Wallenfels
Pflege

Modellprojekt in Wallenfels: Sprechstunde digital

Arztbesuch per Videokonferenz - das ist ab sofort im Landkreis Kronach möglich. Wallenfels macht den Anfang. Im Pflege- und Altenheim St. Elisabeth kommt jetzt sogenannte Telemedizin zum Einsatz.
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Fabiola Maier und Björn Müller vom Pflegeheim St. Elisabeth demonstrieren Ministerin Huml, dem Wunsiedeler Landrat Karl Döhler und Jens Korn die Videosprechstunde.  Foto: A. Deuerling
Fabiola Maier und Björn Müller vom Pflegeheim St. Elisabeth demonstrieren Ministerin Huml, dem Wunsiedeler Landrat Karl Döhler und Jens Korn die Videosprechstunde. Foto: A. Deuerling

Herr Müller ist gestürzt. Wahrscheinlich in der Nacht auf dem Weg ins Badezimmer in seinem Zimmer im Pflegeheim. Am nächsten Morgen ziert ein dunkles Hämatom seine Schläfe. Pflegerin Fabiola Maier sorgt sich um den Zustand ihres Patienten. Sie greift zum Tablet. Nach kurzem Klingeln nimmt die Sprechstundenhilfe den Videoanruf entgegen. Die Kollegin, die rund 20 Kilometer weiter in der Praxis in Nordhalben sitzt, holt Hausarzt Ondreij Vorisek vor den Bildschirm. Mit wenigen Klicks hat er alle relevanten Informationen auf dem Gerät, kann Herrn Müller über die Kamera in Augenschein nehmen und entscheiden: Krankenhaus - röntgen.

Diese in Wallenfels demonstrierte Situation ist zwar fiktiv, dennoch alltäglich. Denn Hausärzte betreuen Patienten in allen Lagen - also auch die, die nicht mehr zu Hause leben. Gerade zwischen Hausärzten und dem Fachpersonal in Pflegeeinrichtungen herrscht großer Abstimmungsbedarf. Was bisher über Formulare, Faxe, Telefonate und Hausbesuche geregelt wurde, läuft nun teils digital. Mit der Onlinesprechstunde ist Wallenfels gemeinsam mit dem Landkreis Wunsiedel bundesweiter Vorreiter. Neben den beiden dortigen Einrichtungen soll die digitale Lösung bei weiteren Partnern in Oberfranken installiert werden.

Die räumliche Distanz - in unserem Beispiel zwischen Wallenfels und Nordhalben - kann nun durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologie überwunden werden. Zudem kann der behandelnde Arzt digital auf die Pflege- und Patientendaten zugreifen. Diese Möglichkeiten der Telemedizin entspringen dem Projekt "Gesundheitsversorgung 4.0", das gestern von Staatsministerin Melanie Huml, zugleich Vorsitzende von "Oberfranken Offensiv", und allen Projektverantwortlichen und -beteiligten vorgestellt wurde.

Digitalisierung und Demografie

"Die digitale Revolution trifft auf den demografischen Wandel", erklärt Huml den Grundgedanken. Alltag, Arbeitswelt und Wirtschaft werden sich verändern. Nun sei es Aufgabe der Verantwortlichen, die Chancen zu nutzen. Dies habe man bereits vor drei Jahren in Angriff genommen, als man den Wettbewerb "Gesellschaft 4.0: Digitales Land - Digitale Kommune" ins Leben gerufen hat. Das gemeinsame Telemedizin-Projekt von Wallenfels und Wunsiedel wurde damals zur Realisierung ausgewählt. "Wir haben etwas erreicht - aber das ist nicht allein unser Verdienst", freut sich der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn. Sein großer Dank gilt, neben Ministerin Huml, Cornelia Thron für den Caritasverband Kronach, Eva-Maria Müller für den Verein "e2-health" und Projektmanager Matthias Fischer, die das Projekt maßgeblich auf die Beine gestellt haben.

Letzterer übernahm mit Michael Albert und Christoph Günter vom Unternehmen "Awesome Technologies" die Vorstellung der Technik. Im Detail zeigten sie, wie das Personal in der neuen Anwendung auf Basis der digitalen Pflegeakte eine Nachricht über den Gesundheitszustand erstellen und verschlüsselt an den Arzt übermitteln kann. Dieser bekommt eine Nachricht - sobald er sie gelesen hat, erhält der Pfleger ein entsprechendes Signal.

Die Dringlichkeit der Meldung kennzeichnet ein Farbsystem. Der Hausarzt kann priorisieren und die Abarbeitung in seinen Praxisablauf integrieren. Wie er weiter verfährt, steht ihm offen: Er kann direkt über das System antworten, Anweisungen und Nachfragen übermitteln, ein Gespräch mittels Videoanruf suchen oder sich für den Hausbesuch entscheiden.

Die 13 mitwirkenden Mediziner, davon drei Hausärzte im Landkreis Kronach, versprechen sich Erleichterung im Alltag. Zeitersparnis und Informationsgewinn seien die zentralen Errungenschaften, fasst Fischer zusammen. Auch der Patient soll von der neuen Technologie profitieren. Huml: "Der persönliche und unmittelbare Kontakt zwischen Arzt und Patienten ist und bleibt auch in Zukunft unverzichtbar." Egal, wie viele Kilometer zwischen Herrn Müller und seinem Hausarzt liegen.

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