Tettau
Firmenbesuch

Minister Georg Eisenreich bei Gerresheimer in Tettau: Lobbyismus im Schutzanzug

Der bayerische Staatsminister Georg Eisenreich besichtigte am Freitagnachmittag das Tettauer Gerresheimer-Werk.
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Werkleiter Bernd Hörauf (re.) zeigt Minister Georg Eisenreich ein fertiges Glasflakon. Mit im Bild Tettaus Bürgermeister Peter Ebertsch (2. v.re.) und  Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner.   Foto: Andreas Schmitt
Werkleiter Bernd Hörauf (re.) zeigt Minister Georg Eisenreich ein fertiges Glasflakon. Mit im Bild Tettaus Bürgermeister Peter Ebertsch (2. v.re.) und Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner. Foto: Andreas Schmitt
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Mit Floskeln hielt sich Bernd Hörauf, Geschäftsführer des Tettauer Gerresheimer-Werks, nicht lange auf. Zu kostbar war ihm die Zeit. Kaum hatte sich Georg Eisenreich (CSU), bayerischer Staatsminister für Digitales, Medien und Europa, ins goldene Buch des Marktes Tettau eingetragen, ging es ans Inhaltliche. "Das ist ein Arbeitstermin", verdeutlichte Hörauf, der das seit 1998 zum Düsseldorfer Gerresheimer-Konzern gehörende Glasmacher-Werk seit 17 Jahren leitet.

Gerresheimer-Auszubildender wurde vom Vater infiziert

"In der Glasindustrie arbeiten in Deutschland 54 000 Menschen, fast so viele wie in der Stahlindustrie", sagte Hörauf. "Und das gläserne Herz Deutschlands liegt in der Rennsteigregion", betonte er.

Von Söder befördert

Nach der Vorstellung des Tettauer Werks, das vor allem Glasbehältnisse für die Kosmetikindustrie herstellt, schloss sich ein Firmenrundgang an. "Den habe ich auch daheim", sagte Minister Eisenreich im Ausstellungsraum beim Blick auf einen Deoroller. Der 47-Jährige sitzt seit 2003 im Landtag und gehört seit 2013 dem Kabinett als Staatssekretär an. Im März wurde Eisenreich, vorher deutlicher Kritiker von Horst Seehofer, von Ministerpräsident Söder befördert.

Eine gute halbe Stunde lang zogen die Besucher, die dazu Schutzanzüge, Ohrstöpsel und Kopfhauben anlegten, durch die Glasfirma im Tettauer Gemeindeteil Alexanderhütte. Vorbei an den Schmelzwannen, in denen aus den Grundprodukten Sand, Kalk und Soda bei "diesen verrückten 1600 Grad Celsius" (Hörauf) Glas wird. Der Werkleiter zum Vergleich: "Wenn man sich am Adventskranz brennt, sind das 300 Grad." Sein unmissverständlicher Tipp: "Nirgends mit den Fingern hin, sonst sind die Finger weg."

Extrem heiße Räume, in denen das Rot des Feuers an den Maschinen mit dampfendem Rauch untermalt daherkommt, wechseln sich in den Firmenhallen ab mit dem sogenannten "kalten Ende", an dem die Glasverpackungen gestaltet werden.

Rundgang beeindruckt

"Das war sehr beeindruckend", sagte Minister Eisenreich. "Man sieht, dass es sich um einen Hochtechnologiestandort handelt." Der Münchner betonte, sich aus zwei Gründen für gleiche Lebensverhältnisse auf dem Land einzusetzen. "Zum einen stammt meine Familie aus Niederbayern und mein Vater musste damals nach München, weil er dort keinen Job fand." Zum anderen seien die Ballungsräume an der Belastungsgrenze. "Deshalb ist die Balance zwischen Großstädten und Peripherie Grundziel der Regierung. Auf dem Land müssen Menschen gute Schulbildung, gute Arbeitsplätze und damit Perspektive haben."

Interview mit dem Gerresheimer-Werkleiter und die Historie des Unternehmens

Die lokalen Verantwortlichen hatten für Eisenreich aber noch Verbesserungsvorschläge parat. "Bis wir in Kronach sind, dauert ja schon, und da ist noch lange keine Autobahn", erinnerte Tettaus Bürgermeister Peter Ebertsch (Bündnis für Tettau) an die Verkehrsanbindung. Hans Rebhan, Vorsitzender des IHK-Gremiums Kronach, wünschte sich von der Regierung weiterhin tatkräftige Unterstützung beim Kronacher Streben, Hochschulstandort zu werden.

Bernd Hörauf schilderte, dass die Glasindustrie in der Region sehr gut funktioniere. Das Tettauer Werk habe innerhalb der Gerresheimer-Gruppe zuletzt überdurchschnittlich zugelegt.

Der Werkleiter klagte aber über politische Entscheidungen. Zum einen die Maut auf Bundesstraßen, zum anderen die Berechnung der Strom-Netzentgelte. Denn Strom ist für die Glasmacher am Rennsteig die Grundlage schlechthin. "Heinz-Glas, Wiegand und wir verbrauchen so viel Strom wie Bayreuth und Bamberg zusammen."

Deutlich kritisierte Hörauf, dass die energieintensiven Unternehmen für 2012 und 2013 auf Drängen der EU Geld nachzahlen sollen, weil sie von der Bundesregierung angeblich bevorzugt wurden. "Wenn wir einem Beschluss nicht mehr glauben können, ist es mit der Rechtssicherheit dahin."

Minister Eisenreich beschwichtigte ("Das ist ein Graubereich."), lud aber zu einem Treffen mit Wirtschaftsministerium und EU in die Staatskanzlei ein. "Dann ringen wir um die besten Lösungen", sagte Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU), der den Firmenbesuch initiierte.



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