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Verkehr

Kreis Kronach: So will die Polizei die Quote der Motorradunfälle wieder verringern

Die Sonne lacht, die Biker geben Gas: Damit alles rund läuft, kontrollieren jetzt speziell geschulte Polizisten.
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Da die meisten Motorradkontrolleure selbst Biker sind, finden sie rasch heraus, wo zu viel Tuning im Spiel ist. Foto: Andreas Hofbauer
Da die meisten Motorradkontrolleure selbst Biker sind, finden sie rasch heraus, wo zu viel Tuning im Spiel ist. Foto: Andreas Hofbauer
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Kaum haben die Polizisten in ihren markanten gelben Warnwesten mit den reflektierenden Streifen Stellung bezogen, schreiten sie auch schon zur Tat: Ein Motorrad nach dem anderen winken sie an den Straßenrand, um es einmal so richtig gründlich unter die Lupe zu nehmen. Sonderlich lange dauert es nicht, ehe die Beamten auch schon die erste Modifizierung an einem der Zweiräder entdecken. Der sogenannte DB-Killer fehlt - was die Maschine deutlich lauter werden lässt als erlaubt. Ein Verstoß, der den Fahrer gleich einmal 180 Euro kostet. "Blöd, dass sich die Polizei jetzt auch auskennt", meint der dazu nur trocken.

 

Denn eine gewöhnliche Kontrolle ist es nicht, die die Polizei in Heiligenstadt (Landkreis Bamberg) durchgeführt hat. Erstmals ist dabei die sogenannte Motorradkontrollgruppe im Einsatz, die das Polizeipräsidium Oberfranken erst Ende Juli ins Leben rief. "Der Vorteil ist: Die meisten Beamten sind selbst Motorradfahrer und schrauben in ihrer Freizeit an ihren eigenen Maschinen. Daher fällt es ihnen viel leichter, illegale Modifizierungen zu erkennen", sagt Polizist Marco Kieglsteiner, der bei der Kontrolle mit dabei ist.

 

Insbesondere die technischen Veränderungen an den Maschinen würden die Kontrollbeamten vor besondere Anforderungen stellen und versierte Fachkenntnisse voraussetzen. Aber nicht nur privat müssen sich die Beamten weiterbilden: Auch vonseiten der Polizei werden verschiedene Lehrgänge angeboten. So können erfahrene Polizisten ihre Motorradfachkenntnis an Kollegen weitergeben. "Es geht ja nicht darum, die Motorradfahrer zu piesacken oder zu gängeln. Es ist zu ihrer eigenen Sicherheit", betont Kieglsteiner.

 

Der ersten Kontrolle sollen in ganz Oberfranken daher im Spätsommer und Herbst noch viele weitere folgen, unter anderem im Landkreis Kronach. "Momentan sind wir zehn Motorradkontrollgruppen in Oberfranken. Bei einer Kontrolle sollen aber, so ist das Ziel, immer mindestens vier Beamte vor Ort sein", erklärt Kieglsteiner.

 

Motorradfahrer sind Hauptrisikogruppe

Eine der Ursachen, weshalb die zehn Gruppen nun unterwegs sein werden, sind die 574 Verkehrsunfälle in Oberfranken, in die im vergangenen Jahr Motorräder involviert waren. Angesichts von insgesamt 33 049 Unfällen eine Zahl, die auf den ersten Blick vergleichsweise niedrig erscheint. Sorgen bereitet sie der Polizei dennoch. Immerhin wurden 500 Kradfahrer dabei verletzt, acht sogar getötet. Demnach seien Motorradfahrer der Hauptrisikogruppe für schwere Verkehrsunfälle zuzurechnen, teilte das oberfränkische Polizeipräsidium in seiner jüngsten Verkehrsunfallstatistik mit. In der Hälfte der Fälle gehe die Unfallursache nämlich von den Motorradfahrern selbst aus.

 

Die Kontrollgruppen sollen dazu beitragen, dass sich die Quote zukünftig wieder verringert. Eine Idee, die auch in der Kronacher Polizeiinspektion auf offene Ohren stößt. "Ich finde es sehr gut, dass es die jetzt gibt", findet etwa Wolfgang Schramm, der dortige stellvertretende Sachgebietsleiter Verkehr. "Es ist zwar eine Minderheit, die ihre Maschinen manipuliert, aber die Motorradfahrer, die über das Ziel hinausschießen, will man dann auch finden und rausziehen."

 

Beunruhigende Unfallzahlen seien es aber nicht, mit denen es die Polizeiinspektion im zuständigen Bereich zu tun habe. "Da sieht es bei uns eigentlich ganz normal aus", meint Schramm. Denn Strecken wie jene die von Kulmbach über Kronach, Mitwitz und über die Frankenwald-Hochstraße schließlich durch das Tettau-Tal bis nach Steinbach am Wald führt, sind bei Motorradfahrern zwar beliebt, von einem Motorradtourismus wie in der Fränkischen Schweiz könne allerdings keine Rede sein. "Die sind noch einmal in einer ganz anderen Region angesiedelt", meint Schramm.

 

Welche Rolle das Wetter spielt

Warum es im Kreis Kronach allein im ersten Halbjahr dieses Jahres mit 15 Unfällen, an denen Motorräder beteiligt waren, schon fast so viele gab wie im gesamten Jahr 2017 (21), weiß Anne Höfer von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken: wegen des Wetters! "In die Zahlen spielt immer mit rein, wenn eine Saison aufgrund des schönen Wetters schon viel früher losgeht", erklärt sie.

Und weil die Temperaturen schon im März mild genug waren, um die ersten Motorradliebhaber auf ihre Maschinen zu locken, spiegelt sich das inzwischen auch in der Statistik wider. "Bis die Autofahrer sich darauf eingestellt haben, dass wieder Motorräder unterwegs sind, dauert es erfahrungsgemäß immer etwas."

 

Der erste Einsatz der Motorradkontrollgruppe hat übrigens zur Folge, dass insgesamt drei Fahrer ihr Bike stehenlassen müssen. Nach einer Stunde kommen allerdings kaum noch Motorräder vorbei. Kieglsteiner nimmt's mit Humor: "Die werden schon Bescheid bekommen haben. Aber so ist das eben, dann wechseln wir ebenfalls den Standort." Das Wichtigste sei für ihn, die Straßen sicherer zu machen. "Denn häufig wissen die Motorradfahrer gar nicht, welchen Gefahren sie sich aussetzen."

 

 



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