Kronach
Urteil

Mithäftling genötigt und körperlich misshandelt

Das Amtsgericht Kronach verurteilte den geständigen Angeklagten zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft.
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Das Kronacher Amtsgericht hatte  es mit einem Angeklagten mit langem Vorstrafenregister zu tun.Archiv Marco Meißner
Das Kronacher Amtsgericht hatte es mit einem Angeklagten mit langem Vorstrafenregister zu tun.Archiv Marco Meißner
Sein Vorstrafenregister reicht von Sachbeschädigung, Beleidigung, Betrug und Urkundenfälschung bis hin zum Führen einer verbotenen Waffe und gefährlicher Körperverletzung. Ein Angeklagter aus Bamberg saß wegen einiger seiner Vergehen in der Kronacher Justizvollzugsanstalt und hat dort einen Mithäftling genötigt und körperlich misshandelt. Durch eine Haftrahmenverschiebung kam es jetzt vor dem Kronacher Amtsgericht zu einer Verurteilung von zwei Jahren und sieben Monaten Haft. Haftrahmenverschiebung deshalb, weil Daniel L. ja noch wegen anderer Straftaten rechtskräftig verurteilt sei und seine Zeit noch nicht ganz abgesessen habe.

Strafmildernd wertete Richterin Claudia Weilmünster das Geständnis des Angeklagten, der sich in vollem Umfang zu seinen Taten bekannte. Zu seinen Lasten gingen hingegen seine Vorstrafen. Weil der Beklagte auch alkohol- und drogenabhängig sei, soll er jetzt die Möglichkeit zu einer Therapie bekommen und eine Suchtberatung in Anspruch nehmen. "Das gibt ihm die Möglichkeit, noch einmal von vorne anzufangen und sein Leben in den Griff zu kriegen." Weiter gab sie Daniel L. noch mit auf den Weg, dass man Forderungen mit legalen Mitteln einzufordern habe und nicht mittels "Knastgepflogenheiten."
Immer wieder sei es zu Streitigkeiten und Handgreiflichkeiten mit Mithäftlingen gekommen, stellten Gericht und Staatsanwaltschaft gemeinsam fest. Dabei sei ein bestimmtes Gewaltmuster zu erkennen. Allerdings versicherte der Beschuldigte, dass seit seiner Verlegung in die Justizvollzugsanstalt Aschaffenburg damit Schluss sei.

Etwas nebulös waren die Umstände, die zur jüngsten Tat geführt haben sollen. So weit es vor Gericht geklärt werden konnte, war der Angeklagte der Meinung, dass sein Opfer ihm noch Geld schuldete. Angeklagter Daniel L. wollte darauf hin seiner Forderung Nachdruck verleihen und schlug seinem Mithäftling mehrmals ins Gesicht. Als dieser sich wehren wollte, trat er ihm mit dem rechten Fuß in den Bauch. Weil auch das nicht fruchtete, kam der Angeschuldigte in die Zelle seines Opfers und schlug ihm wieder mit der flachen Hand ins Gesicht. Der Geschädigte erlitt dadurch Schmerzen im Bauch und im Gesicht sowie ein blaues Auge.

"Man erwartet immer, dass ein Anwalt aufspringt und ein flammendes, überzeugendes Plädoyer hält, aber das wird heute nicht passieren. Ich stimme mit der Staatsanwaltschaft überein, mein Mandant ist schuldig." Rechtsanwalt Thomas Drehsen aus Bamberg suchte nicht nach Ausreden für seinen Mandanten und startete auch keine Erklärungsversuche. Sein Plädoyer blieb sachlich und realistisch. Und auch wenn der Angeklagte versicherte, bei seiner Tat nicht unter Drogeneinfluss gestanden zu haben, sah sein Anwalt das doch etwas anders. Gerade Methamphetamine wie Crystal Meth machten dauerhaft abhängig und man könne sie nicht so einfach absetzen, meinte er. Der Angeklagte hatte kurz vorher bestätigt, dass man auch in einem Gefängnis jederzeit an illegale Substanzen gelangen konnte. Und davon sei er schon seit Jahren abhängig. Zuletzt sei er bei etwa einem Gramm Crystal pro Tag angekommen. Konsumiert habe er auch Marihuana, Ecstasy und Heroin. Dazu Alkohol wie Bier, Wodka und Absinth in größeren Mengen, gestand er ein. Fast stolz erzählte er, dass man bei einer Alkoholkontrolle einmal einen Pegel von 3,5 Promille bei ihm festgestellt habe. Da der Angeklagte arbeitslos sei und über kein Einkommen verfüge, sprach Staatsanwältin Dominique Amend deshalb in diesem Zusammenhang auch von "Beschaffungskriminalität", die immer tiefer in den Abgrund führe.


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