Kronach
Ärger

Mieter am Kronacher Flügelbahnhof suchen Gespräch mit Politik

Zwei Dutzend verärgerte Mieter nahmen die Gelegenheit wahr, am Flügelbahnhof in Kronach mit Vertretern der Stadtpolitik ins Gespräch zu kommen.
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Angela Hofmann (vorne, links), Sabine Gross (Bildmitte) und Klaus Simon (hinten, rechts) sprachen mit Mietern vom Flügelbahnhof. Foto: Marco Meißner
Angela Hofmann (vorne, links), Sabine Gross (Bildmitte) und Klaus Simon (hinten, rechts) sprachen mit Mietern vom Flügelbahnhof. Foto: Marco Meißner

Wenn Sonja Mattes durch ihre Wohnung führt und von der dritten Mieterhöhung innerhalb von fünf Jahren spricht, bleibt ihr nur ein Kopfschütteln. 516 Euro warm soll sie für ihre 52 Quadratmeter zahlen. Dabei liege es nicht etwa am Renovierungseifer der verschiedenen Besitzer des Gebäudes, dass die Räume zwischen abgegriffener Eingangstür, 20 Jahre alten Fenstern und 40 Jahre altem Bad doch etwas hermachen. Sie selber habe die Wohnung über die Jahre herausgeputzt.

Zu dem Rundgang hatte der Mieterverein eingeladen. Mit dabei sind Zweite Bürgermeisterin und Bürgermeisterkandidatin Angela Hofmann (CSU), Vereinsjustiziarin und Bürgermeisterkandidatin Sabine Gross sowie Stadtrat Klaus Simon (beide SPD). Das Trio will den verärgerten Mietern am Flügelbahnhof ein offenes Ohr schenken. Etwa 25 Betroffene haben sich im Garten - auch den haben die Bewohner selbst in Schuss gebracht - versammelt.

Sie argumentieren sachlich, werden selten laut. Von Querulanten und Nörglern, als die sie sich häufig abgestempelt fühlen, kann an diesem Nachmittag jedenfalls nicht die Rede sein.

Sabine Gross weist einmal mehr auf die Bedeutung hin, die sie einem Mietspiegel beimisst. Dieser könnte eine Vergleichbarkeit herstellen und somit eine größere Rechtssicherheit für die Mieter schaffen, denn "es gibt Grenzen für Mieterhöhungen. Man kann nicht einfach alle drei Jahre sagen, wir erhöhen um 20 Prozent."

Angela Hofmann dankt dem Mieterverein für dessen Engagement, zum Beispiel, um das Problem mit Inkasso-Forderungen zu lösen. Sie sichert zu, dass Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) sich nicht zuletzt für gute Ansprechpartner und bessere Sprechzeiten bei den Verwaltern der Gebäude einsetze. In puncto Mietspiegel teilt sie die Meinung des Vereins aber nicht. "Man kann den Spiegel auch hernehmen, um Mieten zu erhöhen", ist sie überzeugt.

Doch an dieser Frage sollte sich die Diskussion nicht aufhängen, "denn wir sind hier, um mit Euch ins Gespräch zu kommen. Die direkte Rückmeldung der Mieter ist auch für die Stadt Kronach sehr wichtig".

Gut zugehört

Diese Aufforderung stieß auf große Resonanz. Über eine Stunde sperrten die Gäste am Flügelbahnhof die Ohren auf und hörten sich Sorgen und Beschwerden der Mieter an. Dabei ging es den Bewohnern nicht ausschließlich um die regelmäßigen Mieterhöhungen ("Mieterwechsel - Erhöhung, Mieterwechsel - Erhöhung, ..."). Den Menschen in den ehemaligen KWG-Wohnungen brennen oft auch viel alltäglichere Probleme auf den Nägeln.

Von der schlechten Erreichbarkeit im Büro der Wohnungsverwaltung ist die Rede. Ebenso von Besitzern, "die überhaupt nicht wissen, was hier los ist, weil sie bloß in der Ferne in ihrem Büro sitzen". Alfred Bittruf, Vorsitzender des Mietervereins und selbst Mieter einer KWG-Wohnung, spricht von "paradoxen" Gebührenabrechnungen, die sich aus ihm nicht nachvollziehbaren Gründen auf Quadratmeter beziehen statt auf Bewohnerzahl (zum Beispiel Außenlicht) oder wo für gleiche Mülltonnengrößen unterschiedlich kassiert wird.

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