Mitwitz
Cold Case

Neue Hinweise im Mitwitzer Mordfall von 2006: Männer müssen DNA-Probe abgeben

Vor gut einer Woche hat die Polizei Oberfranken den Mordfall von Mitwitz neu aufgerollt. Jetzt gibt es erste neue Hinweise. Nächste Woche müssen junge Männer zur DNA-Probe.
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Vor gut einer Woche wurde es bekanntgegeben: Die Polizei Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Coburg rollen den Mitwitzer Raubmord aus dem Jahr 2006 neu auf. Foto: Nicolas Armer/dpa
Vor gut einer Woche wurde es bekanntgegeben: Die Polizei Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Coburg rollen den Mitwitzer Raubmord aus dem Jahr 2006 neu auf. Foto: Nicolas Armer/dpa
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Vor 13 Jahren erschüttert eine Bluttat den Markt Mitwitz im oberfränkischen Kreis Kronach. Norbert Ottinger, Filialleiter eines Lebensmittelgeschäfts, wird in seinem Laden brutal getötet. Der Raubmord ist bis heute nicht geklärt.

Am 10. Mai gingen die Polizei Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Coburg vor die Presse: Über zwölf Jahre nach dem Raubmord am 61-Jährigen Besitzers eines Supermarktes in Mitwitz wird der Fall neu aufgerollt.

Polizei Oberfranken vermeldet neue Hinweise im Mord von Mitwitz

Jetzt, eine Woche später, hat die Polizei Oberfranken vermeldet, dass sie neue Hinweise erhalten habe. Diese würden nun von der Ermittlungskommission abgearbeitet, sagte eine Sprecherin am Freitag gegenüber der Deutschen Presseagentur

In der kommenden Woche wollen sich die Ermittler nach Worten der Sprecherin schriftlich an junge Männer wenden, die eine DNA-Probe abgeben sollen. Kontrolliert werden sollen Männer aus der Region, die zum Tatzeitpunkt zwischen 16 und 18 Jahre alt waren, hatten Polizei und Staatsanwaltschaft am vergangenen Freitag mitgeteilt.

Fall Ottinger: Familie sehnt Aufklärung herbei

"Ich bin heilfroh, dass die Sache nicht im Sand versickert. Das ist auch der Tenor in der ganzen Familie", stellt Jan Ottinger fest. Der Sohn des Opfers spricht von 13 harten Jahren, in denen die Angehörigen die grausamen Geschehnisse nie ganz aus ihren Alltag ausblenden konnten. Deshalb nehmen die Ottingers auch in Kauf, dass die Meldung von den neuen Ermittlungen in Mitwitz wieder Wellen schlägt. Die Ungewissheit sei die größere Belastung als das Gerede. "Nach diesen ganzen Jahren möchte man doch einmal abschließen", erklärt der Sohn. Das geht aber vermutlich erst, wenn der Täter überführt ist.

Polizei will den Fall mit modernen Methoden klären

Dazu sollen neue forensische Methoden, Befragungen, Hinweise aus der Bevölkerung und nicht zuletzt eventuell ein erneuter DNA-Test beitragen, wie der Leiter der Kriminalpolizei Coburg, Rainer Schmeußer, sowie Leitender Oberstaatsanwalt Bernhard Lieb bei einem Pressgespräch in Coburg mitteilen. 2007 wurde bereits ein groß angelegter DNA-Test durchgeführt. Dieser berücksichtigte allerdings nur Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren. Nun soll der Kreis weiter gezogen werden.

Inzwischen zieht die Polizei nämlich in Betracht, dass der Täter jünger gewesen sein könnte. "Die Cold-Case-Ermittler legen daher einen Schwerpunkt auf die Abklärung der Jugendlichen und Heranwachsenden, die heute demnach Ende zwanzig, Anfang dreißig sind", stellt Schmeußer fest.

Sollte es tatsächlich ein jugendlicher Täter gewesen sein, müsste auch ein anderer Tathergang in Erwägung gezogen werden. Dann wäre denkbar, dass nicht von Anfang an eine Tötungsabsicht vorlag. Die Situation könnte vielmehr am Tatort eskaliert sein.

In diesem Fall würde sich die Frage nach Mord oder Totschlag stellen, was sich auf das Strafmaß und die Verjährung auswirken würde. Mord verjährt nicht, Totschlag nach 20 Jahren. Parallel werden aber auch andere Ansätze weiter verfolgt. Es soll in alle Richtungen ermittelt werden. Die Hinweise aus der Bevölkerung sind deswegen laut Lieb das A und O.

Jan Ottinger ist froh, dass die Polizei auch neue Spuren verfolgt. Er macht aber klar: Gerade wenn sich ein damals Jugendlicher als Täter herauskristallisieren sollte, "war er ja wahrscheinlich aus der Region - und dann erwarte ich zu 100 Prozent eine Aufklärung".

Mitwitz: Fragen der Ermittler an die Bevölkerung

Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft richten sich mit neun Fragen an die Bevölkerung. Sachdienliche Hinweise werden unter Telefon 09561/645640 entgegengenommen.

  • Haben Sie am Tattag zwischen 19.30 und 23.50 Uhr in Mitwitz und der Umgebung Beobachtungen gemacht?
  • Haben Sie in den Abendstunden des Tattags nach Geschäftsschluss im Bereich des Einkaufsmarktes eine Person bemerkt, die auffällig schwer beladen war oder mehrere Gegenstände bei sich trug?
  • Ist Ihnen auf dem Parkplatz des Marktes oder in der näheren Umgebung in den Abendstunden ein Fahrzeug aufgefallen?
  • Können Sie sich an jemanden erinnern, der im zeitlichen Zusammenhang mit der Tat Verletzungen, insbesondere im Bereich der Hände oder im Gesicht, hatte?
  • Verfügte jemand nach der Tat über einen größeren Geldbetrag?
  • Haben Sie nach der Tat bei jemandem ein verändertes Verhalten bemerkt (zum Beispiel Persönlichkeitsveränderung, sozialer Rückzug, geänderter Lebensstil)?
  • Gibt es Personen, die sich im Zusammenhang mit der Tat psychisch auffällig verhalten oder gar Suizid begangen haben?
  • Ist Ihnen bekannt, ob sich nach der Tat jemand plötzlich oder unerwartet nicht mehr in Mitwitz oder Umgebung aufgehalten hat?
  • Wer könnte Hinweise auf den Verbleib der entwendeten Kasseneinsätze oder auf den orangefarbenen Baseballschläger geben?

 

 

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