Mitwitz
Jubiläum

Mitwitz: Ein besonderes Jubiläum des Diakonievereins - 100 + 10

Der Diakonieverein feiert 100+ 10 Jahre. In Mitwitz fand ein Gottestdienst statt, der auch zum Nachdenken anregen sollte.
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Die elfjährige Luna Häusinger bastelt ein Herz. Mit im Bild Sabine Zimmerlein (links). Foto: Maria Löffler
Die elfjährige Luna Häusinger bastelt ein Herz. Mit im Bild Sabine Zimmerlein (links). Foto: Maria Löffler

Der evangelische Diakonieverein in Mitwitz feierte Jubiläum. 100+10 Jahre wurde der Verein alt und die Erklärung für diese Zahl lieferte Pfarrer Burkhard Sachs: 1909 sei der Verein von Pfarrer Hans Löhe aus der Taufe gehoben worden. Das erste schriftliche Zeugnis einer Vereinseintragung habe es 1919 gegeben, also nach dem Ersten Weltkrieg. Die Feierlichkeiten begannen mit einem Gottesdienst, an dem Pfarrer Burkhard Sachs durchaus auch kritische Worte fand.

Gottesdienst: Worte zum Nachdenken

"Welchen Wert hat der Produktionsfaktor Mensch? Ist die Tatsache, dass er funktioniert, wirklich der höchste Maßstab?", stellte er Fragen. Von der Kanzel der evangelischen Jakobskirche herab, sprach er seine Gedanken laut aus.

"Wie ernst nehmen wir die Nächstenliebe denn wirklich? Können wir es uns leisten, einen pflegebedürftigen Menschen nicht zu versorgen? Oder zählt nur noch derjenige etwas, der einen Wert einbringt für die Gesellschaft?" Diese Aussagen sorgten nicht nur für nachdenkliche, sondern auch für betroffene Gesichter unter den Kirchgängern. Am Ende mahnte der Pfarrer: "Der diakonische Geist muss unbedingt lebendig bleiben!" Und das sei die Aufgabe aller Menschen.

Fürbitten mit Nächstenliebe

Auch in den Fürbitten tauchte der diakonische Gedanke immer wieder auf: "Hilf uns, trotz der vielen Verwaltungsvorschriften die Würde des Menschen zu wahren und zu schützen." Er bat um Geduld im Umgang mit alten und gebrechlichen Menschen und dankte denjenigen, die jetzt schon einen "gesegneten Dienst" leisten würden.

Eine, die dies schon seit 42 Jahren ausübe, sei Waltraud Kathan. Der Pfarrer rechnete aus, dass sie ganze 38 Prozent der 110 Jahre für den Verein tätig gewesen sei. Sie war Zweite Vorsitzende und Schriftführerin und genau dafür wurde sie auch geehrt. "Ich habe mich mal schlau gemacht und beim Diakonischen Werk Bayern angerufen", sagte der Pfarrer. Das habe dazu geführt, dass man ihr das Goldene Kronenkreuz der Diakonie überreichen könne.

Als einen Tag von "besonderer Würde" bezeichnete Dekanin Stefanie Ott-Frühwald dieses Jubiläum. Und auch sie wurde davon zu einem Zahlenspiel animiert: "Die Zahl 100 wird im Alten Testament genau 100 Mal erwähnt. Das hat schon eine ganz besondere Bedeutung." Sie brachte das Wort "Sozialraumdiakonie" ins Spiel und meinte: "Diese Bewegung nimmt gerade wieder Fahrt auf. Nur die Leute, die auch vor Ort sind, wissen, was los ist und was gebraucht wird. Engagement braucht vor allem auch Wandlung und Veränderung."

Sinnvolle Arbeit leisten

Und egal, ob man Geld spende für Kranke und Bedürftige, oder ob man in der Pflege dieser Personengruppe tätig sei, der diakonische Gedanke sei wohl der gleiche. "Es braucht beides, um sinnvolle Arbeit leisten zu können. Und wir brauchen Sorge und Sorgfalt für ein gutes Miteinander. Kraft und Schwung muss sich immer wieder neu entfalten", sagte die Dekanin.

Bürgermeister Hans-Peter Laschka versicherte am Ende des Gottesdienstes die ideelle und auch finanzielle Unterstützung der Gemeinde. Dies sei zwar keine der Pflichtaufgaben, aber eine freiwillige Übernahme im Dienste der Gemeinschaft. Gesangliche Beiträge im Gotteshaus kamen unter anderem vom Neundorfer Gesangverein. Im Anschluss wurde der Pfarrgarten vor der Kirche zum Treffpunkt für alle.

Mitwitz: Zu besten Zeiten waren es 224 Mitglieder

Verführerische Essensdüfte verlockten zum Hinsetzen und genießen, während die Kids sich austobten auf der Hüpfburg, beim Kinderschminken und am Basteltisch. Leseratten wurden beim Mini-Bücherflohmarkt fündig.

Zu seinen besten Zeiten hatte der Verein 224 Mitglieder. Heute sind es noch knapp 100.

In der Anfangszeit waren es Neuendettelsauer Diakonie-Schwestern, die die Kranken- und Armenfürsorge in Mitwitz übernahmen. Der Diakonieverein war bis 1979 auch Träger des Evangelischen Kindergartens. 1996 wurde die Diakoniestation an das Diakonische Werk Kronach-Ludwigstadt/Michelau abgegeben. In der neueren Zeit unterstützte der Evangelische Diakonieverein die Kinder- und Altenpflege vor allem finanziell. In der Schulstraße 8 betreibt der Verein eine Begegnungsstätte, die auch eine kostenlose Leih-Bücherei beinhaltet. Dort finden regelmäßig Spiel- und Bastelnachmittage sowie Seniorencafés statt. Auch Vortragsabende werden dort angeboten.

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