Küps
Barrieren

Mit dem Rollstuhl durch Küps

Unter dem Motto "Wie barrierefrei ist meine Gemeinde" machte der Küpser Bürgermeister im Kernort den Selbsttest. Dabei stieß er auf so manche Hindernisse.
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Mittels einer Rampe ist das Bankgebäude barrierefrei zu erreichen. In leichter Sprache: Bei der Bank ist es leichter. Dort gibt es schon eine Rampe für Rollstuhl-Fahrer.Heike Schülein
Mittels einer Rampe ist das Bankgebäude barrierefrei zu erreichen. In leichter Sprache: Bei der Bank ist es leichter. Dort gibt es schon eine Rampe für Rollstuhl-Fahrer.Heike Schülein

Schmale Gehsteige, hohe Bordsteinkanten, Treppenstufen, Erhebungen, kurze Grün-Phasen bei Fußgängerampeln - was ein Mensch nicht selbst als Barriere empfindet, nimmt er oft einfach nicht wahr. Aus diesem Grund machte Bürgermeister Bernd Rebhan einen Selbsttest im vom dichten Verkehr geprägten Innenbereich von Küps. Für den "Perspektivenwechsel" schlüpfte er sowohl in die "Rolle" des Rollstuhlfahrers als auch der schiebenden Begleitperson.

Anlass für die Testfahrt war die vom 7. bis 12. Oktober laufende "Woche der Barrierefreiheit", die im Landkreis Kronach mit einer Aktionsreihe begangen wird. Die Idee für die Begehung stammt von Sebastian Spichal, Leitung der Offenen Hilfen der Lebenshilfe Kronach. Dieser nahm daran ebenso teil wie Leonhard Valier vom gleichnamigen Büro für Städtebau und Bauleitplanung in Bamberg als auch Carmen Sommer und Tobias Preising vom Büro Planwerk in Nürnberg, die als externe Fachplaner aktuell mit der Marktgemeinde das Entwicklungskonzept KEK³ erarbeiten.

"Das Thema Barrierefreiheit wird immer wichtiger - gerade auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung mit einer älter werdenden Gesellschaft und auch immer mehr Menschen mit Handicap", verdeutlichte der Bürgermeister, der die Anregung für eine solche Aktion dankbar aufgriff.

Sehr hohe Bordsteine

Startpunkt war das Küpser Rathaus, entlang des "Radwegs" in Richtung Oberes Dorf. Nachdem Spichal im Rollstuhl Platz genommen hatte, schob ihn Rebhan auf dem zunächst noch eben verlaufenden Gehsteig. Auffällig waren hier die sehr hohen Bordsteine. "Die Straße wurde in den 1970er Jahren gebaut. Damals hatte man noch keine Barrierefreiheit im Blick. Der hohe Bordstein sollte insbesondere die Fußgänger vor dem Verkehr schützen", erläutert das Gemeindeoberhaupt.

Die ersten Meter verlaufen relativ problemlos. Um zur Bank zu gelangen, muss die Straße überquert werden. Dazu dreht sich Rebhan zusammen mit dem Rollstuhlfahrer um, so dass beide mit dem Rücken zur Straße stehen, bevor er ihn - über den abgesenkten Bordstein hinweg - über die Straße schiebt. Obwohl das Ganze nicht lange dauert, stauen sich im Handumdrehen Fahrzeuge auf beiden Seiten - und es gibt nicht nur verständnisvolle Blicke.

Die Bank selbst ist mittels einer Rampe komplikationslos zu erreichen. Auf gleichem Weg geht es wieder zurück auf die andere Straßenseite, wo der Gehsteig nach einigen Metern deutlich schmaler wird - zu schmal für den Rollstuhl, dessen linke Reifen auf der verkehrsreichen Straße fahren müssen. Die Engstelle ist zwar schnell überwunden. Dafür geht es nun steil bergauf und der Bürgermeister gerät, den Oberkörper stark nach vorne gebeugt, gewaltig ins Schnaufen.

Oben angekommen, erfolgt ein Rollentausch. Im Bereich "Röthenstraße", Richtung Parkplatz, geht Rebhan nun selbst im "Rolli" auf Tour. "Ein sehr ungewohntes Gefühl", wie er einräumt. Hinzu kommen die sehr holprigen Pflastersteine. Beim Kopfsteinpflaster ist jeder kleine Pflasterstein aufgewölbt. Dazwischen verlaufen mehr oder weniger breite Fugen.

Während die großen Hinterräder des Rollstuhls locker über die "Hügellandschaft" laufen, wollen sich die kleinen Vorderräder immer wieder in den kleinen "Tälern" festkeilen. Rollstuhl-Schieber Leonhard Valier muss daher schon ordentlich Schwung nehmen und seine ganze Kraft einbringen, damit es vorwärts geht. "Es gibt auch Menschen, die circa 150 Kilogramm wiegen und auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Da kann man sich vorstellen, wie schwierig das ist", erzählt Spichal.

Das nächste Hindernis erweist sich nicht nur als schwierig, sondern als schier unüberwindbar - die Treppen "Am Plan", die insbesondere als Abkürzung für die Schulkinder dienen. Um als Rollstuhlfahrer eine Treppe zu überwinden, braucht es entweder einen sehr aktiven Fahrer mit viel Übung oder mindestens zwei Helfer. Dennoch sind die Treppen so schmal, dass man hier einen Erwachsenen unmöglich von oben sicher nach unten bringen könnte. Im unteren Dorf geht es auf dem "Radweg" beziehungsweise auf die Straße "Am Rathaus", zurück; dieses Mal jedoch auf der anderen Seite. Auch die Apotheke, zu der man einen kurzen Abstecher unternimmt, hat bereits Vorkehrungen für Barrierefreiheit getroffen.

Nur bis zur Fahrbahnmitte

An der großen Kreuzung geht es an der Fußgängerampel auf die andere Straßenseite. Während hier die Grün-Phase ausreichend ist, versucht Rebhan im Anschluss im Rollstuhl möglichst schnell die vielbefahrene Bundesstraße zu überqueren. Mit den Händen bewegt er das Gefährt voran. Er setzt seine Arme so weit wie möglich nach hinten an, umfasst die Greifräder und schiebt diese mit einer flüssigen Bewegung nach vorne. Doch so sehr er sich auch abmüht: Als die Ampel wieder "Rot" zeigt, hat er gerade einmal die Fahrbahnmitte erreicht.

"Eventuell müsste man hier die Grün-Phase verlängern", überlegt er. Da es sich jedoch um eine Bundesstraße handelt, obliegt diese Entscheidung nicht der Marktgemeinde. Eine sinnvolle Hilfestellung seien, so Spichal, akustisch und taktil ausgestattete Ampelanlagen, die blinden und sehbehinderten Fußgängern eine Unterstützung für die sichere Überquerung bieten. Man unterscheidet zwischen einem Auffinde- und einem Freigabesignal. Das Auffindesignal signalisiert: Hier in der Nähe ist eine Ampel! Dieses Signal ist bei eingeschalteter Ampel dauerhaft in Betrieb und wird geräuschabhängig gesteuert. Fährt ein Lastwagen vorbei, wird das Tackern sofort lauter. Das Freigabesignal bedeutet: Jetzt ist es Grün!

"Es besteht reichlich Handlungsbedarf", ist sich Rebhan sicher. Der Selbsttest sei für ihn, wie er einräumt, eine wichtige Erfahrung gewesen, um Schwachstellen und Stolperfallen zu erkennen. Barrierefreiheit sei nicht "nur" für Menschen mit Handicap wichtig, sondern auch für Senioren, die auf einen Rollator angewiesen sind, oder auch junge Eltern mit Kinderwagen. Bei jeder Sanierung, jedem Umbau und Neubau werde in der Marktgemeinde verstärkt darauf geachtet.

Lösungen für den Verkehr

Dringend bedürfe es Lösungsmöglichkeiten für die Verkehrssituation, die den Küpsern sehr zu schaffen mache. "Wir wollen dieses Problem angehen und damit auch die Wohnqualität verbessern", betont er. Große Hoffnungen setzt er in das Küpser Entwicklungskonzept KEK³. Dieses beinhaltet das Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), die vorbereitenden Untersuchungen (VU) und das Gemeindeentwicklungskonzept (GEK). Es geht dabei um die Weiterentwicklung der Kerngemeinde, der Ortsteile und um Sanierungen von historischen Gebäuden. "Das KEK³ ist einmalig in Oberfranken", würdigt Rebhan diese drei parallel zueinander laufenden und gemeinsam erstellten Konzepte. Mit ihnen sollen neben einer Analyse der Stärken und Schwächen der Kommune künftige städtebauliche Leitvorstellungen und Ziele für Maßnahmen und Projekte zusammengefasst werden.

Der Artikel in leichter Sprache

Es gibt Hindernisse in der Gesellschaft.

Das heißt: Wir denken, man kann Dinge nicht ändern.

Oder wir sehen sie nicht.

Das sind dann Barrieren im Kopf.

Deswegen gibt es die Barrierefreie Woche in Kronach vom 7. Oktober bis 12. Oktober.

In Küps gibt es viele Barrieren.

Das spricht man so: Bar-jä-re.

Eine Barriere ist ein Hindernis.

Es gibt verschiedene Hindernisse.

Für Menschen im Rollstuhl sind oft Gehwege oder Treppen-Stufen eine Barriere.

Der Bürgermeister Bernd Rebhan von Küps sagt:

Wir wollen dieses Problem angehen

und damit auch die Wohnqualität verbessern.

Das heißt: In Küps soll es in der Zukunft weniger Barrieren geben.

So kann man dort dann noch besser und leichter wohnen.

Der Bürgermeister machte einen Selbst-Test in Küps mit einem Rollstuhl.

Dabei fährt er mit dem Rollstuhl viel benutzte Wege in Küps.

Und auch als Begleitung von einem Rollstuhl-Fahrer testet er die Wege.

Er möchte wissen:

Wie gut kann man in Küps mit dem Rollstuhl fahren?

Den Bürgermeister Rebhan begleiteten dabei vier Personen:

• Sebastian Spichal, der Leiter von den Offenen Hilfen

von der Lebenshilfe Kronach

• Leonhard Valier vom Büro für Städte-Bau und Bauleit-Planung in Bamberg

• Carmen Sommer und

• Tobias Preising, beide vom Büro Planwerk in Nürnberg

Alle 4 Personen können sich bei dem Abbau von Barrieren

in Küps Gedanken machen.

Beim Laufen oder Fahren über die Bundes-Straße stellt die Gruppe fest:

• Die Ampel schaltet zu schnell um.

• Es fehlen Signale für Menschen mit einer Sehbehinderung.

Die Barrieren betreffen alle Alters-Gruppen.

Es gibt Hindernisse beim Gehen.

Das spüren Menschen mit einem Rollator.

Für Eltern mit Kinderwägen sind die Wege oft schwer zu fahren.

Das soll zum Beispiel anders werden.

Bürgermeister Rebhan kann sich für die Straßen

und die Verkehrs-Ampeln in Küps einsetzen.

Für manche Änderungen ist der Staat zuständig.

Das ist die Regierung in Deutschland.

Dann kann er nichts allein ändern. Der Text in Leichter Sprache wurde erstellt und geprüft vom Büro für Leichte Sprache der Regens Wagner Offenen Hilfen im Landkreis Lichtenfels.

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