Kronach
Erfahrung

Melanies Reisetagebuch: "Mein Start in eine neue Welt"

Über sieben Millionen Einwohner leben in Indiens Stadt Hyderabad - nun auch die Kronacherin Melanie Eichhorn.
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Zusammen mit Clementine Daub (links) wird Melanie Eichhorn im Frauenschutz-Projekt "Bhumika Women's Collective" arbeiten. Foto: Simon Leupold
Zusammen mit Clementine Daub (links) wird Melanie Eichhorn im Frauenschutz-Projekt "Bhumika Women's Collective" arbeiten. Foto: Simon Leupold
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Oft wurde ich seit meiner Ankunft nach meinem ersten Eindruck gefragt. Nach meinem ersten Eindruck von meiner neuen Heimat Indien. Nun, was soll ich sagen? Ich glaube, es ist unmöglich, ein so komplexes und diverses Land in nur einem einzigen Eindruck einzufangen.

Fand ich es chaotisch, als uns am Flughafen im Mumbai jeder Mitarbeiter eine andere Information über unseren Anschlussflug gab? Kann man wohl sagen! Fand ich es beeindruckend, eine 30 Meter hohe Büsten-Statue des Hindu Gottes Shiva mitten in einer sandigen Landschaft in Coimbatore vorzufinden? Auch das kann ich eindeutig mit "ja" beantworten. Und fand ich es respekteinflößend, nach einer 20-stündigen Zugfahrt meiner neuen Heimat - mit mehreren Millionen Einwohnern - gegenüber zu stehen? Natürlich tat ich das!


Inspirierend und meditativ

Hier ist er also, mein erster Eindruck: chaotisch, beeindruckend, respekteinflößend. Aber natürlich ist es unmöglich, all seine Gefühle in drei Worte zu packen. Indien ist so viel mehr und ich fange gerade erst an, dieses Land zu entdecken. Es ist inspirierend und meditativ.

Als wir 20 Freiwillige der Karl-Kübel-Stiftung unsere erste Woche gemeinsam in Coimbatore verbrachten, besuchten wir ein Meditationszentrum. Uns kam die Ehre zuteil, in Heilwasser baden zu dürfen. "Was ist denn an dem Wasser eigentlich so heilend?", fragte ich unsere Mentorin. "Mercury!", war ihre Antwort. Mercury? Was war das noch mal für ein Metall? Dass es sich dabei um Quecksilber handelt, fiel mir erst nach unserem Bad ein. Da das Wasser aber kalt war und somit keine Dämpfe entstanden waren, beschloss ich, einfach nicht darüber nachzudenken und das Bad in positiver Erinnerung zu behalten.

Getrennt von unseren drei Jungs (im selben Becken baden, wird in der indischen Gesellschaft vermieden) stiegen wir 17 Mädchen und unsere Mentorin ein steinernes Gewölbe hinab. Unten angekommen, erwarten uns hohe Decken, verziert mit wunderschönen, bunten Gemälden und ein Becken, in dessen Mitte sich ein riesiges Ei aus Quecksilber befand, von dem die heilende Wirkung ausgehen sollte.

Etwas unsicher tapsten wir also unserer Mentorin hinterher. Nach und nach stiegen wir alle ins Wasser und hielten kurz den Atem an, da das Wasser kälter war, als erwartet. Wir beobachteten gespannt, was nun folgte. Unsere Mentorin schritt selbstsicher auf das eiförmige Metall zu, legte ihre Hände darauf und tauchte ab. Als sie wieder die Wasseroberfläche durchbrach, lächelte sie uns aufmunternd zu. Also taten wir es ihr gleich und wiederholten den ganzen Vorgang dreimal. Danach fühlten wir uns alle tatsächlich leichter und ganz entspannt.


Hektische Blicke

Als wir dann auch noch abschließend Zeugen einer meditativen Zeremonie werden durften, die neben Schweigen auch wildes Getrommel oder melodische Musik beinhaltete, war mein Eindruck bestätigt: Indien ist inspirierend und meditativ.

Oder ist Indien doch eher laut und undurchschaubar? Dieser Eindruck kam mir jedenfalls, als wir das erste Mal ins Stadtinnere fuhren. "Schaut, dort drüben ist das Einkaufszentrum schon, ihr müsst einfach nur über die Straße", rief uns unsere Mentorin über das Brausen der Motoren und das Dröhnen der Hupen zu.

Ok, über die Straße gehen, das kann ich - dachte ich! Als mir aber nach mehreren hektischen Blicken nach rechts und links keine Ampel ins Auge fiel, wusste ich, was nun bevorstünde: Ein Schlangenlauf durch halb stehende, halb vorbei rasende Fahrzeuge. Doch mittlerweile habe ich schon verstanden, dass das Ganze halb so schlimm ist, sobald man den ersten Schritt wagt. Die Fahrer hier rechnen mit Personen, die an ihren Fahrzeugen vorbeihuschen. Bislang habe ich auch keinen einzigen Verkehrsunfall gesehen. Also ist Indien doch nicht so undurchschaubar?

Wenn ich eines mit Sicherheit bisher sagen kann, dann dass dieses Land bunt ist. Bunt, vielfältig und abwechslungsreich. Wir Freiwillige haben uns mittlerweile aufgeteilt, jeder ist in sein Projekt weitergereist. Jetzt heißt es für meine Partnerin Clementine Daub und mich aber erstmal, unsere Organisation kennen zu lernen und zu verstehen, wie Frauenrechtsarbeit in Indien funktioniert.


Melanies Tagebuch:

Projekt Acht Monate lang wird die Kronacherin Melanie Eichhorn (19) in einem entwicklungspolitischen Projekt in der indischen Metropole Hyderabad arbeiten - und einmal im Monat für den Fränkischen Tag von ihren Erlebnissen berichten.

Blog Wer bis zum nächsten Artikel auf dem Laufenden bleiben möchte, wird auf dem Blog bbp17-hyderabad.blogspot.de fündig. red
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