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Kronach
Mobilitätsangebot

Mitfahrbänke im Landkreis?

Das Demographie-Kompetenzzentrum lud zum vierten Fachforum zum Thema Mitfahrbänke ein.
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So oder ähnlich könnte die Zukunft aussehen. Foto: privat
So oder ähnlich könnte die Zukunft aussehen. Foto: privat
Salopp gesagt sind Mitfahrbänke so etwas wie eine Variante des alten Trampens. Statt mit erhobenen Daumen am Straßenrand zu stehen, können dort vor allem ältere Menschen auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Am Mittwochvormittag gab es im Pavillon der Sparkasse Kulmbach-Kronach eine Veranstaltung des Demographie-Kompetenzzentrums Oberfranken. Es handelte sich dabei um das vierte Fachforum zum Thema "Mitfahrbänke - eine Möglichkeit, das Mobilitätsangebot vor Ort zu ergänzen" ein.

In den Gemeinden, wo der Bus in Regel nur selten fährt - oder gar nicht mehr, könnte das eine Chance sein. Mit Klappschildern neben den Bänken könnte die neue Generation der Tramper anzeigen, wo es hingehen soll. Statt in die Kreisstadt, nach Bayreuth oder Bamberg, könnte das der Supermarkt, die Arztpraxis oder eine Veranstaltung im Nachbarort sein. Das Prinzip ist simpel. Benötigt werden eine gewöhnliche stabile Sitzbank und ein Klappschild, auf den verschiedene Zielorte stehen, zu denen man innerhalb des Ortes oder auch außerhalb mitgenommen werden kann. Dann heißt es, einfach hinsetzen und waren, bis jemand anhält und einem mitnimmt.

Joachim Hansen vom Netzwerk Mobilität der Verbandsgemeinde Speicher berichtete von den Erfahrungen mit den Mitfahrbänken. Seine Frau hatte die Idee mit Kolleginnen von der Caritas entwickelt, um den spärlichen Busbetrieb in der Eifel zu ergänzen. "Es hat geklappt!". Die Bank habe sich zu einem Treffpunkt entwickelt, an dem spontan Fahrgemeinschaften entstehen. Nach wenigen Minuten werden laut Hansen die Wartenden mitgenommen. Inzwischen gibt es auch in den umliegenden Dörfern Mitfahrerbänke. Sie stehen an öffentlichen Plätzen und können vom Fahrer wie Mitfahrer gut eingesehen werden. In einer heiteren und zugleich informativen Art berichtete der Erste Bürgermeister aus Langensendelbach/Landkreis Forchheim, Oswald Siebenhaar, von seinen Erfahrungen. In dem rund 1.000 Einwohner großem Ortsteil Bräuningshof ermöglicht es die Bank, zu mehreren Zielen zu gelangen, zum Beispiel zum Einkaufen, zum S-Bahn-Halt oder direkt nach Erlangen. Seine Gemeinde sei ein Zuwachsort. "Wir haben eine inflationäre Steigerung der Bevölkerungszahl". Familiäre Strukturen haben dagegen abgenommen.

Nahezu 100 Prozent der Arbeitsplätze seien nach Erlangen, Nürnberg und Herzogenaurach ausgerichtet. Es existieren Spitzenpreise in Höhe von 500 Euro/qm für Bauland, plus Erschließung. "Wenn Leute bereit sind, diese Preise zu bezahlen, dann haben sie auch einen gewissen Anspruch an die Gemeinde!". Es habe sich ein Helferkreis gegründet, der dafür sorgen wollte, vakante Punkte wieder zu beleben. Und dazu gehört, dass beispielsweise die Bürger schnell den Bahnhof erreichen oder zum S-Bahn Anschluss nach Erlangen kommen. "Mitfahrerbänke sind eine Nischenlösung und eine bezahlbare Lösung!" betonte der Bürgermeister, "zumal an anderen Stellen oftmals in Gemeinden Gelder verbraten werden!". Ein Bewohner habe die Mitfahrbank getestet. 57 Mal sei er am Tag hin- und hergefahren, die längste Wartezeit für eine Mitfahrgelegenheit war zehn Minuten.

Zu Haftungsfragen gab der Weißenbrunner Bürgermeister Egon Hermann Auskunft. Zuvor stellte er klar, dass seine Bürger eine Mitfahrgelegenheit wollen. Es kommen aber auch Fragen auf, beispielsweise wenn es um die Sicherheit der Ehrenamtlichen geht, ob denn beispielsweise bei Unfällen alles die Haftpflicht deckt? Zuvor sprach die Regierungspräsidentin und Vorsitzende von Oberfranken Offensiv, Heidrun Piwernetz davon, dass das Demographie-Kompetenzzentrum den demografischen Wandel aktiv angehen wolle. Es gehe darum, Angebote für Jung und Alt zu entwickeln. "Mobilität ist ein Thema, das alle angeht!".

Für sie steht fest, dass der Öffentliche Personennahverkehr attraktiver gestaltet werden müsse. Die Mitfahrerbank bezeichnete sie als ein "kreatives Angebot". Bei den anschließenden etwa 20 Minuten dauernden Workshops mit den rund 50 Teilnehmern, darunter meistens Bürgermeister und Mandatsträger kamen zum Ausdruck, dass Mitfahrbänke durchaus ein Mittel sind, neben der Mobilität auch das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Und: "Mitfahrbänke sind ein klarer Vorteil für die Anbindung kleinerer Orte!"

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