Reichenbach
Musik

Mehr als Polkas und zackige Märsche

Alle Freunde der Volksmusik kamen beim 19. Reichenbacher Kulturabend voll auf ihre Kosten.
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Die Original Reichenbacher Blasmusik riss ihr Publikum beim 19. Kulturabend mit. Mit im Bild ist Kulturattaché Reinhard Hertel (vorne)
Die Original Reichenbacher Blasmusik riss ihr Publikum beim 19. Kulturabend mit. Mit im Bild ist Kulturattaché Reinhard Hertel (vorne)
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"Morgenroth - Unsere liebe Sau ist tot! Gestern war sie noch beim Eber; heute gibt's geback'ne Leber": So mancher Besucher des Reichenbacher Kulturabends staunte, was die "Frankenbeidl" für Lieder im Repertoire hatten - und dass man selbst bei einem Stück übers Sauschlachten lauthals lachen konnte.

"Wir spielen fränkische Volksmusik und da gehören auch Lumpereien dazu", hatte Reiner Hertel die vielen Besucher vorgewarnt. Der Mann mit dem kunstvoll hochgezwirbelten Schnauzbart ist als gebürtiger Reichenbacher der einzige Oberfranke der "Frankenbeidl" aus Hiltpoltstein. Mit viel Charme, Spitzbübigkeit und Schalk im Nacken hauten die Volksmusikanten einen Kracher nach dem anderen heraus. In ihren witzig-frechen, überwiegend selbst geschriebenen Liedern beleuchten sie Alltägliches aus ihrer alles andere als zimperlichen Sicht der Dinge. Immer wieder waren die Besucher gefragt, den Refrain der Gassenhauer mit zu singen. Diese konnten gar nicht genug haben von den Spaßmachern, auch wenn sicherlich niemand immer den vollständigen Text der Mundartlieder verstand. Dass diese flexibel auf ihr Publikum eingehen können, zeigte ein von ihnen gerne erfüllter Sonderwunsch. Die "jungen Wilden" des zahlen- und lautstarkmäßig sehr gut vertretenen Knappenvereins Stockheim hatten sich "Es scheint der Mond so hell" gewünscht. Kein Problem! Und so sangen schließlich in guter mittel-/oberfränkischer Gemeinsamkeit die "Frankenbeidl" gemeinsam mit den Nachwuchsknappen auf der Bühne. Das Publikum tobte!
Handgemachte und zu Herzen gehende Musik bot auch di Kulturabend Reichenbach e Original Reichenbacher Blasmusik (ORB), zusammen mit dem Bergarbeiter-Unterstützungsverein (BAUV) Reichenbach. Die Begrüßung der Gäste oblag Kulturattaché Reinhard Hertel. Er dankte allen Mitwirkenden des Abends und kündigte einen "bombastisches, musikalisches Feuerwerk" an. Reichenbachs Bürgermeisterin Karin Ritter und Landrat Klaus Löffler würdigten den Idealismus, mit dem die Verantwortlichen schon so lange die Traditionsveranstaltung aufrecht erhalten. Unsere vielen Ehrenamtlichen und Kulturträger belegten, so der Landrat, dass der Slogan
"Unser Landkreis Kronach - Oberfrankens Spitze" nicht nur topographisch zu verstehen sei.


Glänzend vorbereitet

Die Beiden und auch alle weiteren Besucher konnten sich über ein abwechslungsreiches Programm freuen, das dem Motto "So schön ist Blasmusik" alle Ehre machte. Einmal mehr hatte ORB-Dirigent Klaus Schnappauf seine Musiker glänzend vorbereitet. Zum Klingen kamen überwiegend Titel aus Böhmen und Mähren: schmissige Polkas ebenso wie zackige Märsche - so beispielsweise der "Kaiserin Sissi-Konzertmarsch".

Anhänger der Big-Band-Musik erfreuten sich an dem grandiosen Medley "Visit to George Gershwin" mit Hits des US-amerikanischen Erfolgskomponisten sowie an der Erkennungsmelodie der einstigen TV-Show "Musik liegt in der Luft". Rhythmisch präzise schuf das Orchester das klangliche Fundament, auf dem sich das Spiel großartiger Solisten entfalten konnte.

Mit viel Gefühl ließ Julian Scherbel sein Tenorhorn bei der Liebesballade "Gedanken an Dich" erklingen, während Desi Georgie mit ihrem zauberhaften "Bavaria"-Trompetensolo beeindruckte. Virtuos brachten auch Frank Jakob und Hubert Klug das Solo-Galopp für Klarinette dar.
Erneut konnten die Gäste per Stimmzettel ihren Lieblingstitel der Blasmusik-Hitparade auswählen. Den ganzen Abend über sorgten die Mitglieder des BAUV unter Vorsitz von Diana Heinz für die Bewirtung.

Neben der Musik standen auch Ehrungen im Mittelpunkt. Und so ehrte der BAUV seine Vorsitzende Diana Heinz für 25-jährige Mitgliedschaft im Verein mit dem Vereinsabzeichen in Silber. Die Ehrung wurde von Günter Laurer vom Landesverband Bayerischer Bergmanns-Knappen und Hüttenmännischer Vereine sowie Kulturattaché Reinhard Hertel vorgenommen. Die Auszeichnung für langjährige ORB-Mitglieder oblag dem Kreisvorsitzenden des Nordbayerischen Musikbunds (NBMB), Wolfgang Müller. Geehrt für zehnjähriges Musizieren wurden Axel Licht und Julian Scherbel. Mit Manfred Förtsch, Günter Hoderlein sowie Günter Pfadenhauer halten gleich drei Ehren- und Gründungsmitglieder der ORB seit nahezu unglaublichen 60 Jahren die Treue. Förtsch erlernte ab 1957 das Schlagzeug. Als Technikfreak kaufte er sich damals schon eine Verstärkeranlage, die er bei der Vereinsgründung 1963 auch der Blasmusik mit zur Verfügung stellte. 1973 war er Zweiter Vorsitzender sowie von 1978 bis 1985 Kassenprüfer. Aktiv im Verein war er bis 1985.

Hoderlein ist das einzige noch spielende Gründungsmitglied. Der Posaunist erlernte sein Instrument ab 1958. 1991 wurde er für 25 Jahre Schriftführer-Tätigkeit geehrt. Pfadenhauer erlernte ab 1958 Tenorhorn. Trotz seines Umzugs nach Mammendorf hatte er immer ein offenes Ohr für die Blasmusik.

Müller überreichte Förtsch und Hoderlein die Verbandsnadel in Gold, die Ehrung von Pfadenhauer wird nachgeholt.

Stolz zeigte sich der Kreisvorsitzende, mit Klaus Schnappauf einen "Leuchtturm der Gesellschaft" für 35-jährige Dirigenten-Tätigkeit auszeichnen zu können. Der Vollblutmusiker spielt Akkordeon, Klarinette, Saxofon, Keyboard, Bariton und Tuba. Seit 1983 übt er das Armt des Dirigenten aus. "Du bist ein Glücksfall für Reichenbach", würdigte Müller die herausragenden Verdienste des Geehrten, der viele Stücke für seine Kapelle auch selbst schreibt.

Müller dankte den Jubilaren für deren Einsatz. Die ORB sei am stärksten im Kreisseniorenorchester 50+ vertreten und damit eine große Stütze.


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