälle zu beseitigen", schildert Müller das Vorgehen. Im Fall, dass der Müll bereits vom Landkreis entsorgt wurde, müssen die dabei entstandenen Kosten zusätzlich übernommen werden. "Die Gebühren, die der Wertstoffhof zum Beispiel für die Annahme von Bauschutt erhebt, sind im Vergleich dazu wesentlich niedriger."