Marktrodach
Tradition

Marktrodach: Nikolaus im Viererpack

In Marktrodach müssen die Kinder im besonders brav gewesen sein. Gleich vier Männer mit roten Gewändern und goldenen Büchern zogen durch die Straßen.
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Anstoßen auf eine gelungene Nikolaus-Tour. Foto: Anna-Lena Deuerling
Anstoßen auf eine gelungene Nikolaus-Tour. Foto: Anna-Lena Deuerling
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Treffen sich vier Nikoläuse und bestellen sich eine Pizza - was wie der Anfang eines Witzes klingt, ist in Marktrodach mittlerweile zur festen Tradition geworden. Bereits zum fünften Mal ist die Gartenhütte von Oliver Skall in diesem Jahr zum geheimen Hauptquartier für die Männer mit den roten Zipfelmützen geworden.

Die Idee sei gewesen, eine Art Miet-Service für Nikoläuse anbieten, erzählt Skall am Donnerstag. "Nicht jeder hat einen Nachbarn oder Bekannten, der als Nikolaus einspringen kann." Und so versucht er mit dem SPD-Ortsverband Marktrodach, Kindern und Eltern Jahr für Jahr eine kleine Freude zu machen. Zwischen zehn und 15 Einsätze haben die Männer - das ergibt im Schnitt 30 offene Münder und glänzende Augenpaare. Koordiniert wird der Nikolauskalender von zwei befreundeten Damen. "Die zwei Mädels sind quasi unsere helfenden Weihnachtselfen", erzählt Skall. Verlangen würde man nichts für den Dienst, kleine Spenden seien aber üblich und kämen dem Kindergarten zugute.

Der Ablauf ist dann ähnlich: Mit lautem Glockengeläute kündigt sich der Nikolaus an - packt vor der Haustüre noch fix die bereitgestellten Geschenke in seinen Sack - und tritt vor die wartenden Kinder. In seinem großen, goldenen Buch habe das ganze Jahr über alles über sie gesammelt, erklärt er dann.

Und wenn er dann Valentin tadelt, dass er oft wütend und schlecht gelaunt gewesen sei, werden die Augen des kleinen Mannes immer größer, der Mund bleibt offen vor Staunen. "Mir ist es aber wichtig, dass die Kinder keine Angst vorm Nikolaus haben", betont Skall. Die Rute lasse er deshalb zu Hause - und die Ruten der Mit-Nikoläuse sollte man eher als "Rütchen" bezeichnen. Weinende Kinder wolle ja niemand auf seinem Resümee stehen haben - da sind sich Skall und seine Mitstreiter Thomas Schorn, Stefan Kaufmann und Marcel Herold einig. "Wir können das natürlich steuern", sagt Schorn. "Wenn ich mit ordentlichem Krawall reinpoltere, weinen die natürlich - da sind ja sogar die Eltern erschrocken."

Knecht Ruprecht als Bösewicht

Aber nach dem Motto "Nikolaus mit Menschenkenntnis" achte man auf die Reaktion der Kinder und betone im Zweifelsfall, dass man ja nicht der Knecht Ruprecht sei. "Der kommt schließlich nur nach Zeyern", scherzt da auch mal ein Nikolaus.

Ganz ohne Tadel kommen die Kleinen aber nicht aus der Nummer raus. Aber man achte darauf, dass die positiven Notizen im Büchlein überwiegen. Dass er in der Schule sehr fleißig sei, seine Hausaufgaben ohne Aufforderung erledige und sowieso ein braver und tapferer Junge sei, lässt auch bei Valentin wieder ein Lächeln im Gesicht aufblitzen. Natürlich hat er auch etwas vorbereitet - nach der Übergabe seines selbstgemalten Bildes staunt der Nikolaus nicht schlecht und zaubert für Valentin Geschenke aus dem großen Sack. Und so verschwindet der Nikolaus wieder in die Nacht, ihre Aufregung haben die Kinder da schon längst vergessen und widmen sich ihren Geschenken.

Zum Ausklang des Nikolaustages treffen sich die vier Darsteller später bei Skall. Zur Nachbesprechung der Einsätze gibt es Bier und Pizza. Für große, glänzende Augen und zitternde Knie zu sorgen, macht schließlich hungrig.



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