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Kronach
Pandemie

Mit den Gedanken ist der Kronacher in Italien

Das geplante Treffen mit seinen Eltern und Kindern an Ostern musste Mirko Fontana verschieben. Bis auf weiteres müssen tägliche Telefonate ausreichen.
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Mirko Fontana telefoniert jeden Tag mit seiner Mutter, die in Norditalien lebt. Foto: Cindy Dötschel
Mirko Fontana telefoniert jeden Tag mit seiner Mutter, die in Norditalien lebt. Foto: Cindy Dötschel
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Jedes Jahr öffnet Mirko Fontana sein Eiscafé direkt am Marienplatz Anfang März. Eigentlich wollten seine Eltern dabei sein und extra aus Italien anreisen. "Am 3. März hat mein Vater angerufen, zu diesem Zeitpunkt war es in Italien bereits nicht mehr so sicher", sagt der 46-Jährige und sieht wartend auf sein Handy. Seine Eltern leben in der norditalienischen Stadt Belluno, die knapp 200 Kilometer Luftlinie von Bergamo entfernt ist. Bergamo ist besonders schwer von der Corona-Pandemie betroffen. Wie die örtliche Tageszeitung L'Eco di Bergamo am 30. März mitteilte, sind derzeit 8664 Menschen, die in der Provinz leben, nachweislich mit dem Virus infiziert. Alleine in der Woche vom 15. bis zum 21. März sind 313 Menschen an dem Virus gestorben.

Vor Weihnachten hat Fontana seine Eltern noch für ein paar Tage besucht, Anfang Februar waren seine beiden erwachsenen Kinder, die in Lissabon leben, bei ihren Großeltern. "Damals gab es nur ein paar vereinzelte Fälle in China", erinnert er sich. Fontanas Mutter ist 69 Jahre alt, sein Vater 73. Obwohl beide keine Vorerkrankungen haben, gehören sie wegen ihres Alters zur Risikogruppe. "In der Provinz Belluno leben rund 202 000 Menschen, 262 haben sich mit dem Corona-Virus infiziert."

Jeden Morgen schickt Fontanas Mutter ihm eine kurze Nachricht, im Laufe des Tages telefonieren die beiden. "Gestern hat sie mir eine Liste mit der Anzahl der Infizierten in den einzelnen Regionen Italiens geschickt", erzählt Fontana. Er entsperrt sein Smartphone und zeigt ein Foto, auf dem sich ein roter, ein gelber und ein grüner Abschnitt erahnen lassen.

Passierschein zum Einkaufen

In Norditalien sind die Ausgangsbeschränkungen wesentlich strenger geregelt als in Deutschland. "Mein Vater geht nur noch in den Garten. Wenn meine Mutter zum Einkaufen geht, muss sie einen Nachweis ausdrucken und mit dem Datum ausfüllen", schildert Fontana die Maßnahmen. Spaziergänge seien streng verboten, Hundebesitzer dürfen sich zum Gassi gehen maximal 200 Meter von ihrem Zuhause entfernen. Wer gegen die Regeln verstößt, muss mit einer hohen Strafe rechnen. "Meine Mutter wurde bisher noch nicht kontrolliert."

Fontanas Eltern versuchen, sich bestmöglich abzulenken. "Mein Vater hat einige Gartenarbeiten erledigt, die er schon länger aufgeschoben hat. Momentan sitzt er viel auf der Terrasse und liest auf dem Tablet die Nachrichten." Wenn seine Mutter im Laufe des Tages anruft, hört Fontana meistens nur zu. "Sie berichtet über den Tag. Das ist ihre Art, mit der Krise umzugehen." Wenn sie sich über den neuesten Stand informiert hat, schickt sie oft eine gesammelte Nachricht an alle Familienmitglieder. Fontanas Vater befürchtet, dass es mindestens noch bis Juni dauern wird, bis alles überstanden ist.

Eine Firma in Italien sei im Moment dabei, zwei Millionen Masken in der italienischen Bevölkerung zu verteilen. Die Aktion sei bereits vor einer Woche angekündigt worden. "Meine Eltern warten noch darauf, dass die beiden Masken gebracht werden." Für alle Einwohner reichen die Masken allerdings nicht. Mit seinen Kindern in Portugal hält Fontana vor allem telefonisch und über Whatsapp Kontakt. "Sie haben Angst um uns und hoffen, dass wir uns alle gesund wiedersehen."

Familientreffen verschoben

Fontana selbst versucht, sich auch durch die Arbeit von der Sorge um seine Familienmitglieder abzulenken. "Wir wollten das Eiscafé für unsere Kunden offen lassen", sagt er. Deshalb ist der Straßenverkauf weiterhin geöffnet. "Ich muss niemanden daran erinnern, genug Abstand zu halten, auch die Kinder halten sich ohne Erinnerung an die Regeln."

In Kronach fühlt Fontana sich noch sicher. "Trotzdem versuche ich, so wenig wie möglich nach draußen zu gehen und mich gesund zu halten." Normalerweise geht er regelmäßig im Landesgartenschaugelände laufen, selbst darauf verzichtet er derzeit. "Es hat oberste Priorität für unsere Gäste und das Geschäft, gesund zu bleiben."

Fontana hofft, dass die Krise bald überstanden ist. Ursprünglich wollten seine Eltern und seine Kinder über Ostern nach Kronach kommen. "Natürlich tut es mir sehr leid, dass das Treffen nicht stattfinden kann. Aber der Besuch kann auch später stattfinden - Hauptsache alle sind gesund."